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Das Kapital : Kritik der politischen Oekonomie.

Marx, Karl, 1818-1883
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capitaleconomics
capital, economics

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Kritik der politischen Oekonomie.

Von

Karl Marx.

Erster Band. Buch I : Der Produktionsprocess des Kapitals.

Das Recht der üeberäetzung wird vorbebaltea.

Hamburg

Verlag aoii Otto Meissner. 1867.

New-York: L. W. Schmidt. 24 Barclav-Strcet.

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Gewidmet

meinem unvergesslichen Freunde,

dem kühnen, treuen, edlen Vorkämpfer des Proletariats,

Wilhelm Wolff.

Geb. zu Tarnau, 21, Juni 1809. Gest. im Exil zu Manchester 9. Mai 18 64.

Inhalt des ersten Bandes.

Vorwort ...•••

E r s t e s B u c li . Der P r u d ii k t i o n s p r o z c s s des Erstes Kapitel. Waare und Geld

1) Die Wiiare ....

2) Der Austauschprozcss der Waaren

3) Das Geld und die Waarencirkulation

A. Mass der Werthe

B. Cirkulationsmittel .

a) Die Metamorphose der Waaren

b) Der Umlauf des Geldes

c) Die Münze. Das Werthzeichen

C. Geld

a) Schatzbildung

b) Zahlungsmittel

c) Weltgeld .... Zweites Kapitel. Die Verwandlung von Geld in Kapital

1) Die allgemeine Formel des Kapitals

2) Widersprüche der allgemeinen Formel

3) Kauf und Verkauf der Arbeitskraft Drittes Kapitel. Die Produktion des absoluten Mehrwerths

1) Arbeitsprozess und Verwerthungsprozess

2) Constantes Kapital und variables Kapital

3) Die Rate des Mehrwerths

4) Der Arbeitstag .....

5) Rate und Masse des Mehrwerths . Viertes Kapitel. Die Produktion des relativen Mehrwerth

1) Begriff des relativen Mehrwerths .

2) Cooperation ....

3) Theilung der Arbeit und Manufaktur

4) Maschinerie und grosse Industrie

Kapitals.

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Fünftes Kapitel. Weitere Untersuchungen über die Produktion des abso- luten und relativen Mehrwerths .....

1) Absoluter und relativer Mehrvverth .....

2) Grössenwechsel von Preis der Arbeitskraft und Mehrwertli

A. Grösse des Arbeitstags und Intensivität der Arbeit constant, Pro

duktivkraft der Arbeit variabel .....

B. Constanter Arbeitstag, constante Produktivkraft der Arbeit

Intensivität der Arbeit variabel .....

C. Produktivkraft und Intensivität der Arbeit constant, Arbeitstag

variabel .........

D. Gleichzeitige Variationen in Länge des Arbeitstags, Produktiv

kraft und Intensivität der Arbeit .....

3) Verschiedene Formeln für die Rate des Mehrwerths

4) Werth , resp. Preis der Arbeitskraft in der verwandelten Form des Arbeitslohns .........

a) Die Formverwandlung .......

b) Die beiden Grundformen des Arbeitslohns : Zeitlohn und Stück

lohn ..........

Sechstes Kapitel. Der Accumulationsprozess des Kapitals

1) Die kapitalistische Accumulatioii ......

a) Einfache Reproduktion . . .

b) Verwandlung von Mehrwerth in Kapital ....

c) Das allgemeine Gesetz der kapitalistischen Accumulation .

2) Die s. g. ursprüngliche Accumulation .....

3) Die moderne Kolonisationstheorie ......

Nachtrag zu den Noten ........

Anhang zu Kapitel I, 1. Die Werthform

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Vorwort.

Das Werk , dessen ersten Band ich dem Publikum übergebe, bildet die Fortsetzung meiner 185 9 veröifentlichten Schrift: „Z u r K r i t i k der politischen 0 e k o n o m i e". Die lange Pause zwischen Anfang und Fortsetzung ist einer langjährigen Krankheit geschuldet, die meine Arbeit wieder und wieder unter- brach.

Der Inhalt jener früheren Schrift ist resümirt im ersten Kapitel dieses Bandes. Es geschah diess nicht nur des Zusam- menhangs und der Vollständigkeit wegen. Die Darstellung ist verbessert. Soweit es der Sachverhalt irgendwie erlaubte, sind viele früher nur angedeutete Punkte hier weiter entwickelt, wäh- rend umgekehrt dort ausführlich Entwickeltes hier nur ange-: deutet wird. Die Abschnitte über die Geschichte der Werth- und Geldtheorie fallen jetzt natürlich ganz weg. Jedoch findet der Leser der früheren Schrift in den Noten zum ersten Kapitel neue Quellen zur Geschichte jener Theorie er- öffnet.

Aller Anfang ist schwer, gilt in jeder Wissenschaft. Das Verständniss des ersten Kapitels, namentlich des Abschnitts, der die A n a 1 y s e der W a a r e enthält , wird daher die meiste Schwierigkeit machen. Was nun näher die Analyse der Werthsubstanz und der W e r t h g r ö s s e betrifft , so habe ich

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sie möglichst popularisirti). Anders mit der Analyse der Wertli- form. Sie ist scliwerverständlich , weil die Dialektik viel schär- fer ist als in der ersten Darstellung. Ich rathe daher dem nicht durchaus in dialektisches Denken eingewohnten Leser, den Abschnittvon p. 15 (Zeile 19 von oben) bis Ende p. 34 ganz zu überschlagen, und statt dessen den dem Buch zu- gefügten Anhang: „Die Werth form" zu lesen. Dort wird versucht, die Sache so einfach und selbst so schulmeisterlich dar- zustellen, als ihre wissenschaftliche Fassung erlaubt. Nach Be- endigung des Anhangs kann der Leser dann im Text wieder fort- fahren mit p. 3 5.

Die W e r t h f 0 r m , deren fertige Gestalt die G e 1 d f o r m , 4 ist sehr inhaltslos und einfach. Dennoch hat der Menschengeist - sie seit mehr als 2000 Jahren vergeblich zu ergründen gesucht, während andrerseits die Analyse viel inhaltsvollerer und kompli- cirterer Formen wenigstens annähernd gelang. Warum? Weil der ausgebildete Körper leichter zu studiren ist als die Körper- zelle, Bei der Analyse der ökonomischen Formen kann ausser- dem weder das Mikroskop dienen, noch chemische Reagentlen. Die Abstraktionskraft muss beide ersetzen. Für die bürgerliche Gesellschaft ist aber d i e W a a r e n f o r m des Arbeitsprodukts oder die Werthform der Waare die ökonomische Zellen- form. Dem Ungebildeten scheint sich ihre Analyse in blossen Spitzfindigkeiten herumzutreiben. Es handelt sich dabei

1) Es schien diess um so nüthiger, als selbst der Abschnitt von F. Las- salle's Schrift gegen S ch u Itze -D elitzsch , worin er ,, die geistige Quint- essenz'' meiner Entwicklung über jene Themate zu geben erklärt , bedeutönde Missverständnisse enthält. En passant. Wenn F. Lassalle die sämmt- lichen allgemeinen theoretischen Sätze seiner ökonomischen Ar- beiten, z. B. über den historischen Charakter des Kapitals , über den Zu- sammenhang zwischen Produktionsverliältnissen und Produk- tionsweise u. s. w. u. s. w. fast wörtlich, bis auf die von mir geschaffene Terminologie hinab, aus meinen Schriften entlehnt hat, und zwar ohne Quellenangabe, so war diess Verfahren wohl durch Propagandarücksichten bestimmt. Ich spreche natürlich nicht von seinen Detailausführungen und Nutz- anwendungen, mit denen ich nichts zu thun habe.

IX

in der Tliat um Spitzfindigkeiten, aber nur so wie es sich in der m i k r u 1 o g i s c h e n A n a t o ni i e darum handelt.

Mit Ausnahme des Abschnitts über die Werthform wird man daher diess Buch nicht wegen Seh werverständlichkeit ankla- gen können. Ich unterstelle natürlich Leser, die etwas Neues lernen, also auch selbst denken wollen.

Der Physiker beobachtet Naturprozesse entweder dort, wo sie in der prägnantesten Form und von störenden Einflüssen min- dest getrübt erscheinen, oder, wo möglich , macht er Exi)erimente unter Bedingungen, welche den reinen Vorgang des Prozesses sichern. Was ich in diesem Werk zu erforschen habe, ist die kapitalistische Produktionsweise und die ihr ent- sprechenden P r 0 d u k t i o n s - und V e r k e h r s v e r h ä 1 1 n i s s e. Ihre klassische Stätte ist bis jetzt England. Diess der Grund, warum es zur Hauptillustration meiner theoretischen Entwicklung dient. Sollte jedoch der deutsche Leser pharisäisch die Achseln zucken über die Zustände der englischen Lulustrie- und Acker- bauarbeiter, oder sich optimistisch dabei beruhigen, dass in Deutschland die Sachen noch lange nicht so schlimm stehn , so niuss ich ihm zurufen: De te fabula narratur!

An und für sich handelt es sich nicht um den höheren oder niedrigeren Entwicklungsgrad der gesellschaftlichen Antagonis- men, welche aus den Naturgesetzen der kapitalistischen Produk- tion entspringen. Es handelt sich um diese Gesetze selbst, um diese mit eherner Nothwendigkeit wirkenden und sich durch- setzenden Tendenzen. Das industriell entwickeltere Land zeigt dem minder entwickelten nur das Bild der eignen Zukunft!

Aber abgesehn hiervon. Wo die kapitalistische Produktion völlig bei uns eingebürgert ist, z. B. in den eigentlichen Fabri- ken, sind die Zustände viel seh lech ter als in England, weil das Gegengewicht der Fabrikgesetze fehlt. In allen andren Sphären quält uns, gleich dem ganzen übrigen kontinentalen Westeuropa, nicht nur die Entwicklung der kapitalistischen Pro- duktion, sondern auch der Mangel ihrer Entwicklung. Neben den modernen Nothständen drückt uns eine ganze Reihe vererbter Nothstände, entspringend aus der Fortvegetation alterthümlicher,

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überlebter Produktionsweisen mit ihrem Gefolg- von zeit widri- gen gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen. Wir leiden nicht nur von den Lebenden, sondern auch von den Todten. Le m 0 r t s a i s i t 1 e vif!

Im Vergleich zur englischen ist die sociale Statistik Deutsch- lands und des übrigen kontinentalen Westeuropa's elend. Den- noch lüftet sie den Schleier grade genug, um hinter demselben ein Medusenhaupt ahnen' zu lassen. Wir würden vor unsren eignen Zust<änden erschrecken, wenn unsre Regierungen und Parlamente, wie in England, periodische Untersuchungskom- missionen über die ökonomischen Verhältnisse bestallten, wenn diese Kommissionen mit derselben Machtvollkommenheit, wie in England, zur Erforschung der Wahrheit ausgerüstet würden, wenn es gelänge , zu diesem Behuf ebenso sachverständige , un- parteiische und rücksichtslose Männer zu finden, wie die Fabrik- inspektoren Englands sind , seine ärztlichen Berichterstatter über „Public Health" (Oetfentliche Gesundheit), seine Untersuchungs- kommissäre über die Exploitation der Weiber und Kinder, über Wohnungs- und Nahrungszustände u. s. w. Perseus brauchte eine Nebelkappe zur Verfolgung von Ungeheuern. Wir ziehen die Nebelkappe tief über Aug' und Ohr, um die Existenz der Un- geheuer wegläugnen zu können.

Man muss sich nicht darüber täuschen. Wie der amerikani- sche Unabhängigkeitskrieg des 18. Jahrhunderts die Sturmglocke für die europäische Mittelklasse läutete , so der amerikanische Bürgerkrieg des 19. Jahrhunderts für die europäische Arbeiter- klasse. In England ist der Umwälzungsprozess mit Händen greif- bar. Auf einem gewissen Höhepunlit muss er auf den Kontinent rückschlagen. Dort wird er sich in brutaleren oder humaneren Formen bewegen, je nach dem Entwicklungsgrad der Arbeiter- klasse selbst. Von höheren Motiven abgesehn , gebietet also den jetzt herrschenden Klassen ihr eigenstes Interesse die Wegräu- mung aller gesetzlich kontrolirbaren Hindernisse, welche die Entwicklung der Arbeiterklasse hemmen. Ich habe desswegen u. a. der Geschichte, dem Inhalt und den Resultaten der eng- lischen Fabrikgesetzgebung einen so ausführlichen Platz in die-

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sem Bande eingeräumt. Eine Nation soll und kann von der an- deren lernen. Auch wenn eine Gesellschaft dem Naturgesetz ihrer B e w e g u n g auf die Spur gekommen ist , — und es ist der letzte Endzweck dieses Werks das ökonomi- sche Bewegungsgesetz der modernen Gesellschaft zu enthüllen — kann sie naturgemässe Entwicklungsphasen weder überspringen, noch wegdekretiren. Aber sie kann die Geburtswehen abkürzen und mildern.

Zur Vermeidung möglicher Missverständnisse ein Wort. Die Gestalten von Kapitalist und Gruudeigenthümer zeichne ich kei- neswegs in rosigem Licht. Aber es handelt sich hier um die Personen nur, soweit sie die Personifikation ökono- mischer Kategorien sind, Träger von bestimmten Klassenverhältnissen und Interessen. Weniger als jeder andre kann mein Standpunkt, der die Entwicklung der ökonomischen Gesellschaftsformation als einen na- tu r geschichtlichen Prozess auffasst , den Einzelnen ver- antwortlich machen für Verhältnisse, deren Geschöpf er social bleibt, so sehr er sich auch subjektiv über sie erheben mag.

Auf dem Gebiet der politischen Oekonomie begegnet die f r e i e w i s s e n s c h a f 1 1 i c h e F 0 r s c h u u g nicht nur demselben Feinde, wie auf allen anderen Gebieten. Die eigenthümliche Natur des Stoffes, den sie behandelt, ruft wider sie die heftigsten, kleinlichsten und gehässigsten Leidenschaften der menschlichen Brust, die Furien des Privatinteresses, auf den Kampfplatz. Die eng- lische Hochkirche z. B. verzeiht eher den Augriff auf 30 von ihren 31» Glaubensartikeln als auf '/sa ihres Geldeinkommens. Heut- zutage ist der Atheismus selbst eine culpa levis, verglichen mit der Kritik überlieferter EigenWiumsverhältuisse. Jedoch ist hier ein Fortschritt unverkennbar. Ich verweise z. B. auf das in den letzten Wochen veröffentlichte Blaubuch : „C o r r e s p o n d e u c e w i t h H e r M a j e s t y ' s M i s s i 0 n s A b r 0 a d , r e g a r d i u g I n - d u s t r i a 1 Q u e s t i o n s and T r a d e 's Union s." Die auswär- tigen Vertreter der englischen Krone sprechen es hier mit dürren Worten aus, dass in Deutschland, Frankreich , kurz allen Kultur- staaten des europäischen Kontinents , eine Umwandlung der be-

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stehenden Verbal tnisse von Kapital und Arbeit ebenso fühlbar und ebenso unvermeidlich ist als in England. Gleichzeitig erklärte jenseits des transatlantischen Oceans Herr Wade, Vicepräsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika , in öffentlichen Mee- tings : Nach Beseitigung der Sklaverei trete die Umwandlung der Kapital- und Grundeigenthumsverhältnisse auf die Tagesordnung ! Es sind diess Zeichen der Zeit, die sich nicht verstecken lassen durch Purpurmäntel oder schwarze Kutten. Sie bedeuten nicht, dass morgen Wunder geschehn werden. Sie zeigen, wie selbst in den herrschenden Klassen die Ahnung aufdämmert, dass die jetzige Gesellschaft kein fester Krystall, sondern ein umwand- lungsfähiger und beständig im Prozess der Umwandlung begrif- fener Organismus ist.

Der zweite Band dieser Schrift wird den Cirkula- tionsprozess des Kapitals (Buch II) und die Gestal- tungen des Gesammtprozesses (Buch III), der ab- schliessende dritte Band (Buch IV) die Geschichte der Theorie behandeln.

Jedes Urtheil wissenschaftlicher Kritik ist mir willkommen. Gegenüber den Vorurtheilen der s. g. ö f f e n 1 1 i c h e n M e i - nung, der ich nie Koncessionen gemacht habe, gilt mir nach wie vor der Wahlspruch des grossen Florentiners :

Segui il tuo cor so, e lasciadir le genti!

London, 25. Juli 18(37.

Karl Marx.

Erstes Buch.

)Y Produktionsprozess des Kapitals.

Erstes Kapitel.

Waare und Geld.

1) Die W aar e.

Der Reicbtluuri der Gesellschaften , in welchen kapitalistische Pro- duktionsweise herrscht, erscheint als eine „ungeheure Waarensammlung"*), die einzelne Waare als seine Elementarform, Unsere Untersuchung beginnt daher mit der Analyse der Waare.

Die Waare ist zunächst ein äusserer Gegenstand, ein Ding, das durch seine Eigenschaften menschliche Bedürfnisse irgend einer Art befriedigt. Die Natur dieser Bedürfnisse, ob sie z. B. dem Magen oder der Phantasie entspringen, ändert nichts an der Sache 2). Es handelt sich hier auch nicht darum, wie die Sache das menschliche Bedürfniss befriedigt, ob un- mittelbar als Lebensmittel, d. h. als Gegenstand des Genusses, oder auf einem Umweg, als Produktionsmittel.

Jedes nützliche Ding, wie Eisen, Papier u. s. w., ist unter doppeltem

rlMarx: ,, Zur Kritik der Politischen Oekonomie. Ber- ,p. 4.

'.sire implies want ; it is the appetite of the mind , and as natural as

he body .... the greatest number (of things) have their value from

le wants of the mind." Nicholas Barbon:, ,A Discourse on

le new money lighter, in answor to Mr. Locke's Consi-

etc. London 1696", p. 2, 3.

1

Gesichtspunkt zu betrachten , nach Qualität und Quantität. Jedes solche Ding ist ein Ganzes vieler Eigenschaften und kann daher nach ver- schiedenen Seiten nützlich sein. Diese verschiedenen Seiten und daher die mannigfachen Gebrauchsweisen der Dinge zu entdecken , ist geschicht- liche That^). So ist die Findung gesellschaftlicher Mtisse für die Quan- tität der nützhchen Dinge. Die Verschiedenheit der Waarenmasse ent- springt theils aus der verschiedenen Natur der zu messenden Gegenstände, theils aus Convention.

Die Nützlichkeit eines Dings für das menschliche Leben macht es zum Gebrauchswert h^). Abkürzend nennen wir das nützliche Ding selbst oder den Waarenkörper, wie Eisen, Weizen, Diamant u. s. w., Gebrauchs wert h, Gut, Artikel. Bei Betrachtung der Gebrauchs- werthe wird stets quantitative Bestimmtheit vorausgesetzt, wie Dutzend Uhren, Elle Leinwand, Tonne Eisen u. s. w. Die Gebrauchswerthe der Waaren liefern das Material einer eignen Disciplin, der Waaren- kunde^). Der Gebrauchswert!! verwirklicht sich nur im Gebrauch oder der Consumtion. Gebrauchswerthe bilden den stofflichen Inhalt des Reichthums, welches immer seine gesellschaftliche Form sei. In der von uns zu betrachtenden Gesellschaftsform bilden sie zu- gleich die stofflichen Träger des — Tausch werths.

Der Tauschwerth erscheint zunächst als das quantitative V e r - hältniss, die Proportion, worin sich Gebrauchswerthe einer Art gegen

3) „Things have an intrinsick vertue (diess bei Barbon die specifische Be- zeichnung für Gebrauchsw erth) , which in all places have the same vertue; as the loadstone to attraet iron" (1. c. p. 16). Die Eigenschaft des Magnets, Eisen anzuziehn, wurde erst nützlich^ sobald mau vermittelst derselben die magnetische Polarität entdeckt hatte.

*) ,,The natural worth of anything consists in its fitness to supply the necessities, or serve the conveniences of human life." (John Locke: ,,Some Considerations on the Consequences oft he Lovvering ofinterest. • 169 1" in ,, Works edit. Lond. 1777" V. 11 p. 28). Im 17. Jahrhundert finden ' wir noch häufig bei englischen Schriftstellern ,, Worth" für Gebrauchswerth und ,,Valu e" für Tauschwerth, ganz im Geist einer Sprache, die es liebt, die anm ittelbare Sache germanisch und die reflectirte Sache romanisch aus- zudrücken.

5) In der büi'gerlichen Gesellschaft herrscht die fictio juris, dass jeder Mensch als Waarenkäufer eine encyklopädische Waarenkenntniss besitzt.

Gebrauchswerthe anderer Art austauschen ^) , ein Verhältniss , das bestän- dig mit Zeit und Ort wechselt. Der Tauschwerth scheint daher etwas ZufäUiges und rein Relatives, ein der Waare innerlicher , immanenter Tauschwerth (valeur intrinseque) also eine contradictio in adjecto '^). Betrachten wir die Sache näher.

Eine einzelne Waare, ein Quartev Weizen z, B. tauscht sich in den V e r s c h i e d e u s t e n P r 0 p 0 r t i 0 n e n mit andern Artikeln aus. Dennoch bleibt sein Tauschwerth unverändert, ob in x Stiefelwichse, y Seide, z Gold u. s. w. ausgedrückt. Er muss also von diesen seinen verschiede- nen A u s d r u c k s w e i s e n unterscheidbar sein.

Nehmen wir feiner zwei Waaren, z. B. Weizen und Eisen. Welches immer ihr AustauschverhäKniss , es ist stets darstellbar in einer Gleichung, worin ein gegebenes Quantum Weizen irgend einem Quantum Eisen gleich- gesetzt wird , z. B, 1 Quarter Weizen = a Ctr. Eisen. Was besagt diese Gleichung? Dass derselbe Werth in zwei verschiednen Dingen, in 1 Qrtr. Weizen und ebenfalls in a Ctr. Eisen existirt. Beide sind also gleich einem Dri tten , das an und für sich weder das eine, noch das andere ist. Jedes der beiden, soweit es Tauschwerth, muss also, un- abhängig von dem andern, auf diess Dritte reducirbar sein.

Ein einfaches geometrisches Be'ispiel veranschauliche diess. Um den Flächeninhalt aller gradlinigen Figuren zu bestimmen und zu vergleichen, löst man sie in Dreiecke auf. Das Dreieck selbst reducirt man auf einen von seiner sichtbaren Figur ganz verschiednen Ausdruck — das halbe Produkt seiner Grundlinie mit seiner Höhe. Ebenso sind die Tauschwerthe der Waaren zu reduciren auf ein Gemeinsames, wovon sie ein Mehr oder Minder darstellen.

Dass die Substanz des Tauschwerths ein von der physisch-handgreif- lichen Existenz der Waare oder ihrem Dasein als G ebrau chs w^erth

^) ,,La val e nr consiste dans le rappo rt d 'echan ge qui se trouve entre teile chose et teile autre, entre teile mesure d'une production et teile mesure d'une autre." (Le Trosne: ,,De L'Interet Social". Phy si o crates. ed. Daire. Paris 1846. p. 889.)

') ,, Nothing can have an infrinsick value" (N. Barbon 1. c. p. 16), oder wie Butler sagt:

,,The value of a thing Is just as much as it will bring."

1*

durchaus Versclüednes und Unabhängiges, zeigt ihr Austauschverhältniss auf den ersten Blick, Es ist charakterisirt eben durch die Abstraktion vom G e b r a u c h s w e r t h. Dena Tauschwerth nach betrachtet ist näm- hcli eine Waare grade so gut als jede andre , wenn sie nur in richtiger Proportion vorhanden ist*).

Unabhängig von ihrem Austauschverhältniss oder von der Form, worin sie als Tausch- Werthe erscheinen, sind die Waaren daher zunächst als Werthe schlechthin zu betrachten^).

Als Gebrauchsgegenstände oder Güter sind die Waaren körperlich v e r s c h i e d n e Dinge. Ihr W e r t h sein bildet dagegen ihre Einheit. Diese Einheit entspringt nicht aus der Natur, sondern aus der Gesellschaft. Die gemeinsame gesellschaftliche Substanz, die sich in verschiedneu Gebrauchswerthen nur verschieden darstellt, ist — die Arbeit.

Als Werthe sind die Waaren nichts als krystallisirte Arbeit. Die Masseinheit der Arbeit selbst ist die einfache Durchschnitts- arbeit, deren Charakter zwar in verschiednen Ländern und Kultur- epochen wechselt, aber in einer vorhandnen Gesellschaft gegeben ist. Komplicirtere Arbeit gilt nur als potenzirte oder vielmehr multipli- cirte einfache Arbeit, so dass z. B. ein kleineres Quantum komplicirter Arbeit gleich einem grösseren Quantum einfacher Arbeit. Wie diese Reduktion geregelt wird, ist hier gleichgültig. Dass sie beständig voi- geht, zeigt die Erfahrung. Eine Waare mag das Produkt der komplicirte- sten Arbeit sein. Ihr Werth setzt sie dem Produkt einfacher Arbeit gleich und stellt daher selbst nur ein bestimmtes Quantum einfacher Ar- beit dar.

Ein Gebrauchswerth oder Gut hat also nur einen Werth, weil Arbeit in ihm vergegenständlicht oder materialisirt ist. Wie nun die Grösse seines Werthes messen? Durch das Quantum der

8) ,,One sort of wares are as good as another, if the value be equal. There isnodifference or distinctionin things of equal value . . . One hundred pounds worth of lead or iron, is of as great a value as one hundred pounds worth of silver and gold." (N. Barb on 1. c. p. 53 u. 7.)

9) Wenn wir künftig das Wort ,, Werth" ohne weitere Bestimmung brau- chen, so handelt es sich immer vom Tauschwerth.

in ihm enthaltenen ,,werthbilden(len Substanz", der Arbeit. Die Quan- tität der Arbeit selbst misst sich an ihrer Zeitdauer und die Arbeits- zeit besitzt wieder ihren Massstab an bestimmten Zeitt heilen, wie Stunde , Tag u. s. w.

Es könnte scheinen , dass wenn der Werth einer Waare durch das während ihrer Produktion verausgabte Arbeitsquautum bestimmt ist , je fauler oder ungeschickter ein Mann, desto werthvoller seine Waare, weil er desto mehr Arbeitszeit zu ihrer Verfertigung braucht. Aber nur die gesellschaftlich noth wendige Arbeitszeit zählt als werth- bildend. Gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit ist Arbeitszeit, erheischt um irgend einen Gebrauchswerth mit den vorhandnen gesellschaftlich -nor- malen Produktiousbedingungen und dem gesellschaftlichen Durchschnitts- grad von Geschick und Intensivität der Arbeit herzustellen. Nach der Einführung des Dampf Webstuhls in England z. B. genügte vielleicht halb so viel Arbeit als vorher, um ein gegebenes Quantum Garn in Gewebe zu verwandeln. Der englische Handweber brauchte zu dieser Verwandlung in der That nach wie vor Jiieselbe Arbeitszeit , aber das Produkt seiner individuellen Arbeitsstunde stellte jetzt nur noch eine halbe gesell- schaftliche Arbeitsstunde dar und fiel daher auf die Hälfte seines früheren Werths.

Es ist also nur das Quantum gesellschaftlich noth wen- diger Arbeit oder die zur Herstellung eines Gebrauchs- werths gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit, welche seine Werth grosse bestimmt. Die einzelne Waare gilt hier überhaupt als Diirchschnittsexemplar ihrer Art 'O). Waaren , worin gleich grosse Arbeitsquanta enthalten sind, oder die in der selben A rb ei tszeit hergestellt werden können, haben daher dieselbe Werth grosse. Der Werth einer Waare verhält sich zum Werth jeder andern Waare, wie die zur Produktion der einen nothwendige Arbeitszeit zu der für die Pro- ■ duktion der andern nothwendigen Arbeitszeit. ,,AIs Werthe sind alle 1 Waaren nur bestimmte Masse f e s t g e r o n n e n e r Arbeitszeit"")- 1 "Xl"

'*') ,,Toutes les productions d'un mGrae genre ne forment proprement qu'une massc, dont le prix se determine en general et sans egard aux circonstances par- ticulieies". (LeTrosne 1. c. p. 893.)

") K. Marx 1. c. p. 6.

Die Wert h grosse einer Waare bliebe daher coiistaiit, wäre die zu ihrer Produktion erheischte Arbeitszeit constant. Letztere wech- selt aber mit jedem Wechsel in der Prodiiktivkraft der Arbeit. Die Prodiiktivkraft der Arbeit ist durch mannigfache Umstände be- stimmt, unter andern durch den Durchschnittsgrad des Geschickes der Arbeiter, die Entwicklungsstufe der Wissenschaft und ihrer technolo- gischen Anwendbarkeit, die gesellschaftliche Combination des Pro- duktionsprozesses, den Umfang und die Wirkungsfähigkeit der Pro- duktionsmittel, und durch Naturverhältnisse. Dasselbe Quantum Arbeit stellt sich z. B. mit günstiger Jahreszeit in 8 Bushel Weizen dar, mit ungünstiger in nur 4. Dasselbe Quantum Arbeit liefert mehr Metalle in reichhaltigen, als in armen Minen u. s. w. Diamanten kommen selten in der Erdrinde vor und ihre Findung kostet daher i m Durch- schnitt viel Arbeitszeit. Folglich stellen sie in wenig Volumen viel Ar- beit dar. J a c 0 b bezweifelt , dass Gold jemals seinen vollen Werth be- zahlt hat. Noch mehr gilt diess vom Diamant. Nach Eschwege hatte 1823 die achtzigjährige Gesammtausbeute der brasilischen Diamant- gruben noch nicht den Werth des 1 1/2 jährigen Durchschnittsprodukts der brasilischen Zucker- oder Kaffeepflanzungen erreicht. Mit reichhaltigeren Gruben würde dasselbe Arbeitsquantum sich in mehr Diamanten darstel- len und ihr Werth sinken. Gelingt es mit wenig Arbeit Kohle in Dia- mant zu verwandeln , so kann sein Wertli unter den von Ziegelsteinen fal- len. Allgemein: Je grösser die Produktivkraft der Arbeit, desto kleiner die zur Herstellung eines Artikels erheischte Arbeitszeit, desto kleiner die in ihm krystallisirte Arbeitsmasse , desto kleiner sein Werth. Umgekehrt, je kleiner die Produktivkraft der Arbeit, desto grösser die zur Herstellung eines Artikels nothwendige Arbeitszeit, desto grösser sein Werth. Die Werthgrösse einer Waare wechselt also direkt wie das Quan- t u m und umgekehrt wie die P r 0 d u k t i v k r a f t der sich in ihr ver- wirklichenden Arbeit.

Wir kennen jetzt die Substanz des Werths. Es ist die Arbeit. Wir kennen sein G r ö s s e n m a s s. Es ist die Arbeitszeit. Seine Form, die den Werth eben zum Tausch -Werth stempelt, bleibt zu analysiren. Vorher jedoch sind die bereits gefundenen Bestimmungen «twas näher zu entwickeln.

Ein Dins: kann Gebrauchs w erth sein, ohne Tauschwerth

zu sein. Es ist diess der Fall , wenn sein Dasein für den Menschen nicht durch Arbeit vermittelt ist. So Luft , jungfräulicher Boden , natürliche Wiesen, wildwachsendes Holz u. s. w. Ein Ding kann nützlich und Pro- dukt menschlicher Arbeit sein , ohne W a a r e zu sein. Wer durch sein Produkt sein eignes Bedürfniss befriedigt, schafft zwar Gebrauchs- wert h , aber nicht W a a r e. Um Waare zu produciren , muss er nicht nur Gebrauchs werth produciren, sondern Gebrauchs wert h für andre, gesellschaftlichen G ebrauchs werth. Endlich kann kein Ding Werth sein, ohne Gebrauchsgegenstand zu sein. Ist es nutz- los, so ist auch die in ihm enthaltene Arbeit nutzlos, zählt nicht als Arbeit und bildet daher keinen Werth.

Ursprünglich erschien uns die Waare als ein Z wies chl äch- tiges, Gebrauchswerth und Tauschwerth. Näher betrachtet wird sich zeigen, dass auch die in der Waare enthaltene Arbeit zwie- schlächtig ist. Dieser Punkt, der von mir zuerst kritisch entwickelt wurde '-) , ist der Springpunkt , um den sich das Verständniss der po- litischen Oekonomie dreht.

Nehmen wir zwei Waaren, etwa einen Rock und 10 Ellen Leinwand. Der erstere habe den zweifachen Werth der letzteren , so dass wenn 10 Ellen Leinwand = W, der Rock = 2 W.

Der Rock ist ein Gebrauchswerth , der ein besondres Bedürfniss be- friedigt. Um ihn hervorzubringen , bedarf es einer bestimmten Art zweckmässig produktiver Thätigkeit. Sie ist bestimmt nach Zweck, Operationsweise , Gegenstand , Mitteln und Resultat. Die Arbeit, deren Nützlichkeit sich so im Gebrauchswerth ihres Produkts oder darin darstellt, dass ihr Produkt ein Gebrauchswerth ist , heisse hier der Verein- fachung halber kurzweg nützliche Arbeit. Unter diesem Gesichts- punkt ist sie stets betrachtet in Bezug auf den Nutzeffekt, dessen Hervorbringung sie bezweckt.

WieRock und Leinwand qualitativ verschiedne Gebrauchs- wert h e , so sind die ihr Dasein vermittelnden Arbeiten qualitativ verschieden — Schneiderarbeit uud Weberei. Wären jene Dinge nicht qualitativ verschiedne Gebrauchswerthe und daher Produkte qualitativ verschiedner nützlicher Arbeiten, so konnten sie sich über-

'-) 1. c. p. 12, 13 und passim.

liaiipt nicht als W a a r e n gegenübertreten. Rock tauscht sich nicht aus gegen Rock, derselbe Gebrauchswerth nicht gegen denselben Gebrauch swerth.

In der Gesammtheit der verschiedenartigen Gebrauchswerthe oder Waarenkörper erscheint eine Gesammtheit eben so mannigfaltiger, nach Gattung, Art, Familie, Unterart , Varietät verschiedner nützlicher Arbeiten — eine g e s e 1 1 s c h a f 1 1 i c h e T h e i I u n g d e r A r b e i t. Sie ist Exi- stenzbedingung der Waarenproduktion , obgleich Waarenproduktion nicht umgekehrt Existenzbedingung gesellschaftlicher Arbeitstheilung. In der altindischen Gemeinde ist die Arbeit gesellschaftlich getheilt, ohne dass die Produkte zu Waaren werden. Oder, ein näher liegendes Beispiel, in jeder Fabrik ist die Arbeit systematisch getheilt , aber diese Theilung nicht dadurch vermittelt , dass die Arbeiter ihre i n d i v i d u e 1 1 e n P r o - d u k t e austauschen. Nur Produkte selbstständiger und von einander unabhängiger Privatarbeiten treten einander als Waaren gegenüber.

Man hat also gesehn : In dem Gebrauchswerth jeder Waäre steckt eine bestimmte zweckmässig produktive Thätigkeit oder nützliche Arbeit. Gebrauchswerthe können sich nicht als Waaren gegenübertreten, wenn nicht qualitativ verschiedne nützliche Arbeiten in ihnen stecken. In einer Gesellschaft, deren Produkte allgemein die Form der Waare anneh- men, d. h. in einer Gesellschaft von Waarenproducenten , entwickelt sich dieser qualitative Unterschied der nützlichen Arbeiten , welche unabhängig von einander als Privatgeschäfte selbstständiger Producenten betrieben werden, zu einem yielgliedrigen System , zu einer gesellschaftlichen Thei- lung der Arbeit.

Dem Rock ist es übrigens gleichgültig , ob er vom Schneider oder vom Kunden des Schneiders getragen wird. In beiden Fällen wirkt er als Gebrauchswerth. Ebensowenig ist das Verhältniss zwischen dem Rock und der ihn producirenden Arbeit an und für sich dadurch verändert , dass die Schneiderarbeit eigne Profession wird, selbstständiges Glied der gesell- schaftlichen Theilung der A.rbeit. Wo ihn das Kleidungsbedürfniss zwang, hat der Mensch Jahrtausende lang geschneidert, bevor aus einem Menschen ein Schneider ward. Aber das Dasein von Rock, Leinwand , jedem nicht von Natur vorhandnen Element des stofflichen R eich th ums, musste immer vermittelt sein durch eine spezielle , zweckmässig produktive Thätigkeit, die besondere Naturstoffe besondern menschlichen Bedürfnissen

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assimilirt. Als Bildnerin von Gebrauchswerthen , als nützliche Ar- beit, ist die Arbeit daher von allen Gesellschaftsformen unabhängige Existenzbedingung des Menschen, ewige Naturnothwendigkeit, um den Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur , also das menschliche Leben w. vermitteln.

Die Gebrauchswerthe Rock , Leinwand u. s. w., kurz die Waaren- körper, sind Verbindungen von zwei Elementen, Naturstoff und Arbeit. Zieht man die Gesammtsumme aller verschiedenen nützlichen Arbeiten ab , die in Rock , Leinwand iv. s. w. stecken , so bleibt stets ein materielles Substrat zurück, das oiine Zuthun des Menschen von Natur vor- handen ist. Der Mensch kann in seiner Produktion nur verfahren, wie die Natur selbst, d. h. nur die Formen der Stoffe ändern ^3) Noch mehr. In dieser Arbeit der Formung selbst wird er beständig unterstützt von Naturkräften. Arbeit ist also nicht d i e e i n z i g e Q u e 1 1 e d e r von ihr p r o d u c i r t e n Gebrauchswerthe, des stofflichen R e i c h t h u m s. Die Arbeit ist sein Vater , wie William P e 1 1 y sagt, und die Erde seine Mutter.

Gehn wir nun von der V^^aare, so weit sie Gebrauchsgegenstand, über zum Waaren-W e r t h .

Nach unsrer Unterstellung hat der Rock den doppelten Werth der Leinwand. Diess ist aber nur ein quantitativer Unterschied, der uns zunächst noch nicht interessirt. Wir erinnern daher, dass wenn der Werth eines Rockes doppelt so gross als der von 10 Ellen Leinwand, 20 Ellen Leinwand dieselbe Werth grosse haben wie ein Rock.

'3) ,,Tutti i fenomeni dell' universo , sieno essi prodotti della mano dell' iiomo, ovvero delle universali leggi della fisica, non ci danno idea di attuale crea- zione, ma unicamente di una mod if icazi o ne della materia. Accostare e separare sono gli unici elementi che l'ingegno innano ritrova analizando l'idea della fiproduzione ; e tanto e riproduzione di valore (Gebr auchswerth , ob- gleich Verri hier in seiner l'olemik gegen die Physiokraten selbst nicht recht weiss, von welcher Sorte Werth er spricht) e di richezze se la terra, l'aria e l'acqua ne campi si transmutino in grano, come se collamano dell' uomo il glutine di iin insetto si transmuti in velluto, ovvero alcuni pezzetti di metallosiorganizzinoaformareuna ripetizione". (Pietro Verri: ,,Medi t azi o ni sulla Economia Poli- tica" (zuerst gedruckt 1773) in der Ausgabe der italienischen Oekonomen von Custodi, Parte Moderna, t. XV p. 22.)

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Als Wertlie sind Rock und Leinwand Dinge von gleicher Substanz, objektive Ausdrücke gleichartiger Arbeit. Aber Seh neider- arbeit und Weberei sind qualitativ verschiedne Arbeiten. Es giebt jedoch Gesellschaftszustände , worin derselbe Mensch abwechselnd schneidert und webt, diese beiden verschiednen Arbeitsweisen daher nur Modi ficatio neu der Arbeit desselben Individuums und noch nicht besondre feste Functionen verschiedner Individuen sind, ganz wie der Rock , den unser Schneider heute , und die Hosen , die er morgen macht, nur Variationen derselben individuellen Arbeit voraussetzen. Der Augenschein lehrt ferner , dass in inisrer kapitalistischen Gesellschaft , je nach der wechselnden Richtung der Arbeitsnachfrage , eine gegebene Portion menschlicher Arbeit abwechselnd in der Form von Schneiderei oder in der Form von Weberei zugeführt wird. Dieser Fornr- wechsel der Arbeit mag nicht ohne Friction abgehu, aber er muss gehn. Sieht man ab von der Bestimmtheit der produktiven Thätigkeit und daher vom nützlichen Charakter der Arbeit, so bleibt das an ihr, dass sie eine Verausgabung menschlicher Arbeitskraft ist. Schneider- arbeit und Weberei, obgleich qualitativ verschiedne produktive Thätig- keiten, sind beide produktive Verausgabung von menschlichem Hirn, Muskel, Nerv, Hand u. s. w., und in diesem Sinn beide menschliche Arbeit. Es sind nur zwei verschiedne Formen, menschliche Arbeits- kraft zu verausgaben. Allerdings muss die menschliche Arbeitskraft selbst mehr oder minder entwickelt sein , um in dieser oder jener Form veraus- gabt zu werden. Der Werth der Waaren aber stellt menschliche Arbeit schlechthin dar , Vei-ausgabung menschlicher Arbeitskraft über- haupt. Wie nun in der bürgerlichen Gesellschaft ein General oder Ban- quier eine grosse , der Mensch schlechthin dagegen eine sehr schäbige Rolle spielt *'*) , so steht es hier auch mit der menschlichen Arbeit. Sie ist Verausgabung einfacher Arbeitskraft, die jeder gewöhnliche Mensch, ohne besondere Entwicklung, in seinem leiblichen Organismus be- sitzt. Die x^rbeitskraft eines Bauernknechts gelte z. B. für einfache Ar- beitskraft, ihre Verausgabung daher für einfache Arbeit oder mensch- liche Arbeit ohne weitern Schnörkel, Schneiderarbeit dagegen für

»'•) Vgl. Hegel, ,, Philosophie des Rechts. Berlin 1840", p. 250, §. 190.

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Verausgabung liöliei- entwickelter Arbeitskraft. Wälirencl sich der Arbeits- tag des Bauernknecbts daher etwa im Wertliausdrnck von '/a^^'^j stellt sich der Arbeitstag des Schneiders im Werthausdrneke von W dar^^). Dieser üntersdiied ist jedoch nur q u a n t i t a t i v. Wenn der Rock das Produkt eines Arbeitstags des Schneiders, hat er denselben Werth wie das Produkt von 2 Arbeitstagen des Bauernknechts. So zählt aber die Sclineiderarbeit immer nur als m u 1 ti plici rte Bauernarbeit. Die ver- scliiediien Proportionen , worin Aerschiedne Arbeitsarten auf einfache Ar- beit als ihre Masseinheit reducirt sind, werden durch einen gesell- schaftlichen Prozess hinter dem Rücken der Produzenten festgesetzt und scheinen ihnen daher durch das Herkommen gegeben. Der Vereinfachung hülber gilt uns im Folgenden jede Art Arbeitskraft unmittelbar für ein- fache Arbeitskraft, wodurch nur die Mühe der Reduktion erspart wird.

Wie also in den Werthen Rock und Leinwand von dem ünter- sdiied ihi-er G e b r a u c h s w e r t h e abstrahirt ist , so iji der Arbeit, die diese Wert he darstellen, von dem ünterscliied der nützlichen Formen, worin sie das einemal S c h u e i d e r a r b e i t ist , das andremal W e b e r e i. Wie die Gebrauchs w e r t h e Rock und Leinwand V e r - bin dun gen zweckbestimmter , produktiver Thätigkeiten mit Tuch und Garn sind , die Wert he Rock und Leinwand dagegen blosse gleich- artige Arbeits g alle rten, so gilt auch die in diesen Werthen enthaltene Arbeit nicht durch ihr produktives Verhalten zu Tuch und Garn, sondern nur als Verausgabung menschlicher Arbeitskraft. Bildungselemente der G e b r a u c h s w e r t h e Rock und Leinwand sind Schneiderarbeit und Weberei eben durch ihre verschiednen Qualitäten, Substanz des Rock w e r t h s und Leinwand w e r t h s sind sie nur, soweit von ihrer besoiidern Qualität abstrahirt wird und beide gleiche Qualität besitzen, die Qualität menschlicher Arbeit.

Rock und Leinwand sind aber nicht nur W e r t h e ü b e r h a u p t , son- dern Werthe von bestimmter Grösse und nach unsrer Unterstellung ist der Rock doppelt so viel werth, als 10 Ellen Leinwand. Woher diese

i"^) Der Leser rauss aufmerken, dass hier nicht vom Lohn oder Werth die Rede ist, den der Arbeiter etwa für einen Arbeitstag erhält, sondern vom Waaren- werth, worin sich sein Arbeitstag vergegenständlicht. Die Kategorie des Ar- beitslohns existirt überhaupt noch nicht auf dieser Stufe unsrer Darstellung.

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Verschiedenheit ihrer W e r t h g r ö s s e n ? Daher dass die Leinwand nur halb so viel Arbeit enthält, als der Rock , sodass zur Produktion des letz- tern die Arbeitskraft während doppelt soviel Zeit verausgabt werden niuss, als zur Produktion der erstem.

Wenn also mit Bezug auf den Gebrauchs wert h die in der Waare enthaltne Arbeit nur qualitativ gilt, gilt sie mit Bezug auf die W e r t h g r ö s s e nur quantitativ, nachdem sie bereits auf menschliche Arbeit ohne weitere Qualität reducirt ist. Dort handelt es sich um das Wie und Was der Arbeit, hier um ihr Wie Viel, ihre Zeitdauer. Da die Werthgrösse einer Waare nur das Quantum der in ihr enthaltnen Arbeit misst, müssen Waareu in gewisser Proportion stets gleich grosse Werthe sein.

Bleibt die Produktivkraft sage aller zur Produktion eines Rocks erheischten nützlichen Arbeiten unverändert, so steigt die Werthgrösse der Röcke mit ihrer eignen Quantität. Wenn 1 Rock x, stellen 2 Röcke 2 x Arbeitstage dar u. s. w. Nimm aber an, die zur Produktion eines Rocks nothwendige Arbeitszeit steige auf das Doppelte oder falle um die Hälfte. Im ersten Fall hat ein Rock soviel Werth als vorher zwei Röcke, im letz- tern Fall haben zwei Röcke nur so viel Werth, als vorher einer, obgleich in beiden Fällen ein Rock nach wie vor dieselben Dienste leistet und die in ihm enthaltne nützliche Arbeit nach wie vor von derselben Gute bleibt. Aber das in seiner Produktion verausgabte Arbeits quan tum hat sich verändert.

Ein grössres Quantum Gebrauchswerth bildet an und für sich grös- sern stofflichen R e i c h t h u m , zwei Röcke mehr als einer. Mit zwei Röcken kann mau zwei Menschen kleiden, mit einem Rock nur einen Men- schen u. s. w. Dennoch kann der steigenden Masse des stofflichen Reich- thums ein gleichzeitiger Fall seiner Werthgrösse entsprechen. Diese gegensätzliche Bewegung entspringt aus der zwieschlächtigen Be- stimmung der Arbeit. Produktivkraft ist natürlich stets Produktivkraft nützlicher, konkreter Arbeit. Sie drückt in der That nur den Wirkungs- grad zweckbestimrater produktiver Thätigkeit in gegebnem Zeitraum aus. Die nützliche Arbeit wird daher reichere oder dürftigere Produktenquelle im direkten V e r h ä 1 1 n i s s zum Steigen oder Fallen ihrer Produktiv- kraft. Dagegen trifft ein Wechsel der Produktivkraft die im Werth dargestellte Arbeit an und für sich gar nicht. Da die Produktivkraft der

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konkreten nüfzlichen Form der Arbeit angehört , kann sie uatürlich die Arbeit nicht mehr berühren, sobald von ihrer konkreten iiützliclien Form abstrahirt wird. Dieselbe Arbeit stellt sich daher iu denselben Zeit- r ä n m e n stets in derselben W e r t h g r ö s s e dar , wie immer die Pro- duktivkraft wechsle. Aber sie liefert in d e m s e 1 b e n Z e i t r a u m v e r - s c h i e d n e Q u a n t a_ G e b r a u c h s w e r t h e , mehr wenn die Produktiv- kraft steigt, weniger, wenn sie sinkt. Im erstem Fall kann es geschehn, dass 2 Röcke weniger Arbeit enthalten als früher einer. Derselbe Wech- sel der Produktivkraft, der die Fruchtbarkeit der Arbeit und daher die Masse der von ihr gelieferten Gebrauchswerthe vermehrt , kann also die Werthgrösse selbst der vermehrten Gesammtmasse vermindern, wenn er nämlich die zu ihrer Produktion nothwendige Arbeitszeit ab- kürzt. Ebenso umgekehrt.

Aus dem Bisherigen folgt , dass in der Waare zwar nicht zw ei ver- schiedene Sorten Arbeit stecken, wohl aber dieselbe Arbeit verschieden und selbst entgegengesetzt bestimmt ist, je nachdem sie auf den Ge- b r a u c h s w e r t h der Waare als ihr Produkt oder auf den W a a r e n - Wer th als ihren bloss gegenständlichen Ausdruck bezogen wird. Wie die Waare vor allem Gebrauchsgegenstand sein muss , um Werth zu sein , so muss die Arbeit vor allem nützliche Arbeit , zweckbestimmte pro- duktive Thätigkeit sein, um als Verausgabung menschlicher Arbeitskraft und daher als menschliche Arbeit schlechthin zu zählen.

Da bisher nur noch Werthsubstauz und Werthgrösse bestimmt , wen- den wir uns jetzt zur Analyse der Werthform.

Kehren w'ir zunächst wieder zurück zur ersten Erscheinungs- form des Waarenwerths.

Wir nehmen zwei Quanta Waaren , die gleichviel Arbeitszeit zu ihrer Produktion kosten , also gleiche Werthgrössen sind , und wir haben 4 ö Ellen Lein wand = 2 Röcke, oder 40 Ellen Lein- wand sind zwei Röcke werth. Wir sehn, dass der Werth der Lein- wand iu einem bestimmten Quantum von Röcken ausge^drückt ist. Der Werth einer Waare, so dargestellt im Gebrauchs werth einer andern Waare , heisst ihr relativer W e r t h.

Der relative Werth einer Waare kann wechseln , obgleich ihr Werth constant bleibt. Umgekehrt kann ihr relativer Werth coustant bleiben,

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obgleich ihr Werth wechselt. Die Gleiclning : 4 0 Ellen Leinwand = 2 Röcke setzt nämlich voraus, dass beide Waaren gleich viel Arbeit kosten. Mit jedem Wechsel in der Prodiiktivkraft der sie hervorbringen- den Arbeiten wechselt aber die zu ihrer Produktion noth wendige Arbeits- zeit. Betrachten wir den Eiutluss solcher Wechsel auf den relativen Werth.

I. Der Werth der Leinwand wechsle, während der Rockwerth con- stant bleibt. Verdoppelt sich die zur Produktion der Leinwand veraus- gabte Arbeitszeit, etwa in Folge zunehmender Unfriu-htbarkeit des flaclis- tragendeu Bodens, so verdoppelt sich ihr Werth. Statt 40 Ellen Lein- wand = 2 Röcke, hätten wii' : 4 0 Ellen Leinwand =^ 4 R ö c k e , da 2 Röcke jetzt nur halb so viel Arbeitszeit enthalten als 40 Ellen Lein- wand. Nimmt dagegen die zur Produktion der Leinwand nothwendige Arbeitszeit um die Hälfte ab , etwa in Folge verbesserter WebstiUde , so sinkt der Leinwand wert h um die Hälfte. Demgemäss jetzt: 4 0 Ellen Leinwand = 1 Rock. Der relative Werth der Waare A , d.h. ihr Werth ausgedrückt in der Waare B , s t e i g t u n d f ä 1 1 1 also direkt wie der W e r t h d e r W a a r e A , bei gleichbleibendem Werth der Waare B.

H. Der Werth der Leinwand bleibe constant , während der Rock- werth wechsle. Verdoppelt sich unter diesen Umständen die zur Pro- duktion des Rockes nothwendige Arbeitszeit , etwa in Folge ungünstiger Wollschur, so haben wir statt 40 Ellen Leinwand = 2 Röcke jetzt : 4 0 El- len Leinwand = 1 Rock. Fällt dagegen der Wortli des Rocks um die Hälfte, so 4 0 Ellen L e i n w a n d = 4 R ö c k e. Bei gleichbleibendem Werth der Waare A , fällt oder steigt daher ihr relativer , in der Waare B ausgedrückter Werth im umgekehrten Verhältniss zum W e r t h w e c h s e I V 0 n B.

Vergleicht man die verschiedenen Fälle sub I und H, so ergiebt sich, dass derselbe Wechsel des relativen W e r t h s aus ganz ent- gegengesetzten Ursachen entspringen kann. So wird aus 40 Ellen Leinwand = 2 Röcke 1) die Gleichung 4 0 Ellen Leinwand = 4 Röcke, entweder weil der Werth der Leinwand sich verdoppelt oder der Werth der Röcke um die Hälfte fällt, und 2) die Gleichung 40 Ellen Leinwand ^^1 Rock, entweder weil der Werth

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der Leinwand um die Hälfte sinkt oder der Wertli des Rockes auf das Doppelte steigt.

III. Die zur Produktion von Leinwand und Rock nothwendigen Arbeitsquauta wechseln gleichzeitig , in derselben Richtung und derselben Proportion. In diesem Falle nach wie vor 4 0 Ellen Leinwand = 2 Röcke, wie immer ihre Werthe verändert seien. Man entdeckt ihren Werthwechsel , sobald man sie mit einer dritten Waare vergleicht, deren Werth constant blieb. Stiegen oder fielen die Werthe a 1 1 e r Waaren gleich- zeitig und in derselben Proportion, so blieben ihre relativen Werthe unverändert. Ihren wirklichen Werthwechsel ersähe man daraus , dass in derselben Arbeitszeit nun allgemein ein grösseres oder kleineres Waaren- quantum als vorher geliefert würde.

IV. Die zur Produktion von Leinwand und Rock resp. nothwendigen Arbeitszeiten , und daher ihre Werthe , mögen gleichzeitig in derselben Richtung wechseln , aber in ungleichem Grad , oder in entgegengesetzter Richtung u. s. w. Der Einfluss alier möglichen derartigen Combinatio- nen auf den relativen Werth einer Waare ei'giebt sich einfach durch An- wendung der Fälle L, II. und III.

Wir haben eben untersucht, wie weit Wechsel in der relativen Werthgrösse einer Waare, der Leinwand, einen Wechsel ihrer eignen W e r t h g r ö s s e wiederspiegelt , und überhaupt den relativen Werth nur nach seiner quantitativen Seite betrachtet. Wir wenden uns jetzt zu seiner Form. Wenn der relative Werth D ai" s t e 1 1 u n g s f o r ra des Werth s, ist der Ausdruck der Aequivalenz zweier Waaren, wie X Waare A = y Waare B oder 20 Ellen Leinwand = 1 Rock, die ei n- fache Form des relativen Werths.

I. Erste oder einfache Form des relativen Werths: 2 0 E 1 1 e n L e i n w a n d = 1 R 0 c k. (x W a a r e A =^ y W a a r e B.)

Diese Form ist etwas schwierig zu analysiren , weil sie einfach ist '*'). Die in ihr enthaltenen unterschiedenen Bestimmungen sind ver- hüllt, unentwickelt, abstrakt und daher nur durch einige Anstiengung der Abstraktionskraft auseinander- und festzuhalten. So viel ergiebt sich

"') Sie ist gewissermassen die Zellenfürm oder, wie Hegel sagen würde, das An sich des Geldes.

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aber auf den ersten Blick , dass die F 0 r m dieselbe bleibt , ob 20 Ellen Leinwand = 1 Rock oder 20 Ellen Leinwand = x Röcke ''^). .

Leinwand kömmt auf die Welt in Gestalt eines Gebrauchswertbs oder nützlichen Dings. Ihre steifleinene Körperlichkeit oder Natural- form ist daher nicht ihre Wer thform , sondern deren grades Gegen- theil. Ihr eignes Werth sei n zeigt sie zunächst dadurch , dass sie sich auf eine andre Waare, den Rock, als ihr Gleiches bezieht. Wäre sie nicht selbst Werth, so könnte sie sich nicht auf den Rock als Werth, als Ihresgleichen, beziehn. Qualitativ setzt sie sich den Rock gleich, indem sie sich auf ihn bezieht als Vergegenständlichung gleichartiger menschlicher Arbeit, d. h. ihrer eignen Werthsub st anz, und sie setzt sich nur einen Rock gleich statt X Röcke , weil sie nicht nur Werth überhaupt , sondern Werth von be- stimmter Grösse ist , ein Rock aber grade soviel Arbeit enthält als 20 Ellen Leinwand. Durch diese Beziehung auf den Rock schlägt die Leinwand verschiedne Fliegen mit einer Klappe. Indem sie die andre Waare sich als Werth gleichsetzt, bezieht siesichaufsich selbst als Werth. Indem sie sich auf sich selbst als Werth be- zieht, un t er scheidet sie sich zugleich von sich selbst als Ge- brau c h s w e r t h. Indem sie ihre Werth grosse — und Werthgrösse ist beides, Werth überhaupt und quantitativ gemessner Werth — im Roc ke ausdrückt, giebt sie ihrem Werth sein eine von ihrem un- mittelbaren Dasein unterschiedne Werth form. Indem sie sich so als ein in sich selbst Differenzirtes darstellt, stellt sie sich erst wirklich als Waare dar — nützliches Ding, das zugleich Werth ist. Soweit die Leinwand Gebrauchswerth , ist sie ein s e 1 b s t s t ä n d i g e s Ding. Ihr Werth erscheint dagegen nur im Verhältniss zu andrerWaare, dem Rocke z. B., ein Verhältniss , worin die Waarenart Rock ihr quali- tativ gleichgesetzt wird und daher in bestimmter Quantität

•') Die wenigen Oekonomen, die sieh, wie J. Bailey, mit der Analyse der Werthform beschäftigt liabeu, konnten zu keinem Resultat kommen, einmal, weil sie Werthform und Werth verwechseln , zweitens , weil sie , unter dem rohen Eln- fluss des praktischen Bürgers, von vorn herein ausschliesslich die quantitative Be- stimmtheit ins Auge fassen. ,,The command of quantity .... constitutes value". (, ,MoneyanditsVicissitudes". Lond. 1837, p. 11.) Verfasser : J. Bailey.

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gleichgilt, sie ersetzt, mit ihr austauschbar ist. Eigne, vom Gebrauchs- werth nn terscliiedne Form erhält der Werth daher nur durch seine Darstellung als T a u s c h w e r t h. ^

Der Ausdruck des Leinwand werth s im Rocke 'prägt dem Rocke selbst eine neue Form auf. In der That, was besagt die Werthform der Leinwand ? Dass der Rock mit ihr austauschbar ist. Wie er geht oder liegt, mit Haut und Haaren , in seiner Natural form Rock be- sitzt er jetzt die Form unmittelbarer Austauschbarkeit mit andrer Waare, die Form eines austauschbaren Gebrauchswerths oder Aequivalents. Die Bestimmung des Aequivalents enthält nicht mir, dass eine Waare Werth überhaupt ist, sondern dass sie in ihrer ding- lichen Gestalt, in ilirer Gebrauchsform, andrer Waare als Werth gilt und daher unmittelbar als Tausch werth für die andre Waare da ist.

Als Werth besteht die Leinwand nur aus Arbeit, bildet eine durch- sichtig krystallisirte Arbeitsgallerte. In der Wirklichkeit ist dieser Kry- stall jedoch sehr trüb. Soweit Arbeit in ihm zu entdecken , und nicht jeder Waarenkörper zeigt die Spur der Arbeit, ist es nicht unterschiedslose menschliche Arbeit, sondern Weberei , Spinnerei u. s. w., die auch keines- wegs seine einzige Substanz bilden , vielmehr mit Naturstoffen verquickt sind. Um Leinwand als bloss dinglichen Ausdruck menschlicher Arbeit festzuhalten , muss man von allem absehn , was sie wirklich zum Ding macht. Gegenständlichkeit der menschlichen Arbeit, die selbst abstrakt ist, ohne weitere Qualität und Inhalt, ist nothwendig abstrakte Gegen- ständlichkeit , ein G e d a n k e n d i n g. So wiid das Flachsgewebe zum Hirngespinnst. Aber Waaren sind Sachen. Was sie sind, müssen sie sachlich sein oder in ihren eignen sachlichen Beziehungen zeigen. In der Produktion der Leinwand ist ein bestimmtes Quantum menschlicher Arbeitskraft verausgabt worden. Ihr Werth ist der bloss gegenständ- liche Reflex der so verausgabten Arbeit, aber er reflektirt sich nicht in ihrem Körper. Er offenbart sich, erhält sinnlichen Ausdruck durch ihr Werth verh ältni ss zum Rock. Indem sie ihn als Wert h sich gleichsetzt, während sie sich zugleich als Ge- brauchsgegenstand von ihm unterscheidet, wird der Rock die Erscheinun 2:sform des Leinwand -Werth s im Gegensatz zum

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Leinwand - K ö r p e r , ihre Werthform im Unterschied von ihrer Na- tur al form *S).

Jn dem relativen Werthausdruck: 20 Ellen Leinwand = 1 Rock oder X Leinwand ist y Rockwerth, gilt der Rock zwar nur als Werth oder Arbeitsgallerte, aber eben dadurch gilt die Arbeitsgallerte als Rock, der Rock als die Form , worin menschliche Arbeit gerinnt ^^''). Der Ge- brauchswerth Rock wird nur zur Erscheinungsform des Leinwand- Werths, weil sich die Leinwand auf das Rockmaterial als unmittelbare Materiatur abstrakter menschlicher Arbeit bezieht , also Arbeit gleicher Art wie die in ihr selbst vergegenständlichte. Der Gegenstand Rock gilt ihr als sinnlich handgreifliche Gegenständlichkeit gleichartiger menschlicher Arbeit , daher als Werth in Naturalform. Da sie als Werth gleichen Wesens mit dem Rock ist , wird die Naturalform Rock so zur Erscheinungsform ihres eignen Werths. Aber die im G e - brauch s werth Rock dargestellte Arbeit ist nicht menschliche Arbeit schlechthin, sondern eine bestimmte, nützliche Arbeit, Schneider arbeit. Menschliche Arbeit schlechthin , Verausgabung menschlicher Arbeitskraft, ist zwar jeder Bestimmung fähig , aber an und für sich unbestimmt. Ver- wirklichen , vergegenständlichen kann sie sich nur , sobald die menschliche Arbeitskraft in bestimmter Form verausgabt wird , als bestimmte Arbeit, denn nur der bestimmten Arbeit steht ein Naturstoff gegen- über , ein äusseres Material, worin sie sich vergegenständlicht. Bloss der Hegel'sche ,,Begriff" bringt es fertig, sich ohne äussern Stoff zu objek- tiviren ^^).

'**) Man spricht desshalb vom Rockwerth der Leinwand , wenn man ihren Werth in Röcken, von ihrem Kornwerth, wenn man ihn in Korn darstellt u. s. w. Jeder solcher Ausdruck besagt, dass es ihr Werth ist, der in den Ge- brauchswerthen Rock, Korn u. s. w. erscheint.

18a) In gewisser Art gehts dem Menschen wie der Waare. Da er weder mit einem Spiegel auf die Welt kommt, noch als Fiehtescher Philosoph : Ich bin Ich, bespiegelt sich der Mensch zuerst nur in einem andern Mengchen. Erst durch die Beziehung auf den Menschen Paul als seinesgleichen , bezieht sich der Mensch Peter auf sich selbst als Mensch. Damit gilt ihm aber auch der Paul mit Haut und Haaren , in seiner paulinischen Leiblichkeit , als Erscheinungsform des genus Mensch.

'9) ,, Der Begriff', welcher zunächst nur subjektiv ist, schreitet, ohne dass es

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Die Leinwand kann sich nicht auf den Rock als Werth oder incar- nirte menschliclie Arbeit beziehn, ohne sich auf Sehn ei der - arbeit als die unmittelbare Verwirklichungsform mensch- licher Arbeit zu beziehen. Was jedoch die Leinwand am Gebrauchs- werth Rock interessirt, ist weder seine wollne Behäbigkeit , noch sein zu- geknöpftes Wesen , noch irgend eine andre nützliche Qualität , die ihn zum Gebraucliswerth stempelt. Er dient ihr nur dazu , ihre Werthgegenständ- lichkeit im Unterschied von ihrer steifleinenen Gebrauchsgegenständlichkeit darzustellen. Sie hätte denselben Zweck erreicht , wenn sie ihren Werth in Assa Fötida oder Poudrette oder Stiefelwichse ausgedrückt. Die S c h n e i d e r a r b e i t gilt ihr daher ebenfalls nicht , sofern sie zweckmäs- sig produktive Thätigkeit, nützliche Arbeit ,■ sondern nur sofern sie als bestimmte Arbeit Verwirklichnngsform , Vergegenständ- lich u n g s w e i s e menschlicher Arbeit überhaupt ist. Drückte die Leinwand ihren Werth statt im Rock in Stiefelwichse aus , so gälte ihr auch statt Schneidern Wichsen als die unmittelbare Verwirklichungsform abstrakter menschlicher Arbeit '^^). Erscheinungsform des Werths oder Aequivalent wird ein Gebrauchswerth oder Waarenkörper also nur da- durch, dass sich eine andere Waare auf die in ihm enthaltne konkrete, nützliche Arbeitsart als die unmittelbare Verwirklichungsform abstrakter menschlicher Arbeit bezieht.

Wir stehn hier bei dem Springpunkt aller Schwierigkeiten , welche das Verständniss der Werth form hindern. Es ist relativ leicht, den Werth der Waare von ihrem Gebrauchswerth zu unterscheiden , oder die den Gebrauchswerth formende Arbeit von derselben Arbeit, so weit sie bloss als Verausgabung menschlicher Arbeitskraft im Waarenwerth berech- net wird. Betrachtet man Waare oder Arbeit in der einen Form, so nicht in der andern und vice versa. Diese abstrakten Gegensätze fallen von selbst auseinander und sind daher leicht auseinander zu halten. An-

tlazu eines äusseren Materials oder Stoffs bedarf, seiner eignen Thätigkeit gemäss dazu fort, sich zu Objektiviren." Hegel, ..Logik" p. 367 in der ,,En cy klo- pädie:ErsterTheil. Berlin 184 0."

'™) Sofern man nämlich populär die Bereitung der Wichse selbst Wichsen

heisst.

o *

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ders mit der Wertliform, die nur im Verhältniss von Waare zu Waare existirt. Der Gebrauchswerth oder Waarenkörper spielt hier eine neue Rolle. Er wird zur Erscheinungsform des Waaren w e r t h s , also seines eignen Gegentheils. Ebenso wird die im Gebrauchswerth enthaltene kon- krete nützliche Arbeit zu ihrem eignen Gegentheil , zur blossen Verwirk- ■ lichungsform abstrakter menschlicher Arbeit. Statt auseiuanderzufal- len, reflektiren sich die gegensätzlichen Bestimmungen der Waare hier in einander. So befremdlich diess auf ersten Blick , erweist es sich bei wei- terem Nachdenken als nothwendig. Die Waare ist von Haus aus ein z wies ch lach tig Ding, Gebrauchswerth und Werth, Produkt nütz- licher Arbeit und abstrakte Arbeitsgallerte. Um sich darzustellen als das was sie ist, muss sie daher ihre Form verdoppeln. Die Form eines Gebrauchswerths besitzt sie von Natur. Es ist ihre Naturalform. Wertliform erwirbt sie erst im Umgang mit andren Waaren. Aber ihre Werthform muss selbst wieder gegenständliche Form sein. Die ein- zigen gegenständlichen Formen der Waaren sind ihre Gebrauchsgestalten, ihre Naturalforraen. Da nun die Naturalform einer Waare, der Leinwand z. B., das grade Gegentheil ihrer Werthform ist, muss sie eine andre Naturalform, die Naturalform einer andern Waare zu ihrer W er thform machen. Was sie nicht unmittelbar für sich selbst, kann sie unmittelbar für andre Waare und daher auf einem Umweg für sich selbst thun. Sie kann ihren Werth nicht in ihrem eignen Körper oder in ihrem eignen Gebrauchswerth ausdrücken , aber sie kann sich auf einen andern Gebrauchswerth oder Waarenkörper als unmittelbares Werthdaseiu beziehn. Sie kann sich nicht zu der in ihr selbst , wohl aber zu der in andrer Waarenart enthaltenen konkreten Arbeit als blosser Verwirklichungs- form abstrakter menschhcher Arbeit verhalten. Sie braucht dazu nur die andre Waare sich als Aequivalent gleichzusetzen. Der Gebrauchs- werth einer Waare existirt überhaupt nur für eine andre Waare , soweit er in dieser Weise zur Erscheinungsform ihres Wöl'ths dient. Betrachtet mau in dem einfachen relativen Werthausdrucke : x Waare A = y Waare B nur das quantitative Verhältniss, so findet man auch nur die oben entwickelten Gesetze über die Bewegung des relativen Werths, die alle darauf beruhn, dass die Werthgrösse der Waaren durch die zu ihrer Pro- duktion nothwendige Arbeitszeit bestimmt ist. Beti'achtet man aber das Werthverhältniss der beiden Waaren nach seiner qualitativen Seite,

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so entdeckt man in jenem einfachen Werthausdruck das Geheimniss der VVerthform und daher, in nuce, des Geldes -<*),

Unsre Analyse hat gezeigt, dass der relative W e r t h a u s d r u c k einer W a a r e zwei v e r s c lii e d n e W e r t h f o r m e n e i n s c h 11 e s s t. Die Leinwand drückt ihren Werth und ihre bestimmte Werthg rosse im Rock aus. Sie stellt ihren Werth dar im W e r t h v e r h ä 1 1 n i s s zu einer audern W^aare, daher als Tausch werth. Andrerseits die andre W^aare, der Rock, worin sie ihren Werth relativ ausdrückt, erhält eben dadurch die Form eines mit ihr unmittelbar austauschbaren Gebrauchs- werths oder A e q u i v a 1 e n t s. Beide Formen, relative W e r t h f o r m der einen W^aare , Aequi valen tf orra der andern, sind Formen des T a u s c h w e r t h s. Beide sind in der That nur Momente, wechsel- seitig durcheinander bedingte Bestimmungen, desselben relativen Werthausdrucks, aber polarisch vertheilt auf die zwei gleichgesetzten W a a r e n e X t r e.m e.

Quantitative Bestimmtheit ist nicht in der A e q u i v a 1 e n t f o r m einer Waare eingeschlossen. Das bestimmte Verhältniss z. B., worin Rock Aequivalent von Leinwand ist, entspringt nicht aus seiner Aequiva- lentform , der Form seiner unmittelbaren Austauschbarkeit mit der Leinwand , sondern aus der Bestimmung der Werthgrösse durch Arbeitszeit. Die Leinwand kann ihren eignen Werth nur in Röcken dar- stellen, indem sie sich auf ein bestimmtes Rockquantum als gegebenes Quantum krystallisirter menschlicher Arbeit bezieht. Aendert sich der Rock w e r t h , so ändert sich auch diese Beziehung. Damit sich aber der relative Werth der Leinwand ändere, muss er vorhanden sein, und er kann nur gebildet werden bei gegebenem Rockwerth. Ob die Leinwand ihren eignen W^erth nun in 1 , 2 oder x Röcken darstellt , hängt unter dieser Voraussetzung ganz von der Werthgrösse einer Elle Leinwand und der Ellenanzahl ab , deren Werth in Rockform dargestellt werden soll. Die Werthgrösse e i n e r W a a r e kann sich nur im Gebrauchswerth einer andern W aare ausdrücken, als r e 1 a t i v e r Werth. Die Form eines

-o) Es ist kaum verwunderlich , dass die Oekonomen , ganz unter dem Einfluss stoflflicher Interessen, den Formgehalt des relativen Werthausdrucks übersehn haben, wenn vor Hegel die Logiker von Profession sogar den Forminhalt der Urtheiis- und Schlussparadigmen übersahen.

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unmittelbar austauschbaren Gebrauchswertbs oder Aequivaleuts erhält eineWaare dagegen umgekehrt nur als das Material, worin derWerth einer andern Waare ausgedrückt wird.

Diese Unterscheidung ist getrübt durch eine cliarakteristische Eigen- thümlichkeit des relativen Werthausdrucks in seiner einfachen oder ersten Form. Die Gleichung: 20 Ellen Leinwand = 1 Rock, oder 20 Ellen Leinwand sind einen Rock werth, schliesst nämlich offenbar die identische Gleichung ein : 1 Rock = 20 Ellen Leinwand, oder 1 Rock ist 20 Ellen Leinwand werth. Der relative Werthausdruck der Leinwand, worin der Rock als Aequivalent figurirt , enthält also rück- bezüglich den relativen Werthausdruck des Rocks, worin die Leinwand als Aequivalent figurirt.

Obgleich beide Bestimmungen der Werth form oder beide Dar- stellungsweisen des Waaren werth s als Tausch werth nur relativ sind, scheinen beide nicht in demselben Grad relativ. Im relativen Werth der Leinwand: 20 Ellen Leinwand = 1 Rock, ist der Ta u sch- wer th der Leinwand ausdrücklich als ihreBeziehung auf eine andre Waare dargestellt. Der Rock seinerseits ist zwar auch nur Aequiva- lent, so weit sich die Leinwand auf ihn als Erscheinungsform ihres eig- nen Werths und daher mit ihr unmittelbar Austauschbares bezieht. Nur innerhalb dieser Beziehung ist er Aequivalent. Aber er verhält sich passiv. Er ergreift keifte Initiative. Er findet sich in Beziehung , weil sich auf ihn bezogen wird. Der Charakter, der ihm aus dem Verhältniss mit der Leinwand erwächst, erscheint daher nicht als Resultat seiner Be- ziehung, sondern ohne sein Zuthun vorhanden. Noch mehr. Die bestimmte Art und Weise, wie sich die Leinwand auf ihu bezieht, ist ganz dazu gemacht, es ihm ,,anzuthun", wäre er auch noch so beschei- den und keineswegs das Produkt eines ,,tailor run mad with pride". Die Leinwand bezieht sich nämlich auf den Rock als sinnlich existirende Ma- teriatur der menschlichen Arbeit in abstracto und daher als vorhandnen Werthkörper. Er ist diess nur, weil und sofern sich die Leinwand in dieser bestimmten Weise auf ihn bezieht. Sein A e q u i v a 1 e n t s e i n ist so zu sagen nur eine Reflexionsbestimmung der Leinwand. Aber es scheint grade umgekehrt. Einerseits giebt er sich selbst nicht die Mühe sich zu beziehn. Andrerseits bezieht sich die Leinwand auf ihn, nicht um ihn zu etwas zu machen , sondern weil er ohne sie etwas ist.

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Das fertige Produkt der Beziehung der Leinwand auf den Rock, seine Aequivalentform , seine Bestimmtheit als unmittelbar austauschbarer Ge- braiichswerth, scheint ihm daher auch ausserhalb der Beziehung zur Leinwand dinglich anzugehören , ganz wie etwa seine Eigenschaft warm zu halten. In der ersten oder einfachen Form des relativen Werths: 20 Ellen Leinwand = 1 Rock, ist dieser falsche Schein noch nicht befestigt, weil sie unmittelbar auch das Gegentheil aussagt, dass der Rock Aequivalent der Leinwand und dass jede der beiden Waa- ren diese Bestimmtheit nur besitzt , weil und sofern die andre sie zu ihrem relativen ^yerthausdruck macht ^i).

Li der einfachen Form des relativen Werths oder dem Ausdrucke der Aequivalenz zweier Waaren , ist die Form entwicklung des Werths für beide Waaren gleichmä ssig, obgleich jedesmal in entgegenge- setzter Richtung. Der relative Wer thausdru ck ist ferner mit Bezug auf jede der beiden Waaren einheitlich, denn die Leinwand stellt ihren Werth nur in einer Waare dar , dem Rocke und vice versa, aber für beide Waaren ist dieser Werthausdruck doppelt, verschieden für jede derselben. Endlich ist jede der beiden Waaren nurAequiva- 1 e n t für die andre einzelne Waarenart . also nur einzelnes Aequi- valent.

Solche Gleichung , wie 20 Ellen Leinwand = IRock, oder 2wanzig Ellen Leinwand sind einen Rock werth, drückt offenbar den Werth der Waare nur ganz beschränkt und einseitig aus. Vergleiche ich lue Leinwand z. B., statt mit Röcken, mit andern Waaren, so erhalte ich auch andre relative W e r t h a u s d r ü c k e , andre Gleichungen, wie 20 Ellen Leinwand = u Kaffee, 20 Ellen Leinwand = v Thee u. s. w. Die Leinwand hat eben so viele verschiedne relative W e r t h a u s d r ü c k e , als es von ihr verschiedne Waaren giebt und die Zahl ihrer relativen Wertliausdrücke wächst beständig mit der Zahl neu Auftretender Waarenarten --).

-') Es ist mit solchen Reflexionsbestimmungen überhaupt ein eignes Ding. Dieser Mensch ist z. B. nur König, weil sich andre Menschen als Unterthanen zu ihm verhalten. Sie glauben urngekehrt Unterthanen zu sein , weil er König ist.

--) „The value of any commodity denoting its relation in exchange, '^'e may speak of it as . . . . cornvalue, clothvalue, according to the commodity with which

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Die erste Form 20 Ellen Leinwand = 1 Rock gab zwei relative Ausdrücke für den Werth zweier Waaren. Diese zweite Form giebt für d e n. W e r t h derselben W a a r e die bunteste Mosaik relativer Ausdrücke. Auch scheint weder für den Ausdruck der Werth- grösse irgend etwas gewonnen, denn in 20 Ellen Leinwand = 1 Rock ist die Werth grosse der Leinwand, die ja in jedem Ausdrucke dieselbe bleibt, eben so erschöpfend dargestellt als in 20 Ellen Leinwand == uThee u. s. w., noch für die Formbestimmung des Aequivalents, denn in 20 Ellen Leinwand == u Kaffee u. s. w,, sind Katfee u. s. w. nur ein- zelne Aequivalente, ganz wie es der Rock war.

Dennoch birgt diese zweite Form eine wesentliche Fortentwicklmig. Es Hegt darin nämlich nicht nur, dass die Leinwand ihren Werth zufällig bald in Röcken ausdrückt, bald in Katfee u. s. w., sondern dass sie ihn sowohl in Röcken als in Kaffee u. s. w. ausdrückt, entweder in dieser Waare oder jener oder der dritten u. s. w. Die Weiterbestim- mung zeigt sich, sobald diese zweite oder entfaltete Form des rela- tiven Werthausdrucks in ihrem Zusammenhang dargestellt wird. Wir erhalten dann :

IL Z weite oder entfaltete Form d es relativen Werthsr 20 Ellen Leinwand = 1 Rock oder =^ u Kaffee oder = v Thee oder

= X Eisen oder = y Weizen oder = u. s. w. u. s. w.

z Waare A = u Waare B oder = v Waare C o d e r = w Waare D

oder = X Waare E o d e r = y Waare F oder = u. s. w.

Zunächst bildet offenbar die erste Form das Grundelement der

it is compared ; and then there are athousand different kinds ofvalne,. as many kinds of value as there are commodities in existence , and all are equally real and equally nominal." (,,A Cr itical Dissertation on the'Nature, Measure a.nd Caus es ofValue: chicfly in reference to the writings^ of Mr. Ricardo andhis followers. By theAixthor of Essays on the Formation etc. ofOpinions. London 1825", p. 39). S. Bai ley , der Verfasser dieser anonymen Schrift, die ihrer Zeit viel Lärm in England machte, bildet sich ein durch diesen Hinweis auf die kunterbunten relativen Ausdrücke desselben Waaren - W e r t h s alle Begriffsbestimmung des Werths vernichtet zu haben. Dass er übrigens , trotz eigner Bornirtheit, wunde Flecken der Ricardo'- schen Theorie sondirt hat , bewies die Gereiztheit, womit die Ricardo'sche Schule ihr- angriff, z. B. in der Westminster Review.

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zweiten , denn letztere besteht aus vielen einfachen relativen Werthaus- driieken, wie 20 Ellen Leinwand = 1 Rock, 20 Ellen Leinwand = u Kaffee u. s. w.

In der ersten Form : 20 Ellen Leinwand = IRock kann es zufällige Thatsache scheinen, dass diese zweiWaaren in diesem bestimm- ten quantitativen Verhältnisse austauschbar sind. In der zweiten Form leuchtet dagegen sofort ein von der zufälligen Erscheinung wesentlich unterschiedner und sie bestimmender Hintergrund durch. Der Werth der Leinwand bleibt gleich gross , ob in Rock oder Kaffee oder Eisen u. s. w. dargestellt, in zahllos verschiednen Waaren , den verschie- densten Besitzern angehörig. Das zufällige Verhältniss zweier individuel- ler Waarenbesitzer fällt fort. Es wird offenbar, dass nicht der Austausch die Werthgrösse der Waare, sondern umgekehrt die Werthgrösse der Waare ihre Austauschverhältnisse regulirt.

In dem Ausdruck : 20 Ellen Leinwand = 1 Rock galt der Rock als Erscheinungsfoi-m der in der Leinwand vergegenständlichten Arbeit. So wurde die in der Leinwand enthaltene Arbeit der im Rock euthaltnen gleichgesetzt und daher als gleichartige menschliche Arbeit bestimmt. Indess trat diese Bestimmung nicht ausdrücklich hervor. Unmittelbar setzt die erste Form die in der Leinwand enthaltne Arbeit nur der Schneiderarbeit gleich. Anders die zweite Form. In der end- losen , stets verlängerbaren Reihe ihrer relativen Werthausdrücke bezieht sich die Leinwand auf alle möglichen Waarenkörper als blosse Erschei- nungsformen der in ihr selbst enthaltenen Arbeit. Hier ist der Leinwand- W e r t h daher erst wahrhaft dargestellt als Werth, d. h. K r y s t a 1 1 menschlicher Arbeit überhaupt.

Die zweite Form besteht aus einer Summe von lauter Gleichungen der ersten Form. Jede dieser Gleichungen, wie 2 0 Ellen Leinwand = 1 R 0 c k schliesst aber auch die Rückbeziehung ein: lRock = 20El- 1 e n Leinwand, wo der Rock seinen Werth in der Leinwand und eben dadurch die Leinwand als Aequivalent darstellt. Da diess nun von jedem der zahllosen relativen Werthgusdrücke der Leinwand gilt, erhalten wir :

III. Dritte, umgekehrte oder rück bezogene zweite Form des r e 1 a t i v e u W e r t h s :

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1 Rock = 20 Ellen Leinwand.

u Kaffee = 20 Ellen Leinwand.

V Thee = 20 Ellen Leinwand.

X Eisen = 20 Ellen Leinwand.

y Weizen = 20 Pillen Leinwand.

u. s. w. = 20 Ellen Leinwand. Der relative W e r t ii a u s d r u c k der Waaren kehrt hier zurück in seiner ursprihiglichen Gestalt: 1 Rock = 20 Ellen Leinwand. Jedoch ist diese einfache Gleichung jetzt weiter entwickelt. Ursprünglich ent- hielt sie nur , dass der Rockwert h durch seinen Ausdruck in einer an- dern Waare eine vom Geb ra u chs w er th Rock oder dem Rock- körper selbst unter seh i edne und unabhängige Form er- hält. Jetzt stellt dieselbe Form den Rock auch allen andern Waaren gegenüber als Werth dar und ist daher seine allgemein gültige Werth- form. Nicht nur der Rock, sondern Kaffee, Eisen, Weizen, kurz alle andern Waaren drücken ihren Werth jetzt im Material Leinwand aus. Alle stellen sich so einander als dieselbe M a t e r i a t u r m en schlicher Arb ei t dar. Sie sind nur noch quantitativ ver- schieden, wesswegen 1 Rock , u Kaffee, x Eisen u. s. w., d. h. ver- schiedne Quanta dieser verschiednen Dinge = 20 Ellen Leinwand, gleich demselben Quant u m vergegenständlichter menschlicher Arbeit. Durch ihren g e m e i n s c h a f t li c h en Werthausdriick im Material Leinwand unterscheiden sich also alle Waaren als T a u s c h w e r t h e von ihren eignen G ebr auch s werth en und beziehn sich zugleich auf einander als W e r t h g r ö s s e n , setzen sich qualitativ gleich und v e r g 1 e i - chensich quantitativ. Erst in diesem einheitlichen relativen Werthausdruck erscheinen sie alle für einander als Werthe und erhält ihr Weith daher erst seine entsprechende Erscheinungsform als Tau seh werth. Im Unterschied zur entfalteten Form des rela- tiven Werths (Form II) , die den Werth einer Waare im Umkreis aller andern Waaren darstellt, nennen wir diesen einheitlichen Werth- ausdruck die allgemeine relative Werth f o r m.

In der Form II: 20 Eilen Leinwand = 1 Rock oder = u Kaffee oder = v Thee oder = x Eisen u. s. w., woi-in die Leinwand ihren relativen W e r t h a u s d r u c k entfaltet, bezieht sie sich auf j ede einzelne Waare, Rock, Kaffee u. s. w. als ein besondres Aequivalent und

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auf alle zusamraen alsdenUnikr eis ihrer besondern A equivalent- formen. Ihr gegenüber gilt keine einzelne Waarenart noch als Aequiva- lent schlechthin , wie im einzelnen Aequivalent, sondern nur als be- sondres Aequivalent , wovon das eine das andre ausscliliesst. In der Form III, welche die rückbezogene zweite Form und also in ihr einge- schlossen ist, erseheint die Leinwand dagegen als die Gattungsform des Aequivalents für alle andern Waaren. P^s ist als ob neben und ausser Löwen, Tigern, Hasen und allen andern wirklichen Thieren , die grnppirt die verschiednen Geschlechter, Arten, Unterarten, Familien u. s. w. des Thierreichs bilden, auch noch das Thier existirte, die individuelle Incar- iiation des ganzen Thierreichs. Ein solches Einzelne, das in sich selbst alle wirklich vorhandenen Arten derselben Sache einbegreift, ist ein Allgemei- nes, wie Thier, Gott u. s. w. Wie die Leinwand daiier einzelnes Aequivalent wurde, dadurch dass sich eine andre Waare auf sie als Erscheinungsform des Werths bezog, so wird sie als allen Waaren gemein- schaftliche Erscheinungsform des Werths das allgemeine Aequiva- lent, a 1 1 g e m e i n e r W e r t h 1 e i b , a 1 1 g e m e i n e M a t e r i a t u r der abstrakten menschlichen Arbeit. Die in ihr niaterialisirte be- sondre Arbeit gilt daher jetzt als allgemeine V e r w i r k 1 i c h u u g s - f 0 r m der menschlichen Arbeit, als allgemeine Arbeit.

Bei der Darstellung des Werths der Waare A in der Waare B , wo- durch die Waare B einzelnes Aequivalent wird , war es gleichgül- tig, von welcher besondern Sorte die Waare B. Nur nnisste die Kör- perlichkeit der Waare B andrer Art sein als die der Waare A, daher auch Produkt andrer n ü t z 1 i c her A r b e i t. Indem der Rock seinen Werth in Leinwand darstellte, bezog er sich auf Leinwand als die ver- wirklichte menschliche Arbeit, und eben dadurch auf Leine- weberei als die Verwirklichungsform der menschlichen Arbeit, aber die besondre Bestimmtheit, welche Leineweberei von andern Arbeitsarten unterscheidet, war durchaus gleichgültig. Sie musäte nur andrer Art sein als die Schneiderarbeit und im übrigen eine bestimmte Arbeitsart. Anders sobald die Leinwand allgemeines Aequivalent wird. Dieser Gebrauchswerth in seiner besondern Bestimmtheit , wodurch er L ein wand im Unterschied von allen andern Waarenarten, Kaflee, Eisen u. s. w., wird jetzt die allgemeine Werthforra aller andern Waaren und daher allgemeines Aequivalent. Die

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in ihm dargestellte besondre nützliche Arbeitsart gilt daher jetzt als allgemeine V e r w i r k 1 i c h u n g s f o r m der ra e n s c h 1 i c li e n Ar- beit, als all gern eine Arbeit, grade soweit sie Arbeit von besondrer Bestimmtheit ist, Leineweberei im Unterschied nicht nur von Schnei- deij^i'beit, sondern von Kaflfeebau, Minenarbeit und allen andern Arbeits- arten. Umgekehrt gelten alle andren Arbeitsarten, im relativen Werthaus druck der Leinwand, des allgemeinen Aeqiiivalents (Form II), nur noch als b e s o n d r e Verwirklich u n g s f o r m e n der mensch- lichen Arbeit.

Als W e r t h e sind die Waaren Ausdrücke derselben Einheit, der abstrakten menschlichen Arbeit. In der Form des Tauschwerths erscheinen sie ei nander a 1 s W e r t h e und b e z i e h n sich auf einander als W e r t h e. Sie beziehn sich damit zugleich auf die abstrakte mensch- liche Arbeit als ihre gemeinsame gesellschaftliche Substanz. Ihr gesellschaftliches Verhältniss besteht ausschliesslich darin ein- ander als nur quantitativ verschiedne , aber qualitativ gleiche und daher durch einander ersetzbare und mit einander vertauschbare Ausdrücke dieser ihrer gesellschaftlichen Substanz zu gelten. Als nützliches Ding besitzt eine Waare gesellschaftliche Bestimmtheit, soweit sie Gebrauchswert)! für andre ausser ihrem Besitzer ist , also gesellschaftliche Bedürfnisse befrie- digt. Aber gleichgültig , auf wessen Bedürfnisse ihre nützlichen Eigen- schaften sie beziehn, sie wird durch dieselben immer nur auf mensch- liche Bedürfnisse bezogener Gegenstand, nicht Waare für andre Waaren. Nur was blosse Gebrauchsgegenstände in Waaren verwandelt , kann sie a 1 s Waaren auf einander beziehn und daher in gesellschaftlichen Rapport setzen. Es ist diess aber ihr Wert h. Die Form, worin sie sich als Werthe, als menschliche Arbeitsgallerte gelten , ist daher ihre ges ellsch aft liehe Form. Gesellschaft- liche Form der Waare und Werthform oder Form der Aus- tauschbarkeit sind also eins und dasselbe. Ist die Naturalform einer Waare zugleich Werthform , so besitzt sie die Form unmittelbarer Austauschbarkeit mit andern Waaren und daher unmittelbar gesellschaftliche Form.

Die einfache relative Werthform (Form I) 1 Rock = 20 Ellen Leinwand unterscheidet sich von der allgemeinen relati-

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ven Werthform 1 Rock = 20 Ellen Leinwand nur dadurch, dass diese Gleichung jetzt ein Glied der Reihe bildet

1 Rock =20 Ellen Leinwand

u Kaftee =20 Ellen Leinwand

V Thee = 20 Ellen Leinwand u. s. w. Sie unterscheidet sich also in der That nur dadurch , dass die Leinwand aus einem einzelnen zum allgemeinen A e q u i v a 1 e n t fortent- wickelt ist. Wenn also im 'einfachen relativen VA'^erthausdrucke nicht die Waare, die ihre Werth grosse ausdrückt, sondern die Waare, worin Werthgrösse ausgedrückt wird, die Form unmittelbarer Austauschbarkeit, Aequivalentform, also unmittelbar gesell- schaftlich e F o r m erliält, so gilt dasselbe für den allgemeinen relativen Werthausdruck. Aber in der einfachen relativen Werthform ist dieser Unterschied nur noch formell und verschwindend. Wenn in 1 Rock = 20 Ellen Leinwand der Rock seinen Werth relativ, nämlich in Leinwand ausdrückt und die Leinwand dadurch Aequivalentform erhält, so schliesst dieselbe Gleichung unmittelbar die Rückbeziehung ein: 20 Ellen Lein- wand =^ 1 Rock, worin der Rock die Aequivalentform erhält und der Werth der Leinwand relativ ausgedrückt wird. Diese gleichmässige und gegenseitige Entwicklung der Werthform beider Waaren als relativer Werth und als Aequivaleut findet jetzt nicht länger statt. Wird die all- gemeine relative Werthform 1 Rock = 20 Ellen Leinwand, wo die Leinwand allgemeines Aequivaleut, umgekehrt in 2 0 Ellen Leinwand = 1 Rock, so wird der Rock dadurcli nicht allgemeines Aequivalent für alle andern Waaren , sondern nur ein besondres Aequivalent der Leinwand. Allgemein ist die relative Werthform des Rocks nur , weil sie zugleich die relative Werthform aller andern Waaren. Was vom Rock , gilt vom Katfee u. s. w. Es folgt daher , dass die allgemeine relative Werthform der Waaren sie selbst von der allgemeinen Aequivalentform ausschliesst. Umgekehrt ist eine Waare , wie Leinwand , sobald sie die allgemeine Aequivalentform besitzt, von der allgemeinen relativen Werthform ausge- schlossen. Die allgemeine , mit den andern Waaren einheitliche rehitivc Werthform der Leinwand wäre : 20 Ellen Leinwand = 20 Ellen Lein- wand. Diess ist aber eine Tautologie, welche die Werthgrösse dieser in allgemeiner Aequivalentform und daher in stets austauschbarer Form

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befindlichen Waare niclit ausdrückt. Vielmehr wird die entfaltete relative Werthform : 20 Ellen Leinwand = 1 Rock oder = u Kaffee 0 d e r = V Thee oder = u. s. w. jetzt zum s p e c i f i s c h e n relativen Werthausdrucke des allgemeinen Aequivalents.

In dem allgemeinen relativen Werthausdruck der Waaren besitzt jede Waare, Rock, Kaffee, Thee u. s. w. eine von ihrer Naturalform ver- schiedne Werthform, nämlich die Form Leinwand. Und eben in dieser Form beziehn sie sich auf einander als Austauschbare und in quantitativ bestimmten Verhältnissen Austauschbare, denn wenn 1 Rock ^= 20 Ellen Leinwand, u Kaffee = 20 Ellen Leinwand u. s. w., so ist auch 1 Rock = u Kaffee u. s. w. Indem alle Waaren sich in einer und derselben Waare als Werthgrössen bespiegeln, wiederspiegeln sie sich wechselseitig als Werthgrössen. Aber die Naturalformen , die sie als Gebrauchsgegen- stände besitzen , gelten ihnen wechselseitig nur auf diesem Umweg , also nicht unmittelbar als Erscheinungsformen des Werths. Sowie sie unmittel- bar sind, sind sie daher nicht unmittelbar austauschbar. Sie besitzen also nicht die Form u n m i 1 1 e 1 b a r e r A u s t a u s c h b a r k e i t für einander oder ihre gesellschaftlich gültige Form ist eine vermittelte. Umgekehlt. Indem alle andern Waaren auf Leinwand als Erscheinungs- form des Werths sich beziehen , wird die Nattu-alforra der Leinwand die Form ihrer unmittelbaren Austauschbarkeit mit allen Waa- ren, dalier unmittelbar ihre allgemein gesellschaftliche Form.

Eine Waare erhält nur die allgemeine Aequi valen tform , weil und sofern sie allen andern Waaren zur Darstellung ihrer allge- meinen relativen, daher nicht unmittelbaren Werthform dient. Waaren müssen sich aber relative Werthform überhaupt geben , weil ihre Naturalformen nur ihre Gebrauchswerthformen , und sie müssen sich ein- heitliche , daher allgemeine relative Werthform geben , um sich alle als Werthe , als gleichartige Gallerten menschlicher Arbeit auf einander zu beziehen. Eine Waare befindet sich daher nur in der Form unmittel- barer Austauschbarkeit mit allen andern Waaren und daher in unmittelbar gesellschaftlicher Form, weil und sofern alle andern Waaren sich nicht darin befinden, oder weil die Waare überhaupt sich von Haus aus nicht in unmittelbar austauschbarer oder gesellschaftlicher Form befindet.

ol

indem ihre unmittelbare Form die Foini ihres Gebranebswerths, nicht ihres Werthes.

Man sieht es der Form allgemeiner unmittelbarer Aus- tauschbarkeit in der That keineswegs an, dass sie eine gegensätz- liche Waareuform ist, von der Form nicht unmittelbarer Austausch- barkeit ebenso unzertrennlich, wie die Positivität eines Magnetpols von der Negativität des andern. Man kann sich daher einbilden, man könne allen Waaren zugleich den Stempel unmittelbarer Austauschbarkeit aufdrücken, wie man sich auch einbilden kann, man könne alle Arbeiter zu Kapita- listen machen. In der That aber sind allgemeine relative W e r t h - form und allgemeine Aequivalentform die gegensätzlichen, sich wechselweis voraussetzenden und wechselweis abstossenden Pole dersel- ben gesellschaftlichen Form der Waaren 23).

Als unmittelbar gesellschaftliche M a t e r i a t u r der Arbeit ist die Leinwand, das allgemeine Aequivalent, Materia tur unmittelbar gesellschaftlicher Arbeit, während die andern Waarenkörper , welche ihren Werth in Leinwand darstellen , Materiaturen nicht unmittelbar gesellschaftlicher Arbeiten sind.

In der That sind alle Gebrauchswerthe nur Waaren, weil Produkte von einander unabhängiger P r i v a t a r b e i t e n , Privatarbeiten, die jedoch als besondere , wenn auch verselbständigte , Glieder des natur- wüchsigen Systems der Th ei hing der Arbeit stofflich von einander abhängen. Sie hängen so gesellsch^^ftlich zusammen grade durch ihre Verschiedenheit, ihre besondre Nützlichkeit. Eben dess- wegen produciren sie qualitativ verschiedne Gebrauchswerthe. Wenn

23) Für den Kleinbürger, der in der Form der Waarenproduktion das nee plus ultra menschlicher Freiheit und individueller Unabhängigkeit erblickt, wäre es natürlich sehr wünschenswerth, zugleich der mit dieser Form verbundnen Miss- stände überhoben zu sein, namentlich auch der nicht unmittelbaren Aus- tauschbarkeit der Waaren. Die Ausmalung dieser Philisterutopie bildet Proud- hon's Socialismus, der, wie ich anderswo gezeigt, nicht einmal das Verdienst der Originalität besitzt, vielmehr lange vor ihm von Brav, Gray und Andern weit bes- ser entwickelt wurde. Diess verhindert solche Weisheit nicht , heutzutage unter dem Namen der ,,science" in Frankreich zu grassiren. Nie hat eine Schule mehr als die Proudhon'sche mit dem Wort ,,science" um sich geworfen, denn

,,wo Begriffe fehlen,

Da stellt zur rechten Zeit ein Wort sich ein."

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iiiclit , so würden diese Gebrauchswerthe nicht zu Waaren für einander. Andrerseits macht diese verschiedne nützliche Qualität Produkte noch nicht zu Waaren. Producirt eine bäuerliche Familie für ihren eignen Consum Rock und Leinwand und Weizen , so treten diese Dinge der Fa- milie als verschiedne Produkte ihrer Farailienarbeit gegenüber , aber nicht sich selbst wechselseitig als Waaren. Wäre die Arbeit unmittelbar gesellschaftliche, d. h. gemeinsame Arbeit , so erhielten die Pro- dukte den unmittelbar gesellschaftlichen Charakter eines Gemeinprodukts für ihre Produeeuten , aber nicht den Charakter von Waaren für einander. Indess haben wir hier nicht weit zu suchen, worin die gesellschaftliche Form der in den Waaren enthaltenen und von einander unabhängigen Privatarbeiten besteht. Sie ergab sich bereits aus der Analyse der Waare. Ihre gesellschaftliche Form ist ihre Beziehung auf einander als g 1 e i c h e A r b e i t , also, da die G 1 e i c h h e i t toto coelo v e r s c h i e d n e r Arbeiten nur in einer Abstraktion von ihrer Ungleichheit be- stehenkann, ihre Beziehung auf einander als menschliche Arbeit überhaupt , Verausgabungen menschlicher Arbeitskraft, was alle menschlichen Arbeiten, welches immer ihr Inhalt und ihre Opera- tionsweise, in der That sind. In jeder gesellschaftlichen Arbeitsform sind die Arbeiten der verschiednen Individuen auch als menschliche auf einander bezogen, aber hier gilt diese Beziehung selbst als die s p e c i f i s c h g e s e 1 1 s cli a f 1 1 i c h e F o r m der Arbeiten. Nun besitzt aber keine dieser Privatarbeiten in ihrer Naturalform diese specifisch ge- sellschaftliche Form abstrakter menschlicher Arbeit, so wenig wie die Waare in ihrer Naturalform die gesellschaftliche Form blosser Arbeits- gallerte, oder des Werthes, besitzt. Dadurch aber dass die Naturalform einer Waare, hier der Leinwand , allgemeine Aequivalentform wird . weil sich alle andern Waaren auf dieselbe als Erscheinungsform ihres eignen Werths beziehn, wird auch die Leinweberei zur allgemeinen Verwirk- lichungsform abstrakter menschliclier Arbeit oder zu Arbeit in unmittelbar gesellschaftlicher Form. Der Massstab der „Gesellschaftlichkeit" muss aus der Natur der jeder Produktionsweise eigenthümlichen Verhältnisse, nicht aus ihr fremden Vorstellungen entlehnt werden. Wie vorhin gezeigt ward, dass die Waare von Natur die unmittelbare Form allgemeiner Aus- tauschbarkeit ausschliesst und die allgemeine Aequivalentform daher nur gegensätzlich entwickeln kann, so gilt dasselbe für die in den Waaren

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steckenden Privatarbeiten. Da sie nicht im rai t tel bar gesell scliaft- liehe Arbeit sind, so ist erstens die gesellschaftliche Form eine von den Naturaltbrmen der wirklidien nützlichen Arbeiten unterschiedne, ihnen fremde , und abstrakte Form , und zweitens erhalten alle Arten P)'i- vatarbeit ihren g e s e 11 s cli a f t li c h e n Charakter nur gegensätzlich, indem sie alle einer ausschliesslichen Art Privatarbeit, hier der Leinevvebe- rei, gleichgesetzt werden. Dadurch wird letztere die unmittelbare und allgemeine Erscheinungsform abstrakter menschlicher Arbeit und so Arbeit in unmittelbar gesellschaftlicher Form. Sie stellt sich daher auch unmittelbar in einem gesellschaftlich geltenden und allgemein austausch- baren Produkt dar.

Der Schein, als ob die Aequivalentform einer Waare aus ihrer eignen dinglichen Natur entspringe, statt blosser Reflex der Beziehungen der an- dern Waaren zu sein , befestigt sich mit der Fortbildung des einzelnen Aequivalents zum allgemeinen, weil die gegensätzlichen Momente der Werthform sich nicht mehr gl eich massig für die auf einander bezog- nen Waaren entwickeln, weil die allgemeine Aequivalentform eine Waare als etwas ganz apartes von allen andern Waaren scheidet und endlich weil diese ihre Form in der That nicht mehr das Produkt der Beziehung irgend einer einzelnen andern Waare ist.

Indess ist auf unserm jetzigen Standpunkt das allgemeine Aequiva- lent noch keineswegs verknöchert. Wie wurde in der That die Leinwand in das allgemeine Aequivalent verwandelt ? Dadurch , dass sie ihren Werth erst in einer einzelnen Waare (Form I) , dann in allen andern Waaren der Reihe nach relativ darstellte (Form II) , und so r ü c k b e z ü g 1 i c h alle andern Waaren in ihr ihre Werthe relativ darstellten (Form III). Der einfache relative Werthausdruck war der Keim, woraus sich die allgemeine Aequivalentform der Leinwand entwickelte. Innerhalb dieser Entwicklung ändert sie die Rolle. Sie beginnt damit, ihre Werthgrösse in einer andern Waare darzustellen und endet damit zum Material für den Werth- ausdruck aller andern Waaren zu dienen. Was von der Leinwand , gilt von jeder Waare, In ihrem entfalteten relativen Werthausdrucke (Form II), der nur aus ihren vielen, einfachen Werthausdrückeu besteht, figurirt die Leinwand noch nicht als allgemeines Aequivalent. Vielmehr bildet hier jeder andre Waarenkörper ihr A equi valent , ist daher un- mittelbar austauschbar mit ihr und kann also die Stelle mit ihr wechseln. I. 3

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Wir erhalten daher schliesslich :

Form IV: 20 Ellen Leinwand = 1 Rock oder = n Kaffee oder = v Thee oder

= X Eisen oder = y Weizen oder = u. s. w. 1 Rock = 20 Ellen Leinwand oder = u Kaffee oder = v Thee oder

= X Eisen oder = y Weizen oder = u. s, w. u Kaffee =20 Ellen Leinwand oder = 1 Rock oder = v Thee oder

= X Eisen oder == y Weizen oder = u. s. w. V Thee = u. s. w.

Aber jede dieser Gleichungen rückbezogeu ergiebt Rock , Kaffee, Thee u. s. w. als allgemeines Aequivalent , daher den Werthausdruck in Rock, Kaffee, Thee u. s. w. als allgemeine relative Werthform aller andern Waaren. Die allgemeine Aequivalentform kommt immer nur einer Waare zu im Gegensatz zu allen andern Waaren ; aber sie kommt jeder Waare im Gegensatz zu allen andern zu. Stellt aber jede W^aare ihre eigne Na- turalform allen andern Waaren gegenüber als allgemeine Aequivalentform, so schliessen alle Waaren alle von der allgemeinen Aequivalentform aus und daher sich selbst von der gesellschaftlich gültigen Darstellung ihrer Werthgrössen.

Man sieht : die Analyse der Waare ergiebt alle wesentlichen Bestimmungen derWerthform und die Werthform selbst in ihren gegen- sätzlichen Momenten , die allgemeine r e 1 a t i v e W e r t h f o r m , die allgemeine Aequivalentform, endhch die nie abschliessende Reihe einfacher relativer W e r t h a u s d r ti c k e , welche erst eine Durchgangsphase in der Entwicklung der Werthform bildet , um schliess- lich in die spe cifi seh relative Werthform des allgemeinen Aequivalents umzuschlagen. Aber die Analyse der Waare ergab diese Formen als Waaren form en überhaupt, die also auch jeder Waare zukommen, nur gegensätzlich, so dass wenn die Waare A sich in der einen Formbestimmung befindet, die Waaren B, C u. s. w. ihr gegen- über die an d er e annehmen. Das entscheidend Wichtige aber war den inneren nothwendigen Zusammenhang zwischen Werthform, Werthsub- stanz und Werth grosse zu entdecken, d. h. ideell ausgedrückt, zu beweisen, dass die Werthform aus dem Werthbegriff entspringt^*).

24) Es ist einer der Grundmängel der klassischen politischen Oekonomie, dass es ihr nie gelang, aus der Analyse der Waare und specieller des Waarenwerths

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Eine W a a r e scheint auf den ersten Blick ein selbstverstcändliches, triviales Ding. Ihre Analyse ergiebt, dass sie ein sehr vertracktes Ding ist, voller metaphysischer Spitzfindigkeit und theologischer Mucken. Als blosser Gebrauchs w e r t h ist sie ein sinnliches Ding, woran nichts My- steriöses , ob ich sie nun unter dem Gesichtspunkt betrachte , dass ihre Eigenschaften menschliche Bedürfnisse befriedigen oder dass sie erst als Produkt menschlicher Arbeit diese Eigenschaften erhält. Es liegt ab- solut nichts räthselhaftes darin , dass der Mensch durch seine Thätigkeit die Formen der Naturstoffe in einer ihm nützlichen Weise verändert. Die Form des Holzes z. B. wird verändert, wenn man aus ihm einen Tisch macht. Nichtsdestoweniger bleibt der Tisch Holz, ein ordinäres sinn-

die Form des Werths , die ihn eben zum Taus chwerth macht, herauszufinden. Grade in ihren besten Repräsentanten, wie A. Smith und Ricardo, behandelt sie die Werthform als etwas ganz Gleichgültiges oder der Natur der Waare selbst Aeusserliches. Der Grund ist nicht allein, dass die Analyse der Werth grosse ihre Aufmerksamkeit ganz absorbirt. Er liegt tiefer. Die Werthform des A r b e i t s p r o d u k t s ist die abstrakteste , aber auch allgemeinste F o r m der b ü r - gerlichen Produktionsweise, die hierdurch als eine besondre Art gesell- schaftlich er Produktionsweise und damit zugleich his toris c h charakterisirt wird. Versieht man sie daher für die ewige Naturform gesellschaftlicher Pro- duktion, so übersieht man nothwendig auch das Specifische der Werthform, also der Waa renform, weiter entwickelt der Geld form, Kapitalform u. s. w. :Man findet daher bei Oekonomen , welche über das Mass der Werthgrösse durch x\rbeitszeit durchaus übereinstimmen, die kunterbuntesten und widersprechendsten Vorstellungen von Geld, d. h. der fertigen Gestalt des allgemeinen Aequivalents. Diess tritt schlagend hervor z. B. bei der Behandlung des Bankwesens, wo mit den gemeinplätzlichen Definitionen des Geldes nicht mehr ausgereicht wird. Im Gegen- satz entsprang daher ein r e s t a u r i r t e s M e r k a n t i 1 s y s t e m (Ganilh u. s. w.), welches im Werth nur die gesellschaftliche Form sieht oder vielmehr nur ihren substanzlosen Schein. — Um es ein für allemal zu bemerken, verstehe ich unter kl assischer politischer Oekonomie alle Oekonomie seit W. Petty, die den i n n e r n Zusammenhang der bürgerlichen Produktionsverhältnisse er- forscht, im Gegensatz zur V u 1 g ä r ö k o n o m i e , diesich nur innerhalb des schein- baren Zusammenhangs herumtreibt, für eine plausible Verständlichmachung der so zu sagen gröbsten Phänomene und den bürgerlichen Hausbedarf das von der wissenschaftlichen Oekonomie langst gelieferte Material stets von neuem wieder- kaut, im Uebrigen aber sich darauf beschränkt, die banalen und selbstgefälligen Vorstellungen der bürgerlichen Produktionsagenten von ihrer eignen besten Welt zu systematislren, pedantisiren und als ewige W\ahrheiten zu proklamiren.

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liches.Ding. Aber sobald er als Waare auftritt, verwandelt er sich in ein sinnlich übersinnliches Ding. Er steht nicht nur mit seinen Füssen auf dem Boden, sondern er stellt sich allen andern Waaren gegenüber auf den Kopf und entwickelt ans seinem Holzkopf Grillen , viel wunderlicher, als wenn er ans freien Stücken zu tanzen begänne ^^).

Der mystische Charakter der Waare entspringt also nicht aus ihrem Gebrauchswerth. Er entspringt ebensowenig aus den Wer th bestimmun- gen, für sich selbst betrachtet. Denn erstens , wie verschieden die ntitz- Uchen Arbeiten oder produktiven Thätigkeiten sein mögen, es ist eine physiologische Wahrheit, dass sie Funktionen eines specifisch menschlichen Organismus im Unterschied von andern Organismen sind, und dass jede solche Funktion , welches immer ihr Inhalt und ihre Form, wesentlich Verausgabung von menschlichem Hirn , Nerv, Muskel , Sinnesorgan u. s. w. ist. Was zweitens der Bestimmung der Werthgrösse zu Grunde liegt, die Z ei td au er jener Verausgabung oder die Quantität der Arbeit, so ist die Quantität sogar sinnfällig von der Qualität der Arbeit unterscheidbar. In allen Zuständen musste die Arbeitszeit, welche die Produktion der Lebensmittel kostet, den Men- schen interessiren, obgleich nicht gleichmässig auf verschiednen Entwick- lungsstufen. Endlich, sobald die Menschen in irgend einer Weise für ein- ander arbeiten, erhält ihre Arbeit auch eine gesellschaftliche Form.

Nehmen wir den Robinson auf seiner Insel. Bescheiden , wie er von Haus aus ist, hat er doch verschiedenartige Bedürfnisse zu befriedigen und muss daher nützliche Arbeiten v e r s c h i e d n e r Art verrichten, Werkzeuge machen, Möbel fabriciren, Lama zähmen, fischen, jagen u. s. w. Vom Beten u. dgl. sprechen wir hier nicht , da unser Robinson daran sein Vergnügen findet und derartige Thätigkeit als Erholung betrachtet. Trotz der Verschiedenheit seiner produktiven Funktionen weiss er , dass sie nur verschiedne Bethätigungsformen desselben Robinson , also nur verschiedne Weisen menschlicher Arbeit sind. Die Noth selbst zwingt ihn , seine Zeit genau zwischen seinen verschiednen Funktionen zu vertheilen. Ob die eine mehr, die andre weniger Raum in seiner Gesammtthätigkeit ein-

23) Man erinnert sich, tluss China nnd die Tische zu tanzen anfingen, als alle übrige Welt still zu stehn schien — pour encournger les autres.

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nimmt, hängt ab von der grössern oder geringern Schwierigkeit, die zur Erzieking des bezweckten Nutzeffekts zu überwinden ist. Die Erfahrung lehrt ihm das und unser Robinson, der Uhr , Hauptbuch , Tinte und Feder aus dem SchiftlDruch gerettet, beginnt als guter Engländer bald Buch über sich selbst zu führen. Sein Inventarium enthält ein Verzeichniss der Ge- brauchsgegenstände, die er besitzt , der verschiednen Verrichtungen, die zu ihrer Produktion erheischt sind, endlich der Arbeitszeit, die ihm bestimmte Quanta dieser verschiednen Produkte im Durchschnitt kosten. Alle Beziehungen zwischen Robinson und den Dingen, die seinen selbstgeschaffnen Reichtlium bilden, sind hier sojeinfach und durchsichtig, dass selbst Herr M. Wirth sie ohne besondre Geistesanstrengung verstehn dürfte. Und dennoch sind darin alle wesentlichen Bestimmungen des Werths enthalten.

Setzen wir nun an die Stelle Robinson's einen Verein freier Menschen, die mit gemeinschaftlichen Produktionsmitteln arbeiten und ihre vielen in- dividuellen Arbeitskräfte selbstbewusst als eine gesellscliaftliche Arbeits- kraft verausgaben. Alle Bestimmungen von Robinson's Arbeit wieder- holen sich, nur gesellschaftlich, statt individuell. Ein wesent- licher Unterschied tritt jedoch ein. Alle Produkte Robinson's waren sein ausschliesslich persönliches Produkt und daher unmittelbar Gebrauchs- gegenstände für ihn. Das Gesammtprodukt des Vereins ist ein gesell- schaftlich e s ^Produkt. Ein Theil dieses Produkts dient wieder als Produktionsmittel. Er bleibt gesellschaftlich. Aber ein anderer Theil wird als Lebensmittel von den Vereinsgliedern verzehrt. Er muss daher unter sie ver theil t werden. Die Art dieser Vertheilung wird wecli- seln mit der besondern Art des gesellschaftlichen Produktionsorganismus selbst und der entsprechenden geschichtlichen Entwicklungshöhe der Produ- zenten. Nur zur Parallele mit der Waarenproduktion setzen wir voraus, der Antheil jedes Produzenten an den Lebensmitteln sei bestimmt durch seine Arbeitszeit. Die Arbeitszeit würde also eine doppelte Rolle spielen. Ihre gesellschaftlich planmässige Vertheilung regelt die richtige Proportion der verschiednen Arbeitsfunktionen zu den verschiednen Be- dürfnissen. Andrerseits dient die Arbeitszeit zugleich als Mass des indi- viduellen Antheils des Produzenten an der Gemeinarbeit und daher auch an dem individuell verzehrbaren Theil des Gemeinprodukts. Die gesell- schaftlichen Beziehungen der Menschen zu ihren Arbeiten und ihren Ar-

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beitsprodukten blieben hier durchsichtig einfach , in der Produktion sowohl als in der Distribution.

Woher also der räthselhafte Charakter des Arbeitsprodukts, sobald es die Form der Waare annimmt?

Wenn die Menschen ihre Produkte auf einander a 1 s W e r t h e beziehn, sofern diese Sachen für b 1 o s s sachliche Hüllen gleichartig mensch- licher Arbeit gelten, so liegt darin zugleich umgekehrt, dass ihre ver- schieduen Arbeiten nur als gleichartige menschliche Arbeit gelten in sachlicher Hülle. Sie beziehn ihre verschiednen Arbeiten auf ein- ander als menschliche Arbeit, indem sie ihre Produkte aufeinander als Werthe beziehn. Die persönliche Beziehung ist versteckt durch die sachliche Form. Es steht daher dem Werth nicht auf der Stirn geschrieben, was er ist. Um ihre Produkte aufeinander als Waaren zu beziehn, sind die Menschen gezwungen, ihre verschiednen Arbeiten abstrakt menschlicher Arbeit gleichzusetzen. Sie wissen das nicht, aber sie thun es, indem sie das materielle Ding auf die Abstraktion Werth reduciren. Es ist diess eine naturwüchsige und daher bewusstlos instinktive Opera- tion ihres Hirns, die aus der besondern Weise ihrer materiellen Produktion und den Verhältnissen , worin diese Produktion sie versetzt , nothwendig herauswächst. Erst ist ihr Verhältniss praktisch da. Zweitens aber, weil sie Menschen sind, ist i h r V e r h ä 1 1 n i s s als Verhältniss für sie da. Die Art, wie es für sie da ist, oder sich in ihrem Hirn reflektirt, entspringt aus der Natur des Verhältnisses selbst. Später suchen sie durch die Wissenschaft hinter das Geheimniss ihres eignen gesellschaft- lichen Produkts zu kommen, denn die Bestimmung eines Dings als Werth ist ihr Produkt, so gut wie die Sprache. Was nun ferner die Werth- grösse betrifft, so werden die unabhängig von einander betriebenen, aber, weil Glieder der naturwüchsigen T h e i 1 u n g der Arbeit, allsei- tig von einander abhängigen Privatarbeiten dadurch fortwährend auf ihr gesellschaftlich proportionelles Mass reducirt, dass sich in den zufälligen und stets schwankenden Austauschverhältnissen ihrer Pro- dukte die zu deren Produktion gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit als regelndes Naturgesetz gewaltsam durchsetzt, wie etwa das Gesetz der Schwere , wenn einem das Haus über dem Kopf zusammenpurzelt -^).

20) ,,Was soll man von einem Gesetze denken, das sich nur durch periodische Revolutionen durchsetzen kann? Es ist eben ein Naturgesetz, das auf der

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Die Bestimmung der Werthgrösse durch die Arbeitszeit ist daher unter den erscheinenden Bewegungen der relativen Waarenwerthe verstecktes Geheimniss. Die eigne gesellschaftliche Bewegung der Produzenten be- sitzt für sie die Form einer Bewegung von Sachen , unter deren Controle sie stehn, statt sie zu controliren. Was nun endlich die Werthform betrifft, so ist es ja grade diese Form , welche die gesellschaftlichen Be- ziehungen der Privatarbeiter und daher die gesellschaftlichen Bestimmt- heiten der Privatarbeiten sachlich verschleiert, statt sie zu offen- baren. Wenn ich sage, Rock, Stiefel u. s. w. beziehn sich auf Leinwand als allgemeine Materiatur abstrakter menschlicher Arbeit , so springt die Verrücktheit dieses Ausdrucks ins Auge. Aber wenn die Produzenten von Rock, Stiefel u. s. w. diese Waaren auf die Leinwand als allgemei- nes Aequivalent beziehn, erscheint ihnen die gesellschaftliche Bezie- hung ihrer Privatarbeiten genau in dieser verrückten Form.

Derartige Formen bilden eben die Kategorien der bürgerlichen Oekonomie. Es sind gesellschaftlich gültige, also objektive Gedan- kenformen für Produktionsverhältnisse dieser historisch bestimm- ten gesellschaftlichen Produktionsweise.

Die Privatproduzenten treten erst in gesellschaftlichen Contakt ver- mittelst ihrer Privatprodukte, der Sachen. Die gesellschaftlichen Be- ziehungen ihrer Arbeiten sind und erscheinen daher nicht als unmit- telbar gesellschaftliche Verhältnisse der Personen in ihren Arbeiten , son- dern als sachliche Verhältnisse der Personen oder gesellschaft- liche Verhältnisse der Sachen. Die erste und allgemeinste Dar- stellung der Sache als eines g e s e 1 1 s c h a f 1 1 i c h e n D i n g s ist aber die Verwandlung des Arbeitsprodukts in W a a r e.

Der Mysticismus der Waare entspringt also daraus , dass den Privat- produzenten die gesellschaftlichen Bestimmungen ihrer Privat- arbeiten als gesellschaftliche Naturbestimmtheiten der Arbeitsprodukte, dass die gesellschaftlichen Produktions- verhältnisse der Personen als gesellschaftliche Verhält-

Bev/usstlosigkeit der Betheiligten beruht." (Friedrich Engels: ,,Umrisse au Einer Kritik der Nationalökonomie", p. 103 in ,, Deutsch -Französische Jahrbücher, herausgegeben von Arnold Rüge und Karl Marx. Paris 1849.")

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iiisse d er Sach en zu einander und zu den Personen erscheinen. Die Verhältnisse der Privatarbeiter zur gesellschaftlichen Gesammtarbeit" ver- gegenständ liehen sich ihnen gegenüber und existiren daher für sie in den Formen von Gegenständen. Für eine Gesellschaft von Waarenproducenten , deren allgemein gesellschaftliches Produktionsver- hältniss darin besteht, sicli zu ihren Produkten als Waaren, also als Werthen zu verhalten, und in dieser sachlichen Form ihre Privat- arbeiten auf einander zu beziehn als gleiche m e n s c h 1 i c h e Arbeit, ist das Chris tenthum , mit seinem Kultus des abstrakten Menschen, namentlicli in seiner bürgerlichen Entwicklung, dem Protestantismus, Deis- mus u. s. w., die entsprechendste Religionsform. In den altasiati- schen , antiken u. s. w. Produktionsweisen spielt die Verwandlung des Produkts in Waare , und daher das Dasein der Menschen als Waarenpro- duzenten, eine untergeordnete Rolle , die jedoch um so bedeutender wird, je mehr die Gemeinwesen in das Stadium ihres Untergangs treten. Eigent- liche Handelsvölker existiren nur in den Intermundien der alten Welt, wie Epi- kurs Götter, oder wie Juden in den Poren der polnischen Gesellschaft. Jene alten gesellschaftlichen Prodnktionsorganismen sind ausserordentlich viel einfacher und durchsichtiger als der bürgerliche, aber sie beruhen entweder auf der Unreife des individuellen Menschen , der sich von der Nabelschnur des natürlichen Gattungszusammenhangs mit Andern noch nicht losgerissen hat, oder auf unmittelbaren Herrschafts- und Knechtschaftsverhältnissen. Sie sind bedingt durch eine niedrige Entwicklungsstufe der Produktivkräfte der Arbeit und entsprechend befangene Verhältnisse der Menschen inner- halb ihres materiellen Lebenserzeugungsprozesses , daher zu einander und zur Natur. Diese wirkliche Befangenheit spiegelt sich ideell wieder in den alten Natur- und Volksreligionen . Der religiöse W i e d e r s c h e i n der wirklichen Welt kann nur verschwinden , sobald die Verhältnisse des praktischen Werkeltagslebens den Menschen tagtäglich durchsichtig ver- nünftige Beziehungen zu einander und zur Natur darstellen. Die Ver- hältnisse können sich aber nur als das darstellen, was sie sind. Die Ge- stalt des gesellschaftlichen Lebensprozesses, d. h. des materiellen Pro- duktionsprozesses , streift nur ihren mystischen Nebelschleier ab , sobald sie als Produkt frei vergesellschafteter Menschen unter deren bewusster planmässiger Controle steht. Dazu ist jedoch eine materielle Grundlage der Gesellschaft erheischt oder eine Reihe materieller Existenzbedingungen,

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welche selbst wieder das naturwüchsige Produkt einer langen und qual- vollen Entwicklungsgeschichte sind.

Die politische Uekonomie hat nun zwar, wenn auch unvollkommen ^7)^ Wertli und Werthgrösse analysirt, Sie hat niemals auch nur die Frage gestellt, warum sich die Arbeit im Werth und das Mass der Arbeit durch ihre Zeitdauer in der Wert h grosse- darstellt? Formen, denen es auf der Stirn geschrieben steht , dass sie einer Gesellschaftsformation an- gehören, worin der Produktionsprozess die Menschen , der Mensch noch

-") Das Unzulängliche in ßicardo's Analyse der W erth g rü ss c — und es ist die beste — wird man aus dem dritten und vierten Bueh dieser Schrift ersehn. Was aber den Werth überhaupt betrifft, so unterscheidet die klassische politische Oekonomie nirgendwo ausdrücklich und mit klarem Bewusstsein Arbeit, die sich in Werth, von derselben Arbeit, soweit sie sich im Gebrau chswerth ihres Produkts darstellt. Sie macht natürlich den Unterschied thatsächlich , da sie die Arbeit das einemal quantitativ, das andremal qualitativ betrachtet. Aber esfällt ihr nicht ein, dass bloss q u a n t i t at i ver Un t e rs ch i e d der Arbeiten ihre qualitative Einheit oder G I ei ch h eit voraussetzt, also ihre Reduktion auf abstrakt menschliche Arbeit. Ricardo z. B. erklärt sich einverstanden mit Destutt de Tracy, wenn dieser sagt: ,,As it is certain that our physical and moralfaeulties arealoneour original riches, the employment ofthose faculties, labour of sonie kind , is our original treasure , and that it is ahvays from this employment — that all those things are created which \ve call riches ... It is certain too, that all those things only represent the labour which h a s created t h e m , and i f t h c y h a v e a v a 1 u c , o r e v e n t u o d i s - tinctvalues, they can only derive them from that (the valuc) of the labour from which they emanate." (Ricardo: ,,The Pri n ci ples of Pol. Econ. 3 ed. Lond. 1821", p. 334). Wir deuten nur an, dass Ricardo dem Destutt seinen eignen tieferen Sinn unterschiebt. Destutt sagt in der That zwar einerseits, dass alle Dinge , die den Reiehthum bilden , ,,die Arbeit reprä- senliren, die sie geschaffen hat" , aber andrerseits, dass sie ihre,, zwei ver- schiedenen Werthe" (Gebrauchswerth und Tauschwerth) vom ,, Werth der Arbeit" erhalten. Er fällt damit in die Flachheit der Vulgärökonomie, die den AV erth einer Waare (hier der Arbeit) voraussetzt, um dadurch hinterher den Werth der anderen Waaren zu bestimmen. Ricardo liest ihn so, dass sowohl im Gebrauchswerth als Tauschwerth sich Arbeit (nicht Werth der Arbeit) dar- stellt. Er selbst aber scheidet sowenig den z wi esch 1 äch tigen Charakter der Arbeit, die d oppelt dargestellt ist , dass er in dem ganzen Kapitel : ,,Value and Riches, Their Distinctive Properties" sich mühselig mit den Trivialitäten eines J. B. Say herumschlagen muss. Am Ende ist er daher auch ganz erstaunt, dass Destutt zwar mit ihm selbst über Arbeit als W e r t h q u e 1 1 c und dennoch andererseits mit Say über den Werthbegrirt' harmonire

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nicht den Produktionsprozess bemeistert , gelten ihrem bürgerlichen Be- wusstsein für eben so selbstverständliche Naturnothweudigkeit als die pro- duktive Arbeit selbst. Vorbürgerliche Formen des gesellschaftlichen Pro- duktionsorganismus werden daher von ihr behandelt, wie etwa von den Kirchenvcätern vorchristliche Religionen ^8). ^

Wie sehr ein Theil der Oekonomen von dem der Waarenwelt ankle- benden Fetischismus oder dem gegenständlichen Schein der gesell- schaftlichen Arbeitsbestimmungen getäuscht wird, beweist u. a. der langweihg abgeschmackte Zank über die R o 1 1 e d e r N a t u r in der Bil- dung des Tauschwerths. Da Tauschwerth eine bestimmte gesellschaft-

28) ,,Les economistes ont une singuliere maniere de proceder. II n'y a pour eux que deux sortes d'institiition, Celles de l'art et celles de la nature. Les institutions de la feodalite sont des institutions artificielles , celles de la bour- geoisie sont des institutions naturelles. Ils ressemblent en ceci aiix theologiens, qui eux aussi etablissent deux sortes de religion. Toute religion qui n'est pas la leur est une invention des hommes, tandis que leur propre religion est une eraana- tion de dieu. — Ainsi il y a eu de l'histoire, mais il n'y en a plus." (Karl Marx: ,,Misere de la Philosophie. Reponse a la Philosophie de la Misere par M. Proudhon. 1847", p. 113.) Wahrhaft drollig ist Herr Bastiat, der sich einbildet, die alten Griechen und Römer hätten nur von Raub gelel)t. Wenn man aber viele Jahrhunderte duich von Raub lebt , muss doch beständig etwas zu rauben da sein oder der Gegenstand des Raubes sich fortwährend reproduciren. Es scheint daher, dass auch Griechen und Römer einen Produktionsprozess hatten , also eine Oekonomie , welche ganz so die materielle Grundlage ihrer Welt bildete, wie die bürgerliche Oekonomie die der heutigen Welt. Oder meint Bastiat etwa, dass eine Produktionsweise, die auf der Sklaven- arbeit beruht, auf einem Raubsystem ruht? Er stellt sich dann auf gefahr- lichen Boden. Wenn ein Denkriese wie Aristoteles in seiner Würdigung der Sklavenarbeit irrte , warum sollte ein Zwergökonom , wüe Bastiat, in seiner Würdigung der Lohnarbeit richtig gehn? — Ich ergreife diese Gelegen- heit, um einen Einwand, der mir beim Erscheinen meiner Schrift ,,Zur Kritik der Pol. Oekonomie. 1859" von einem deutsch-amerikanischen Blatte gemacht wurde, kurz abzuweisen. Es sagte , meine Ansicht , dass die bestimmte Produk- tionsweise und die ihr jedesmal entsprechenden Produktionsverhältnisse, kurz ,,die ökonomische Struktur der Gesellschaft die reale Basis sei, worauf sich ein juristi- scher und politischer Ueberbau erhebe, und welcher bestimmte gesellschaftliche Eewusstseinsformen entsprächen", dass ,,die Produktionsweise des materiellen Lebens den socialen, politischen und geistigen Lebensprozess überhaupt bedinge", — alles diess sei zwar richtig für die heutige Welt , wo die materiellen Interessen, aber nicht für das Mittelalter, wo der Katholicismus , und für Athen und Rom, wo

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liehe Manier ist , die auf ein Ding verwandte Arbeit auszudrücken , kann «r nicht mehr Naturstotf enthalten als etwa der Wechselkurs.

Als allgemeinste und unentwickeltste Form der bürgerlichen Pro- <3uktion , welche desswegen auch schon in früheren Produktionsperioden erscheint, obgleich nicht in derselben herrschenden, also charakteristischen Weise, war die Waarenform noch relativ leicht zu durchschauen. Aber konkretere Formen, wie das Kapital z. B.? Der Fetischismus der klassischen Oekonomie wird hier handgreitiich.

Um jedoch nicht vorzugreifen , genüge hier noch ein Beispiel bezüg- lich der Waarenform selbst. Man hat gesebn , dass in der Beziehung von Waare auf Waare, z. B. von Stiefel auf Stiefelknecht, der Gebrauchswerth des Stiefelknechts , also die Nützlichkeit seiner wirklichen dinglichen Eigenschaften dem Stiefel durchaus gleichgültig ist. Nur als Erschei- nungsform ihres eignen Werths interessirt die Stiefelwaare der Stiefel- tnecht. Könnten die Waaren also sprechen , so würden sie sagen , unser Clebrauchswerth mag den Menschen interessiren. Er kömmt uns nicht als Dingen zu. Was uns aber dinglich zukömmt, ist unser Werth. Unser eigner Verkehr als Waarendinge beweist das. Wir beziehn uns nur als Tauschwerthe auf einander. Man höre nun, wie der Oekonom aus der Waarenseele heraus spricht: ,,Werth (Tauschwerth) ist Eigen- schaft der Dinge, Reichthum (Gebrauchswerth) des Menschen. Werth in diesem Sinn schiiesst nothwendig Austausch ein, Reichthum nicht 2^)."

die Politik herrschten. Zunächst ist es befremdlich, dass Jemand vorauszusetzen beliebt, diese weltbekannten Redensarten über Mittelalter und antike Welt seien irgend Jemand unbekannt geblieben. So viel ist klar, dass das Mittelalter nicht vom Katholicisnius und die antike Welt nicht von der Politik leben konnten. Die Art und Weise, wie sie ihr Leben gewannen, erklärt umgekehrt, warum dort die Politik, hier der Katholicismus ihre Rollen spielten. Es gehört übrigens wenig Bekanntschaft z. B. mit der Geschichte der römischen Republik dazu, um zu wissen , dass die Geschichte des Grundeigenthums ihre Geheimgeschichte bildet. Andererseits hat schon Don Quixote den Irrthum gebüsst , dass er die fahrende Ritterschaft mit allen ökonomischen Formen der Gesellschaft gleich verträglich wähnte.

-'•') ,,Value is a property of things, riches of man. Value , in this sense, necossarily implies exchanges, riches donot." ,,0 bser vations on so nie verbal Disputes in Pol. Econ., particularly relating to value and to offer and demand. L 0 n d. 1821", p. 16.

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,,Reichthum (Gebvauchswerth) ist ein Attribut des Menschen, Werth ei n Attribut d er Wa aren. Ein Mensch oder ein Gemeinwesen ist reich; eine Perle oder Diamant ist werth voll . . . Eine Perle oder Diamant hat Werth als Perle oder Diamant^O)." Bisher hat noch kein Chemiker Tauschwerth in Perle oder Diamant entdeckt. Unsere Verfasser, die besondern Anspruch auf kritische Tiefe machen, finden aber, dass der Gebrauchswerth der Sachen unabhängig \^ou ihren sachlichen Eigenschaften , dagegen ihr Tauschwerth ihnen als Sachen zukömmt. Was sie hierin bestätigt, ist der sonderbare Umstand , dass der Gebrauchs- werth der Dinge sich für den Menschen ohne Austausch realisirt, also im unmittelbaren Verhältniss zwischen Ding und Mensch, ihr Werth umgekehrt mn* im Austausch, d. h. in einem gesell- schaftlichen Prozess. Wer erinnert sieh hier nicht des guten Dogberry, der den Nachtwächter Seacoal belehrt: ,,Ein gut aussehender Mann zu sein, ist eine Gabe der Umstände, aber Lesen und Schreiben zu können, kömmt vö.n Natural)".

Die Waare ist unmittelbare Einheit von Gebrauchs- werth und Tauschwerth, also zweier Entgegengesetzten. Sie ist daher ein unmittelbarer Widerspruch. Dieser Widerspruch muss sich entwickeln , sobald sie nicht wie bisher analytisch bald unter dem Gesichtspunkt des Gebrauchswerths , bald unter dem Gesichtspunkt des Tauschwerths betrachtet , sondern als ein Ganzes wirklich auf andere Waaren bezogen wird. Die wirkliche Beziehung der Waaren aufein- ander ist aber ihr A u s t a u s c h p r o z e s s.

30) ,,Riches are the attributc of man , value is the attribiite of commociities. A man or a Community is rieh, a pearl or a diamond is valuable . . . A pearl or a diamond is valuable as a pearl or diamond." 6. Bailey 1. c. p. 165.

3') Der Verfasser der ,,0 b s erva t i o n s" und S. Bailey besciuildigen Ricardo, er habe den Tauschwerth aus einem nur Relativen in etwas Ab- solutes verwandelt. Umgekehrt. Er hat die Scheinrelativität, die diese Dinge, Diamant und Perlen z. B. , als Tauschwerthe besitzen, auf das hinter dem Schein verborgene wahre Verhältniss reducirt, auf ihre Relativität als blosse Ausdrücke menschlicher Arbeit. Wenn die Ricardianer dem Bailey grob , aber nicht schlagend antworteten , so nur weil sie bei Ricardo selbst keinen Aufschluss über den inneren Zusammenhang zwischen Werth und Tausch- werth fanden.

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2) Der A ust anschproz ess der Wanroii.

Die Waareii köunen nicht selbst zu Markte gtlin und sich nicht selbst austauschen. Wir müssen uns also nach ihren Hütern umsehn, den W a a r e n b e s i t z e r n. Die Waaren sind Dinge und daher widerstands- los gegen den Meuschen. Wenn sie nicht willig, kann er Gewalt brau- chen, in andern Worten sie nehmen ^^). Um diese Dinge als Waaren auf einander zu beziehn, müssen die Waarenhüter sich aufeinander als Per- sonen beziehn, deren Willen ein Dasein in jenen Dingen hat, sodass Jeder nur mit seinem Willen und dem Willen des andern , beide also nur mit ihrem gemeinschaftlichen Willen sich die fremde Waare aneignen, in- dem sie die eigne veräussern und die eigne veräussern, um sich die fremde anzueignen. Sie müssen sich daher wechselseitig als Privateigen- t h ü ra e r anerkennen. Diess R e c h t s v e r h ä 1 1 n i s s , dessen Form der Vertrag ist, ob nun legal entwickelt oder nicht, ist nur das Willens- verhältniss, worin sich das ökonomische Verhältniss wiederspiegelt. Der Inhalt dieses Rechts- oder W i 1 1 e n s v e r h ä 1 1 n i s s e s ist durch das ökonomische Verhältniss selbst gegebenes), i3ie Personen beziehn sich hier nur auf einander, indem sie gewisse dachen als Waaren auf einander beziehn. Alle Bestimmungen dieser Beziehung sind also in der

3-) Im 12. durch seine Frömmigkeit so berufenen Jahrhundert kommen unter diesen Waaren oft sehr zarte Dinge vor. So zählt ein französischer Dichter jener Zeit unter den Waaren, die sich auf dem Markt von Landit einfanden, neben Klei- dungsstoften , Schuhen, Leder, Ackergeräthen , Häuten u. s. w. auch ,,femmes feiles de leur corps" auf.

3«) Proudhon schöpft erst sein Ideal der Gerechtigkeit, der justice eternell e, aus den der Waarenproduktion entsprechenden Rechtsverhältnissen, wo- durch, nebenbei bemerkt, auch der für alle Spiessbürger so tröstliche Beweis ge- liefert wird, dass die Form der Waarenproduktion ebenso ewig ist als die Ge- rechtigkeit. Dann umgekehrt will er die wirkliche Waarenproduktion und das ihr entsprechende wirkliche Recht diesem Ideal gemäss ummodeln. Was würde man von einem Chemiker denken, der, statt die wirklichen Gesetze des Stoffwechsels zu Studiren, und auf Basis derselben bestimmte Aufgaben zu lösen, den Stoffwechsel durch die ,, ewigen Ideen" der ,,naturalite" und der ,,affiuite" ummodeln wollte? Weiss man etwa mehr über den ,, Wucher" , wenn man sagt, er widerspreche der ,, justice eternelle'" und der ,,equite etcrnelle" und der ,,mutualite eternelle" und andern verites e'ternelles" , als die Kirchenväter wussten , wenn sie sagten, er

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Bestimmung der Sache als Waare enthalten. Der eine Mensch existirt hier nur für den andern als Repräsentant von Waare und daher als Waa- re n b e s i t z e r. Wir werden überhaupt im F'ortgang der Entwicklung finden, dass die ökonomischen Charakterniasken der Personen nur die Perso- nifikationen der ökonomischen Verhältnisse sind , als deren Träger sie sich gegenübertreten.

Was den Waarenbesitzer namentlich von der Waare unterscheidet^ ist der Umstand , dass ilir der Gebrauchswerth jeder andern AVaare nur als Erscheinungsform ihres eignen Werths gilt. Geborner Leveller und Cyniker steht sie daher stets auf dem Sprung mit jeder andern Waare, sei selbe auch ausgestattet mit mehr Unannehmlichkeiten als Maritorne , nicht nur die Seele , sondern den Leib zu wechseln. Diesen der Waare man- gelnden Sinn für das Konkrete des Waarenkörp er s ergänzt der Waaren- besitzer durch seine eignen fünf und mehr Sinne. Seine Waare hat für ihn keinen unmittelbaren Gebrauchswerth. Sonst führte er sie nicht zu Markt. Sie hat Gebrauchswerth für andre. Für ihn hat sie unmittel- bar nur den Gebrauchswerth Träger von Tauschwerth und so Tausch mittel zu sein 3*). Darum will er sie veräussern für Waare, deren Gebrauchswerth ihm genüge thut. Alle Waaren sind Nicht- Gebrauch s \v e r t h e für ihre Besitzer, G e b r a u c h s w e r t h e für ihre Nicht-Besitzer. Sie müssen also allseitig die Hände wechseln. Aber dieser Händewechsel bildet ihren Austausch und ihr Aus- tausch bezieht sie als Werthe auf einander und realisirt sie als Werthe. Die Waaren müssen sich daher als Werthe r e a 1 i s i r e n , bevor s i e sich als Gebrauchs werthe realisiren können.

Andrerseits müssen sie sich als Gebrauch s wer t h e bewähren, b e V 0 r s i e s i c h a 1 s W e r t h e realisiren können. Denn die auf

widerspreche der ,,gnice eternelle" , der ,,foi eternelle", der ,, volonte eternelle de dieu"?

3-'') ,,Denn zweifach ist der Gebrauch jeden Guts. — Der eine ist dem Ding als solchem eigen, der andere nicht, wie einer Sandale zur Beschuhung zu dienen und austauschbar zu sein. Beides sind Gebrauchsw^erthe der Sandale, denn auch wer die Sandale mit dem ihm Mangelnden, z. B. der Nahrung aus- tauscht, benutzt die Sandale als Sandale. Aber nicht in ihrer natürlichen Ge- brauchsweise. Denn sie ist nicht da des Austausches wegen." (Aristoteles, de Rep. 1. 1. c. 9.)

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sie verausgabte menschliche Arbeit zählt nur, soweit sie in nützlicher Form' verausgabt und zwar nützliche Arbeit für andre ist. Ob sie andern nütz- lich, ihr Produkt daher fremde Bedürfnisse befriedigt , kann aber nur ihr Austausch beweisen.

Jeder Waarenbesitzer will seine Waare nur veräussern gegen a n d r e Waare, deren Gebrauchswerth sein Bedürfniss befriedigt. Sofern ist der Austausch für ihn nur iud i vidueller Prozess. Andrerseits will er seine Waare als Wert h realisiren , also in jeder ihm beliebigen andern Waare von d e m s e 1 b e n W e r t h , ob seine eigne Waare nun für den Besitzer der andern Waare Gebrauchswerth habe oder nicht. Sofern ist der Austausch für ihn allgemein gesellschaftlicher Prozess. Aber derselbe Prozess kann nicht gleichzeitig für alle Waarenbesitzer nur individuell und zugleich nur allgemein gesellschaftlich sein.

Sehn wir näher zu, so gilt jedem Waarenbesitzer jede fremde Waare als besondres A e q u i v a 1 e n t seiner Waare , seine Waare daher als allgemeines Aequivalent aller andern Waaren. Da aber alle Waarenbesitzer dasselbe thun , ist keine Waare allgemeines Aequi- valent und besitzen die AVaaren daher auch keine allgemeine relative Wertliform , worin sie sich als Werthe gleichsetzen und als Werth- grössen vergleichen. Sie stehn sich daher überhaupt nicht gegenüber als Waaren , sondern nur als Produkte oder Gebrauchswerthe.

In ihrer Verlegenheit denken unsre Waarenbesitzer wie Faust. Im Anfang war die T h a t. Sie haben daher schon gehandelt , bevor sie ge- dacht haben. Die Gesetze der Waarenuatur bethätigen sich im Natur- instinkt der Waarenbesitzer. Sie können ihre Waaren nur als Werthe und darum nur als Waaren auf einander beziehn, indem sie dieselben gegen- s ä t z 1 i c li auf irgend eine andre Waare als allgemeines Aequi- valent beziehn. Das ergab die Analyse der Waare. Aber nur die gesellschaftliche That kann eine bestimmte Waare zum allge- meinen Aequivalent machen. Die gesellschaftliche Action aller andern Waaren schliesst daher eine besti m m te Waare aus, worin sie allseitig ihre Werthe darstellen. Dadurch wird die Naturalform dieser 'W'aare gesellschaftlich gültige Aequivalentform. Allgemeines Aequi- valent zu sein wird durch den gesellschaftlichen Prozess zur speci- fisch gesellschaftlichen Funktion der ausgeschlossenen Waare. So wird sie — Geld. ,,Illi unum consilium habent et virtuteni

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et potestatem siiam bestiae traclunt. Et ne qiiis possit emere aiit vendere, nisi qui habet cbaracterem aut nonien bestiae, aut inimerura nominis ejus." (Apocalypse.)

Der Geldkrystall ist not h wendiges Produkt des Austauschpro- zesses der Waären. Der immanente Widerspruch der Waare als unmit- telbarer Einheit von Gebrauchswerth und Tauschwerth , als Produkt nützlicher Privatarbeit, die ein nur vereinzeltes Glied eines natur- wüchsigen Gesammtsystems der nüfzlichen Arbeiten oder der Th ei hing der Arbeit bildet, und als unmittelbar gesellschaftliche M a - teriatur abstrakter menschlicher Arbeit — dieser Wider- spruch ruht und rastet nicht, bis er sich zur Verdopplung der Waare in Waare und Geld gestaltet hat. In demselben Masse da- her, worin sich die Verwandlung der Arbeitsprodukte in W a a r e n , vollzieht sich die Verwandlung von Waare in G el d ^ä).

Der unmittelbare Produktenaustausch hat einerseits die Form des einfachen relativen Werthausdrucks und hat sie andrerseits noch nicht. Jene Form war : x Waare A = y Waare B. Die Form des un- mittelbaren Produktenaustauschs ist: x Gebrauchsgegenstand A = y Ge- brauchsgegenstand B 36). Die Dinge A und B sind hier nicht Waaren vor dem Austausch, sondern werden es erst durch denselben. Die erste Weise, worin ein Gebrauchsgegenstand der Möglichkeit nach Tauschwerth ist, ist sein Dasein als N i c h t - G e b r a u c h s w e r t h , als die unmittel- baren Bedürfnisse seines Besitzers überschiessendes Quantum von Ge- brauchswerth. Dinge sind an und für sich dem Menschen äusserlich und daher verä usser li eh. Damit diese Veräusserung wechselseitig, brauchen Menschen nur stillschweigend als Privateigenthümer jener ver-

35) Danach beurtheile man die Pfiffigkeit des kleinbürgerlichen Socialismns, der die Waarenproduktion verewigen und zugleich den ,, Gegensatz von Geld und Waare", also das Gold selbst, denn es ist nur in diesem Gegensatze, ab- schaffen will. Ebensowohl könnte man den Papst abschaffen, und den Katho- licismus bestehn lassen. Das Nähere hierüber sieh in meiner Schrift: ,,Zur Kritik der Pol. Oekonomie" p. 61 sq.

36) So lange noch nicht zwei verschiedene Gebrauchsgegenstände aus- getauscht, sondern, wie wir das bei Wilden oft finden, eine chaotische Masse von Dingen als Aequivalent für ein Drittes angeboten wird, steht der unmittelbare Pro- duktenaustausch selbst erst in seiner Vorhalle.

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äusserlicLen Dinge und eben dadurch als von einander unabhängige Per- sonen einander gegenübertreten. Solch ein Verhältniss wechselseitiger Fremdheit existirt jedoch nicht für die Glieder eines naturwüchsigen Ge- meinwesens, habe es nun die Form einer patriarchalischen Familie, einer altindischen Gemeinde, eines Inkastaates u. s. w. Der Waarenaustausch beginnt, wo die Gemeinwesen enden , an den Punkten ihres Contakts mit fremden Gemeinwesen oder Gliedern fiemder Gemeinwesen. Sobald Dinge aber einmal im auswärtigen, werden sie auch rückschlagend im Innern Ge- nieinleben zu Waaren. Ihr quantitatives Austa u seh verhält- niss ist zunächst ganz zufällig. Austauschbar sind sie durch den Willensakt ihrer Besitzer sie wechselseitig zu veräussern. Sie erhal- ten daher die F o r m Austauschbarer , bevor sie als W e r t h e entwickelt sind. Indess setzt sich das Bedürfniss für fremde Gebrauchsgegenstände allmälig fest. Die beständige Wiederholung des Austauschs macht ihn zu einem regelmässigen gesellschaftlichen Prozess. Im Laufe der Zeit muss daher wenigstens ein Theil der Arbeitsprodukte absichtlich zum Behuf des Austauschs producirt werden. Von diesem Augenblick befestigt sich einerseits die Scheidung zwischen der Nützlichkeit der Dinge für den un- mittelbaren Bedarf und ihrer Nützlichkeit zum Austausch. Ihr Gebrauchs- werth scheidet sich von ihrem Tauschwerthe. Andrerseits wird das quan- titative Verhältniss, worin sie sich austauschen, von ihrer Produktion selbst abhängig. Die Gewohnheit fixirt sie als Werthgrössen.

Im unmittelbaren Produktenaustausch ist Jede Waai-e unmittelbar Tauschmittel für ihren Besitzer, Aequivalent für ihren Nichtbesitzer, jedoch nur so weit sie Gebrauchswerth für ihn. Der Tauschartikel erhält also noch keine von seinem eignen Gebrauchswerth oder dem individuellen Bedih-fniss der Austauscher unabhängige Werthform. Die Nothwendig- keit dieser Form entwickelt sich mit der wachsenden Anzahl und Mannig- faltigkeit der in den Austauschprozess eintretenden Waaren. Die Aufgabe entspringt gleichzeitig mit den Mitteln ihrer Lösung. Ein Verkehr , wel- cher die Waarenbesitzer treibt, ihre eigenen Artikel mit verschiedenen andern Artikeln auszutauschen und daher zu vergleichen , findet niemals statt, ohne dass verschiedene Waaren von verschiedenen Waarenbesitzern innerhalb ihres Verkehrs mit einer und derselben dritten Waare n- art ausgetauscht und als Werthe verglichen werden . Solche dritte Waare, indem sie Aequivalent für v ers ch i e d en e andere Waaren wird, erhält

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unmittelbar , wenn auch in engen Grenzen , allgemeine oder gesellschaft- liche Aequivalentform. Diese allgemeine Aequivalentform entsteht und ver- geht mit dem augenblicklichen gesellschaftlichen Contakt, der sie ins Leben rief. Abwechselnd und flüchtig kommt sie dieser und jener Waare zu. Mit der Entwicklung des Waarenaustauschs heftet sie sich aber aus- schliesslich fest an besondere Waarenarten , oder krystallisirt zur Geldform. An welcher Waarenart sie kleben bleibt, ist zunächst zu- fällig. Jedoch entscheiden im Grossen und Ganzen zwei Umstände. Die G e 1 d f 0 r m heftet sich entweder an die wichtigsten E i n t a u s c h a r t i k e 1 aus der Fremde, welche in der That naturwüchsige Erscheinungsfor- men des Tauschwerths der einheimischen Produkte sind. Oder an den Gebrauchsgegenstand, welcher das Hauptelement des einheimischen vor- an s s e r 1 i c h e n Besitzthums bildet , wie Vieh z. B. Nomadenvölker ent- wickeln zuerst die Geldform, weil all ihr Hab und Gut sich in beweg- licher, daher unmittelbar veräusserliclier Form befindet, und weil ihre Lebensweise sie beständig mit fremden Gemeinwesen in Contakt bringt, daher zum Produktenaustausch sollicitirt. Die Menschen haben oft den Menschen selbst in der Gestalt des Sklaven zum ursprünglichen Geldmate- rial gemacht , aber niemals den Grund und Boden. Solche Idee konnte nur in bereits ausgebildeter bürgerlicher Gesellschaft aufkommen. Sie datirt vom letzten Drittheil des 17. Jahrhunderts und ihre Ausfüh- rung, auf nationalem Massstab, wurde erst ein Jahrhundert später in der bürgerlichen Revolution der Franzosen versucht.

In demselben Verhältniss, worin der Waarenaustausch seine nur lokalen Bande sprengt, der Waarenwerth sich daher zur Materiatur menschlicher Arbeit überhaupt ausweitet , geht die Geldform auf Waaren über, die von Natur zur gesellschaftlichen Funktion eines all- gemeinen Aequivalents taugen, auf die edlen Metalle.

Dassnun, „obgleich Gold und Silber nicht von Natur Geld, Geld von Natur Gold und Silber ist" 37) , zeigt die Congruenz ihrer Natur- eigenschaften mit seinen Funktionen ^^). Bisher kennen wir aber nur

37) Karl Marx 1. c. p. 135. ,,I metalli .... naturalmente mo- neta. " (Galiani: ,,Della Moneta" in Custodi's Sammlung Parte Moderna, t. III, p. 72.)

•'"*) Das Nähere darüber in meiner eiien citirten Schrift, Abschnitt: ,,Die edlen Metalle ".

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die eine Funktion des Geldes, als Ersclieimingsfonn des Waaren w e r t h s zu dienen oder als das Material, worin die Wertligrössen der Waaren sich gesellschaftlich ausdrücken. Ad.äquate Erscheinungsfoim von Werth oder ]\[at('riatur abstrakter und daher gleicher menschlicher Arbeit kann nur eine Materie sein, deren säumitliche Exemplare dieselbe gleichförmige Qualität besitzen. Andrerseits, da der Unterschied der Wertligrössen rein quantitativ ist, verschicdne Quanta geronnener Arbeitszeit aus- drückt, muss die Geldwaare rein quantitativer Unterschiede fähig, also nach Willkülir theilbar und aus ihren Theilen wieder zusammensetzbar sein, Gold und Silber besitzen aber diese Eigenschaften von Natur.

Der G e b r a u c h 8 w e r t h der Geldwaare verdoppelt sich. Neben ihrem besondern Gebrauchswerth als Waare, wie Gold z. B. zum Aus- stopfen hohler Zähne, Rohmaterial von Luxusartikeln u. s. w, dient, er- halt sie einen formalen Gebrauchswerth, der aus ihren specifischen gesell- schaftlichen Funktionen entspringt.

Da alle andern Waaren nur besondere Aequivalente des Geldes, das Geld ihr allgemeines Aequivalent, verhalten sie sich als besondre W a a r e u zum Geld als der allgemeinen Waare ^9).

Man hat gesehn, dass die Geld form nur der an einer Waare fest- haftende Reflex der Beziehungen aller andern Waaren. Dass Geld Waare ist**^), ist also nur eine Entdeckung für den, der von seiner fer- tigen Gestalt ausgeht, um sie hinterher zu analj'sii'en. Der Austausch- prozess giebt der Waare, die er in Geld verwandelt, nicht ihren Werth,

"^) ,,I1 danaro e la merce uni versal e.-- (Vervi 1. c. p. 16.) *o) „Silver and gold themselves , which \ve may call hy the geueral name of Bullion, are . . . conimodities . . . raising and fallingin . . value . . . Bullion then may be reckoned to be of higher value , where the smaller weight will pur- chase the greater quantity of the product or manufacture of the country etc." (,,A Discourse of the General Notions of Money, Trade, and Exchange, as they stand in relations to eachother. By a Mer- chant. Lond. 1695", p. 7.) ,,Silver and gold , coioed or uncoined , tho' they are used for a raeasure of all other things, are no less a coinmodity than wine, oyl, tobacco, cloth or stuft's." (,,A Discourse concerning Trade, and that in particularof theEast-Indies etc., London 1689", p. 2.) ,,The stock and riches of the kingdom caiinot properly be confined to money, nor ought gold and silver to be excluded froni being mer chan di z e. " (,,The East India Trade a most Profitable Trade. London 1677", p. 4.)

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sondern ihre spezifische Werthform. Die Verwechslung beider Bestim- mungen verleitete dazu , den Werth von Gold und Silber für imaginär zu halten^'). Weil Geld in bestimmten Funktionen durch blosse Zeichen seiner selbst ersetzt werden kann , entsprang der andere Irrthum , es sei ein blosses Zeichen. Andrerseits lag darin die Ahnung, dass die Geld- form des Dings ihm selbst äusserlich und blosse Erscheinungsform dahinter versteckter menschlicher Verhältnisse. In diesem Sinn wäre jede Waare ein Zeichen , weil als Werth nur sachliche Hülle der auf sie verausgabten menschlichen Arbeit*-). Indem man aber die gesellschaft-

•»') ,,L'oro e l'argento hanno valore come metalli anteriori all' essere mo- neta." (Galiani 1. c.) Locke sagt: ,,Die allgemeine Uebereinstimmung der Menschen legte dem Silber, wegen seiner Qualitäten , die es zum Geld ge- eignet machten, einen imaginären Werth bei." Dagegen Law: ,,Wie könnten verschiedene Nationen irgend einer Sache einen imaginären Werth geben . . . oder wie hätte sich dieser imaginäre Werth erhalten können?" Wie wenig er selbst aber von der Sache verstand : ,,Das Silber tauschte sich aus nach dem Gebrauchs werth, den es hatte, also nach seinem wirklichen Werth; durch seine Bestimmung als Geld erhielt es einen zuschüssigen Werth (une valeur additionnelle)." (Jean Law: ,,Considerations sur lenume- raire et le commerce" in E. Daire's Edit. der ,,Ec o n onid stes Financi ers du XVIII. siecle" p. 470.)

*2) ,,L'argent en (des denrees) est le signe." (V. de Forbonnais: ,, Elements du Commerce. Nouv. Edit. Leyde 1766", t. II, ]>. 143.) ,,Comme signe il est attire par les denrees." (1. c. p. 155.) ,,L'argent est un signe d'une chose et la represente." (Montesquieu: ,, Esprit des Lois". Oeuvres Lond. 1767, t. II, p. 2.) ,,L'argent n'est pas simple signe, car il est lui-meme richesse ; il ne represente pas les valeurs, il les equivaut." (Le Trosne 1. c. p. 910.) ,, Betrachtet man den Begriff" des Werths, so wird die Sache selbst nur als ein Zeichen angesehn und sie gilt nicht als sie selber, sondern als was sie werth ist." (Hegel 1. c. p. 100.) Lange vor den Oekonomen brachten die Juristen die Vorstellung von Geld als blossem Zeichen und dem nur imaginären Werth der edlen Metalle in Schwung, im Sykophantendienst der königlichen Gewalt, deren Münzverfälschungsrecht sie das ganze Mittelalter hindurch auf die Traditionen des römischen Kaiserreichs und die Geldbegriffe der Pandekten stützten. ,,Qu'aucun puisse ni doive faire deute", sagt ihr gelehriger Schüler, Philipp von Valois , in einem Dekret von 1346 , ,,que ä nous et a notre majeste royale n'appartienne seulement . . . le mestier, le fait, l'etat, la Provision et toute l'ordonnance des monnaies , de donner tel cours , et pour tel prix comme il nous plait et bon nous semble." Es war römisclies Rechtsdogma, dass der Kaiser den Geldwerth dekretirt. Es

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liehen Charaktere, welche Sachen oder die sachlichen Charaktere, welche gesellschaftliche Bestimmungen der Arbeit auf Grundlage einer bestimmten Produktionsweise erhalten , für blosse Zeichen , erklart man sie zugleich für willkührliches Reflexionsprodukt der Menschen. Es war diess beliebte Aufklärungsmanier des 18. Jahrhunderts, um den räth- selhaften Gestalten menschlicher Verhältnisse, deren Entstehungsprozess es noch nicht entziffern konnte, vorläufig wenigstens den Schein der Fremd- heit abzustreifen.

Es ward vorhin bemerkt, dass die Aequivalentform einer Waare die quantitative Bestimmung ihrer Werthg r ö s s e nicht einschliesst. Weiss man , dass Gold Geld , daher mit allen andern Waaren unmittelbar austauschbar ist, so weiss mau desswegen nicht, wie viel z. B. 10 Pfund Gold werth sind. AYie jede Waare kann das Geld seine eigne Werth- grösse nur relativ in andern Waaren ausdrücken. Sein eigner Werth ist bestimmt durch die zu seiner Produktion erheischte Arbeitszeit und drückt sich in dem Quantum jeder andern Waare aus, worin gleichviel Arbeitszeit geronnen ist*-^). Diese Festsetzung seiner relativen Werth- grösse findet statt an seiner Produktionsquelle in unmittelbarem Tausch- handel. Sobald es als Geld in den Austauschprozess eintritt, ist sein Werth bereits gegeben. Wenn es schon in den letzten Decennien des 17. Jahrhunderts weit überschrittener Anfang der Geldanalyse, zu wissen, dass Geld W a a r e ist , so aber auch nur der Anfang. Die Schwierigkeit

war ausdrücklich verboten, das Geld als Waare zu behandeln. ,,Peounias vero nulli emere fas erit, nam in usu publico constitutas oportet non esse mercem." Gute Auseinandersetzung hierüber von G. F. Pagnini: ,,Saggio sopra il giusto pregiodellecose. 1751", bei Custodi Parte Moderna, t. II. Namentlich im zweiten Theil der Schrift polemisirt Pagnini gegen die Herren Juristen.

*3) ,,If a man can bring to London an ounce of silver out of the earth in Peru, in the same time that he can producc a busbel of corn , then one is the natural price of the other ; now if by reason of new and more easier mines a man can procure two ounces of silver as easily as he formerly didone, the corn will be as cheap at 10 Shillings the bushel , as it was before at 5 Shillings, caeteris paribus.'" William Petty: ,,A Treatise on Taxes and Contri- butions. Lond. 1667", p. 31.

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liegt nicht dariu zu begreifen, dass Geld Waare, sondern wie, warum, wo- durch Waare Geld ist ^*).

Wir sahen , wie schon in dem einfachsten Ausdrucli des Tausch- werths : x Waare A = y Waare B , das Ding , w o r i n die Werthgrösse eines andern Dings dargestellt wird, seine Aequivalentform unabhängig von dieser Beziehung als gesellschaftliche Natureigeuschaft zu besitzen scheint. Wir verfolgten die Befestigung dieses falschen Scheins. Er ist vollendet, sobald die allgemeine Aequivalentform mit der Naturalforra einer besondern Waarenart verwachsen oder zur Geldfoi'm krystallisirt ist. Eine Waare scheint nicht erst Geld zu werden , weil die andern Waaren allseitig ihre Werthe in ihr darstellen , sondern sie scheinen umgekehrt all- gemein ihre Werthe in ihr darzustellen, weil sie Geld ist. Die vermit- telnde Bewegung verschwindet in ihrem eignen Resultat und lässt keine Spur zurück. Ohne ihr Zuthun finden die Waaren ihre eigne Werthge- stalt fertig vor als einen ausser und neben ihnen existirendeu Waaren- körper. Diese Dinge, Gold und Silber, wie sie aus den Eingeweiden der Erde herauskommen , sind zugleich die unmittelbare Incarnation aller menschlichen Arbeit. Daher die Magie des Geldes. Das bloss atorai- stische Verhalten der Menschen in ihrem gesellschaftlichen Produk- tionsprozess und daher die von ihrer Controle und ihrem bewussten indi- viduellen Thun unabhängige , sachliche Gestalt ihrer eignen Produk-

■5*) Nachdena Herr Professor Koscher uns belehrt: ,,Die falschen Definitionen von Geld lassen sich in zwei Hauptgruppen theilen : solche, die es für m ehr, und solche , die es für w e n i g e r halten als eine Waare," folgt ein kunterbunter Katalog von Scliriften über das Geldwesen , wodurch auch nicht die entfernteste Einsicht in die wirkliche Geschichte der Theorie durch- schimmert, und dann die Moral: ,,Zu leugnen ist übrigens nicht, dass die meisten neueren Nationalökonomen die Eigenthümlichkeiten , welche das Geld von andern Waaren unterscheiden (also doch mehr oder weniger als Waare?) nicht genug im Auge behalten haben ... Insofern ist die halbmercantilistische Reaktion von Ganilh etc. nicht ganz unbegründet." (Wilhelm Röscher: ,,Die Grundlagen der Nationalökonomie. 3. Aufl. 18.58", p. 207 — 10.) Mehr — weniger — nicht genug — insofern — nicht ganz! Welche Begriffsbestimmungen I Und dergleichen eklektische Pro- fessoralfaselei tauft Herr Röscher bescheiden ,,die anatomisch -physiologische Me- thode" der politischen Oekonomie! Eine Entdeckung ist ihm jedoch geschuldet, nämlich, dass Geld ,,eine angenehme Waare-' ist.

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tionsverl)äItnisse erscheinen zunächst darin, duss ihre Arbeitsprodukte all- gemein die Waarenform annehmen. DasRäthsel des Geld- fetischs ist daher nur das sichtbar gewordne, die Augen blendende R ä t h s e 1 des W a a r e n f e t i s c h s s e 1 b s t.

3) Das Geld oder die Waarencirculatiou.

A, Mass der Wert he.

Ich setze überall in dieser Schrift, der Vereinfachung halber, Gold als die Geldvvaare voraus.

Dadurch dass sich die Waaren in Gold ihren allgemeinen relativen Werthausdruck geben , funktionirt das Gold ihnen gegenüber als Mass der Wert he. Die Waaren werden nicht durch das Geld comraensurabel. Umgekehrt. Weil alle Waaren als Werthe vergegenständ- lichte menschliche Arbeit, daher an und für sich comraensurabel sind, können sie sich alle in irgend einer dritten Waare messen und diese dadurch in ihr gemeinschaftliches Werthmass oder Geld verwandeln. Geld als Werthmass ist aber noth wendige Erscheinungsform des immanenten Werthmasses der Waaren , der Arbeitszeit *^).

Der einfache relative Werthausdruck der Waaren in Geld — X AN'aare A = y Geldwaare — ist ihr Preis. In ihren Prei- sen erscheinen die W^aaren erstens als Werthe, qualitativ Gleiche,

^•5) Die Frage, warum das Geld nicht unmittelbar die Arbeitszeit selbst repräsentirt , so dass z. B. eine Papiernote x Arbeitsstunden vorstellte, kömmt ganz einfach auf die Frage heraus, -narum auf Grundlage der Waarenpro- duktion die Arbeitsprodukte sich als Waaren darstellen müssen , denn die Dar- stellung der Waare schliesst ihre Verdopplung in Waare und Geldwaare ein. Oder warum Privatarbeit nicht als unmittelbar gesellschaftliche Arbeit , als ihr Gegentheil , behandelt werden kann. Ich habe den seichten Utopismus eines ,, Arbeitsgelds" auf Grundlage der Waarenproduktion anderswo ausführlicher er- örtert. (1. c. p. 61 sqq.) Hier sei noch bemerkt, dass z. B. das Owensche ,, Arbeitsgeld" ebensowenig ,,Geld" ist, wie etwa eine Theatermarke. Owen setzt unmittelbar vergesellschaftete Arbeit voraus, eine der Waaren- produktion diametral entgegengesetzte Produktionsform. Das Arbeitscertifikat kon- statirt nur den individuellen Antheil des Producenten an der Gemeinarbeit und seinen individuellen Anspruch auf den zur Konsumtion bestimmten Theil des Oemeinprodukts. Aber es fällt Owen nicht ein, die Waarenproduktion einer- seits vorauszusetzen und dennoch andrerseits ihre nothwendigen Bedingungen durch Geldpfuschereien umgehu zu wollen.

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Materiatur derselben Arbeit oder dieselbe Mater iatur der Arbeit, Gold, zweitens als quantitativ bestimmte W e r t h g r ö s - s e n , denn in der Proportion , worin sie gleich bestimmten Goldquanta, sind sie einander gleich oder stellen gleiche Arbeitsquanta vor. Andrer- seits wird der entfaltete relative W e r t h a u s d r n c k oder die end- lose Reihe relativer Werthausdrücke zur spezifisch relativen W e r t h f o r m der G e 1 d w a a r e. Diese Reihe ist aber jetzt schon ge- geben in den Waarenpreisen. Man lese die Quotationen eines Preiscou- rants rückwärts und man findet die Werthgrösse des Geldes in allen mög- lichen Waaren dargestellt. Die Reihe hat auch neuen Sinn erhalten. Das Gold, weil Geld , besitzt bereits in seiner Naturalforra die allgemeine Aequivalentform oder die Form allgemeiner unmittelbarer Austauschbar- keit unabh.ängig von seinen relativen Werthausdrücken. Ihre Reihe stellt jetzt daher zugleich, ausser seiner Werthgrösse, die entfaltete Welt des stofflichen Reichthums oder der Gebrauchswerthe vor, worin es un- mittelbar umsetzbar ist. Geld hat dagegen keinen Preis. Um an dieser einheitlichen relativen AVerthform der andern Waaren theilzu- nehmen , mttsste es auf sich selbst als sein eignes Aequivalent bezogen werden.

Für die Bewegung der Waaren preise gelten die früher gegebnen Gesetze des einfachen relativen Werthausdrucks. Die Waaren preise können nur allgemein steigen, bei gleichbleibendem Geld wer th, wenn die Waaren w e r t h e steigen, bei gleichbleibenden Waaren w e r t h e n , wenn der Geld werth fällt. Umgekehrt. Die Waarenp reise können nur allge- mein fallen , bei gleichbleibendem Geldwerth , wenn die Waaren w e r t h e fallen, bei gleichbleibenden Waarenwerthen , wenn der Geldwerth steigt. Es folgt daher keineswegs, dass steigender Geldwerth proportiouelles Sin- ken der Waarenpreise und fallender Geldwerth proportioneltes Steigen der Waarenpreise bedingt. Diess gilt nur für Waaren von unverändertem Werth, Solche Waaren z. B., deren Werth gleichmässig und gleichzeitig steigt mit dem Geldwerth, behalten dieselben Preise. Steigt ihr Werth langsamer oder rascher als der Geldwerth, so wird der Fall oder das Stei- gen ihrer Preise beschränkt durch die Differenz zwischen ihrer Werthbewegung und der des Geldes u. s. w.

Die preisbestimmte Waare hat doppelte Form , reelle und vorgestellte oder ideelle. Ihre wirkliche Gestalt ist die eines Ge-

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brauchsgegenstandes , eines Produkts konkreter nützlicher Ar- beit, z. B. Eisen. Ihre Werthgestalt, ihre Erscheinungsform als Mate- r i a t u r eines bestimmten Quantums gleichartiger menschlicher Arbeit, istihr Preis, ein Quantum Go Id. Aber Gold ist vom Eisen ver- seil iednes Ding und in seinem Preise bezieht das Eisen sich selbst auf Gold als ein andres Ding, das jedoch ihm Werth -Gleiches ist. Der Preis oder die Geldform der Waare existirt nur in dieser gleichsetzen- den Beziehung, also so zu sagen nur in ihrem Kopfe, und ihr Besitzer muss seine Zunge in ihren Kopf stecken oder ihr Papierzettel anhängen, um ihren Preis für die Aiissenwelt vorzustellen'*^). Die Form ihres Werths ist daher vorgestellte , ideelle Geldform im Unterschied zur hand- greiflich reellen Körperform ihres Gebrauchswerths. Da die Waaren so ihre Werthe nur ideell im Geld ausdrücken , drücken sie dieselben auch in nur vorgestelltem oder ideellem Geld aus. Mass der Werthe ist das Geld daher nur als vorgestelltes ideelles Geld. Jeder Waaren- besitzer weiss, dass er kein wirkliches Gold verbraucht , wenn er Waaren in Gold schätzt oder dem Waaren werth die Form des Waaren p r e i s e s giebt. Obgleich nun das Geld als Werthmass nur ideell funktionirt, hängt der Preis dennoch ganz vom reellen G e 1 d m a t e r i a 1 ab. Denn eine Waare, eine Tonne Eisen z. B., wird in ihrem Preise als Materiatur eines bestimmten Quantums Arbeit auf bestimmtes Quantum Geldmaterial als Materiatur desselben Quantums Arbeit bezogen, aber dasselbe Quantum Arbeit materialisirt sich in ganz verschiednen Quanta Gold , Sil-

*<^) Der Wilde oder Halbwilde braucht die Zunge anders. Kapitain Parry bemerkt z. B. von den Bewohnern an der Westküste der Baftinsbav : „In this case (beim Produktenaustausch) .... they licked it (the thing re- presented to theni) twice to their tongues after which they seemed to consider the bargain satisfactorily concluded." Ebenso beleckte bei den östlichen Eskimos der Eintauscher jedesmal den Artikel beim Empfang desselben. Wenn die Zunge so im Norden als Organ der Aneignung, ist es kein Wunder, dass der Bauch im Süden als Organ des accumulirten Eigenthums gilt und der Kaffer den Reich- thum eines Mannes nach seinem Fettwanst schätzt. Die Kaffern sind grund- gescheute Kerle, denn während der britische ,,B o a rd of Health" in seinem Bericht von 1864 den Mangel eines grossen Theils der Arbeiterklasse an fettbil- denden Substanzen beklagt, machte ein Dr. Harvey, der jedoch nicht die Blut- circulation erfunden hat, in demselben Jahre sein Glück durch Puff-Rccepte, die der Bourgeoisie und Aristokratie Fettüberflusscslast abzutreiben versprachen

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hev oder Kupfer. Der Wertli einer Tonne Eisen erhält also ganz ver- scliiedne Preisausdrücke, je nachdem Gold , Silber oder Kupfer als Werth- raass funktionirt.

Die preisbestimmten Waaren- stellen sich alle dar in der Form: a Waare A = x Gold ; b Waare B = z Gold, c Waare C = y Gold u. s. w., wo a, b, c bestimmte Masse der Waarenarten A, B, C, x, z, y be- stimmte Masse des Goldes. Die Tf'aaren w e r t h e sind daher ver- wandelt in vorgestellte Goldquanta von verschieduer Grösse, also, trotz der wirren Buntheit der Waarenkörper, in gleichnamige Grössen, Gold grossen. Verschiedne Goldquanta, weil gleichnamige Grössen, vergleichen und messen sich unter einander, indem sie auf ein f i X i ]• t e s Quantum Gold als ihre Masseinheit bezogen werden. Diese Masseinheit selbst wird durch weitere Eintheilung in aliquote Theile zum M a s s s t a b fortentwickelt. Solche Massstäbe besassen Gold, Silber, Kupfer bereits in ihren M e t a 1 1 g e w i c h t e n , bevor sie Geld wurden. Ihr vor- gefundener metallischer Gewichtmassstab dient daher ursprünglich auch stets in ihrer Geldfunktion.

Die Geldnamen der Metallgewichte trennen sich jedoch nach und nach von ihren ursprünglichen Gewi cht namen aus verschiedenen Gründen, vlnrunter historisch entscheidend: 1) Einführung fremden Geldes bei minder entwickelten Völkern, wie z. B. im alten Rom Silber- uiid Goldmünzen zuerst als ausländische Waaren circulirten. Die Namen <]ieses fremden Gelds sind von den einheimischen Gewichtnaraen verschie- den. 2) Mit der Entwicklung des Reichthums wird das minder edleMetal! durch das edlere aus der Funktion des Werthmasses verdrängt. Kupfer durch Silber, Silber durch Gold , so sehr diese Reihenfolge aller poetischen Chronologie widersprechen mag*^^). Pfund war nun z. B. Geldname für ein wirkliches Pfund Silber. Sobald Gold das Silber als Werthmass verdrängt, hängt sich derselbe Name vielleicht an \ i- u. s. w. Pfund Gold , je nach dem Werthverhältniss von Gold und Silber. Pfund als Geldname und als gewöhnlicher Gewichtname des Goldes sind jetzt ge- trennt. 3) Die Jahrhunderte lang fortgesetzte Geldfälschun g der Fürsten, welche vom ursprünglichen Gewicht der Geklmünzen in der That nur den Namen zurückliess.

*"') Sie ist übrigens auch nicht von allgemein historischer Gültigkeit.

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Diese historisciien Prozesse machen die Trennung des Geldnamens -der Metallgewiclite von ihrem gewöhnlichen Gowichtnamen zur Volksge- wohuheit. Bei definitiver Reglung des Geldmassstabs, die einerseits rein conventioneil ist, andrerseits gesetzlicher Allgemeinheit und Zwangsgültig- keit bedarf , verstelltes sich zuletzt von selbst, dass die Staatsautorität einen bestimmten Gewichttheil des edlen Metalls, z. B. eine Unze Gold, als Gewichteinheit fixirt und diese abtheilt in aliquote Theile, denen sie belie- bige legale Taufnamen beilegt , wie Pfund , Thaler u. s. w. Solcher ali- quote Theil, der dann als die eigentliche Masseinheit des Geldes gilt, wird weiter getheilt und nntergetheilt in andre aliquote Theile, die ihrerseits gesetzliche Taufnamen eihalten , wie Shilling , Penuy u. s. w. Nach wie vor bleiben bestimmte Metallgewichte Massstab des Metallgelds. Was sich geändert, ist Eintheilnng und Namengebung.

Die Waaren verwandeln Gold in das Mass der Werthe, indem sie allseitig ihre Werthe in ihm ausdrücken. So erhalten ihre Werth- grössen die Form der Preise oder vorgestellter G o 1 d q u a n t a. Diese Verwandlung von Werth in Preis einmal vollbracht, wird es tech- nisch noth wendig , das Mass der Werthe weiter zu bestimmen zum M a s s s t a b der Preise. Beide Funktionen sind durchaus verschieden. Als Massstab der Preise kann und muss ein bestimmtes Quantum Gold f ixi rt werden , grade wie der Massstab andrer gleichnamiger Grössen. Der Werth Wechsel des Goldes ändert nichts am Werthverhältniss sei- ner verschiednen Gewichttheile unter einander und die gesetzlich fixirteu Taufnamen dieser Theile ändern nichts an ihrem Gewicht. Der Massstab der Preise misst aber nur verschiedne Quanta Gold an einem fixirten Gold- quantum , nicht den W e r t h eines Goldquantums durch das Gewicht 'des andern.

Der Werth wechse 1 des Goldes verhindert auch nicht seine Funk- tion als Werthmass. Er trifft alle Waaren gleichzeitig, lässt also, caeteris paribus , ihre wechselseitigen relativen Werthe u n v e r ä n d e r t , obgleich sie sich nun alle in höheren oder niedrigeren Goldpreisen als zu- vor ausdrücken.

Die Waaren stellen ihre NYerthe jetzt nicht nur gleichnamig als Gold, sondern in denselben gesellschaftlich gültigen Rechennamen des Goldmassstabs, wie Pfd.St. s. d. u. s. w., dar. Das Geld dient alsRechen - geld, so oft es gilt eine Sache als Werth und daher in Geldform zu fixiren.

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Der Name einer Sache ist ihrer Natur ganz äusserlich und da- her erlischt auch ihre Begriffsbestimmung in ihm. Ich weiss nichts vom Menschen, wenn ich weiss, dass ein Mensch Jakobus heisst. Ebenso ver- schwindet in den G e 1 d n a m e n Pfund, Thaler, Frank , Dukat u. s. w. jede Spur des Werthverhältnisses. Die Wirre über den Geheimsinn dieser kabbalistischen Zeichen ist um so grösser als die Geldnamen zugleich den Werth der Waaren und aliquote Theile eines Goldgewichts, des Geldmassstabs, und das eine nur darstellen, weil das andre *'^). Andrerseits ist es nothwendig, dass der Wertli im Unterschied von den bunten Körpern der Waaren sich zu dieser begriffslos sachlichen , aber auch einfach gesellschaftlichen Form fortentwickle.

Der Preis ist der G e 1 d n a ra e der in der Waare vergegenständlich- ten Arbeitszeit. Die A e q u i v a 1 e n z der Waare und des Geldqnantums, dem ihr Preis sie gleichsetzt, ist daher eine Tautologie*^), wie ja überhaupt der relative Wert h au sd ruck einer Waare stets der Ausdruck der Aequivalenz zweier Waaren ist. Wenn aber der Preis als Exponent der Werthgrösse der Waare Exponent ihres Austausch- verhältnisses mit Geld ist, so folgt nicht umgekehrt, dass der Exponent ihres Austauschverhältnisses mit Geld nothwendig der Expo- nent ihrer Werthgrösse ist. Gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit

^") Vgl. ,,Theorieen von der Masseinheit des Geldes" in ,,Zur Kritik der pol. Oekon. etc.", p. 53 sqq. Die Phantasien über Erhöhung oder Erniedrigung des ,,Münzpr ei s es" , die darin besteht , die gesetzlichen Geld- namen für gesetzlich tixirte Gewichttheile Gold oder Silber auf grössere oder kleinere Gewichttheile von Staatswegen zu übertragen und demgemäss auch etwa ',4 Unze Gold statt in 20 künftig in 40 sh. zu prägen — diese Phantasien, soweit sie nicht ungeschickte Finanzoperationen gegen Staats- und Privatgläubiger, son- dern ökonomische ,, Wunderkuren" bezwecken , hat Petty so erschöpfend be- handelt in ,,Qu an tnl um cu m que concerning Money. To the L'ord Marquis of Halifax. 1682", dass schon seine unmittelbaren Nachfolger, Sir Dudley North und John Locke, von Späteren gar nicht zu reden, ihn nur verflachen konnten. ,,If the wealth of a nation" , sagt er u. A. , ,,could be decupled by a Proclamation , it were stränge that such proclamations have not long since been made by our Governors." (1. c. p. 36.)

''^) ,,0u bien , il faut consentir ä dire qu'une valeur d'un million en argent vaut plus qu'une valeur egale en marchandises." (L e T.rosne 1. c. p. 922), also ,, qu'une valeur vaut plus qu'une valeur egale."

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von gleicher Grösse stelle sich in 1 Quarter Weizen und in 2 Pfd. St. (ungefähr i/o Unze Gold) dar. Die 2 Pfd. St. sind Geldausdrücke der Werthgrösse des Quarter Weizen , oder sein Preis. Erlauben nnn die Umstände, ihn zu 3 Pfd. St., oder zwingen sie ihn zu 1 Pfd. St. zu uotiren, so sind 1 Pfd. St. und 3 Pfd. St. als Ausdrücke der Werthgrösse des Weizens zu klein oder zu gross, aber sie sind dennoch Preise desselben, denn erstens sind sie seine Wer th form, Geld, und zweitens Expouente seines Austauschverhältnisses mit Geld. Bei gleichbleibenden Produktions- bedingungen oder gleichbleibender Produktivkraft der Arbeit muss nach wie vor zur Reproduktion des Quarter Weizen gleich viel gesell- schaftliche Arbeitszeit veiausgabt werden . Dieser Umstand hängt weder vom Willen des Weizenproduzenten noch der andern Waa- renbesitzer ab. Die Werthgrösse der Waare drückt also ein noth wen- diges, ihrem IJildungsprozess immanentes Verhältniss zur gesell- schaftlichen Arbeitszeit aus. Mit der Verwandlung der Werthgrösse in Preis erscheint diess nothwendige Verhältniss als Austauschverhältniss der ^^'aare mit einer andern aus.ser ihr existirenden Waare. Diese Form kann aber ebensowohl die Werthgrösse der Waare als das zufällige Ver- hältniss ausdrücken , worin sie unter gegebnen Umständen veräusserlich ist. Die Möglichkeit quantitativer I n c o n g r u e n z zwischen Preis und Werthgrösse, oder der Abweichung des Pi'eises von der Werth- grösse, ist also in der Preisform selbst gegeben. Es ist diess kein Mangel dieser Form, sondern macht sie umgekehrt zur adäquaten Form einer Produktionsweise , worin sich die Regel nur als blindwirkendes Durchschnittsgesetz der Regellosigkeit durchsetzen kann.

Die Pr ei sform lä.-st jedoch nicht nur die MögHchkeit quanti- tativer Incongruenz zwischen Werthgrösse und Preis, d. h. zwischen der Werthgrösse und ihrem eignen Geldausdruck zu, sondern kann einen qualitativen W iderspruch beherbergen , so dass der Preis überhaupt aufhört, W e r t h ausdruck zu sein, obgleich Geld nur die Werthform der Waaren ist. Dinge, die an und für sich keine Waaren sind, z. B. Ge- wissen , Ehre u. s. w., können ihren Besitzern gegen Geld veräusserlich sein und so durch ihren Preis die Waarenform erhalten. Ein Ding kann daher formell einen Preis haben, ohne einen Werth zu haben. Der Preisausdruck wird hier imaginär, wie gewisse Grössen der Ma- thematik oder das ,, unendliche Urtheil" der Logik. Wo wir jedoch für

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wesentliche Produktionsverhältnisse derartige imaginäre Preisform finden, wie z. B. Preis des Grund und Bodens, obgleich der Boden, weil keine menschhche Arbeit in ihm vergegenständlicht ist, auch keinen Werth hat, wird die tiefere Analyse unter der imaginären Form stets ein wirkliches Werthverhältniss oder von ihm abgeleitete Beziehung verbor- gen finden.

Doch kehren wir zurück zum normalen Waarenpreis, der uns hier' allein noch bekannt ist. Der Preis ist die nur ideelle Werthgestalt der Waare. Erdrückt also zugleich aus, dass sie noch nicht reelle Werthgestalt besitzt oder dass ihre Naturalforni nicht ihre allgemeine Aequivalentform ist. Die ideelle Werthgestalt der Waare ist ferner Preis, d.h. nur vorgestellte oder ideelle G o 1 d g e s t a 1 1. Er drückt also aus , dass, um die W^irkung eines Tauschwerths oder allgemei- nen Aequivalents auf andre Waaren auszuüben , sie ihren natürlichen Leib abstreifen , sich aus nur vorgestelltem Gold in wirkliches Gold verwandeln muss, obgleich diese Transsubstantiation ihr ,, saurer" ankommen mag als dem hegel'schen ,, Begriff"' der Uebergang aus der Nothwendigkeit in die Freiheit oder einem Hummer das Sprengen seiner Schale, oder dem Kir- chenvater Hieronymus das Abstreifen des alten Adam*^). Neben ihrer reellen Gestalt, Eisen z. B., kann die Waare im Preis ideelle Werth- gestalt oder vorgestellte Goldgestalt besitzen , aber sie kann nicht zu- gleich wirklich Eisen und wirklich Gold sein. Für ihre Preisgebung ge- nügt es, vorgestelltes Gold ihr gleichzusetzen. Durch Gold ist sie zu ersetzen, damit sie ihrem Besitzer den Dienst eines allgemeinen Aequivalents leiste. Träte der Besitzer des Eisens z. B. dem Besitzer einer weltlustigen Waare gegenüber, und verwiese ihn auf den Eisen- preis, der Geldform sei, so würde der Weltlustige antworten, wie im Himmel der heilige Petrus dem Dante, der ihm die Glaubensformeln hergesagt :

■'S) Wenn Hieionymus in seiner Jugend viel mit dem materiellen Fleisch zu ringen hatte, wie sein Wüstenkampf mit schönen Frauenbildern zeigt, so im Alter mit dem geistigen Fleisch. ,,Ich glaubte mich'', sagt er z. B., ,,im Geist vor dem Weltrichter. ,, Wer bist du?" fragte eine Stimme. ,, Ich bin ein Christ. '' ,,Du lügst", donnerte der Weltrichter. ,,Du bist nur ein Cicero ni an er !"

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,,Asäai bcne e trascors^ D'osta moneta gia la lega e'l peso, Ma dinimi se tu l'hai nella tua borsa."

Die Preisform sehliesst die Veräiisserlichkeit der AYaaren gegen Geld und die Nothwendigkeit dieser Veräusserung ein. Die Preisbestim- mung der AVaaren hat andrerseits eine im Aiistauscliprozess befindliche Waare, das Gold, bereits zu Geld gemacht. Im ideellen Mass der Werthe lauert daher das halte Geld.

B. Circulationsmittel.

a) Die Metamorphose d o '• W a a r e n.

Man sah, dass der Austauschprozess derWaaren widersprechende und einander ausschliessende Beziehungen einschloss. Die Entwicklung der Waare, die wir eben betrachtet, hebt diese Widersprüche nicht auf, aber sie schafft die Form, worin sie sich bewegen können. Diess ist über- haupt die Methode , wodurch sich wirkliche Widersprüche lösen. Es ist z. B. ein Widerspruch, dass ein Körper beständig in einen andern fällt und eben so beständig von ihm weg flieht. Die Ellipse ist eine der Bewe- gungsformen , worin dieser Widerspruch sich eben so sehr verwirklicht als löst.

Soweit der Austauschprozess der Waaren sie aus der Hand, worin sie Nicht- Gebrauchs werthe, in die Hand überträgt , worin sie Ge- brauchs werthe, ist er gesellschaftlicher Stoffwechsel. Das Produkt einer nützlichen Arbeitsweise ersetzt das der andern. Ein- mal angelangt zur Stelle , wo sie als Gebrauchswert!! gilt, dient die Waare als Gebrauchsgegenstand oder fällt in die Sphäre der Consumtion aus der Sphäre des Waarenaustauschs. Letztre allein interessirt uns hier. Wir haben also den ganzen Prozess nach der Formseite zu betrachten, also nur den F 0 r m w e c h s e 1 oder die M e t a ra o r p h o s e der W a a r e n , welche den gesellschaftlichen Stoffwechsel vermittelt.

Die durchaus mangelhafte Auffassung dieses Formwechsels, der Funk- tionen des Geldes , der daraus entspringenden verschiednen Formbestimmt- heiten, die das Geld aus seinen verschiednen Funktionen schöpft, ist, abge- sehn von Unklarheit über den Wörthbegriff selbst, dem Umstand geschul- det, dass jeder Formwechsel einer "Waare sich im Austausch z w e i e r Waaren , der Waare und der Geldwaare, darstellt. Hält man an diesem stofflichen Moment, dem Austausch von Waare und Gold, allein fest,

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so übei'sieht man grade , was man sehn soll , nämlich was sich mit der F 0 r m zuträgt. Man übersieht, dass die Bestimmung des Goldes als Geld bereits eine Forrabestimmung ist, die ihm nicht als blosser Waare gehört, dass die andern Waaren sich in ihren Preisen selbst auf das Gold als ihre eigne Geldgestalt beziehn, und dass es seinerseits nur die allgemeine unmittelbare Aequivalentform erhält, weil die Waaren überhaupt sich eine allgemeine relative Werthform geben müssen.

Die Waaren gehn zunächst unvergoldet, unverzuckert, wie der Kamm ihnen gewachsen ist, den Austauschprozess ein. Er produzirt die Ver- doppln n g d e r W a a r e i n W a a r e und Geld, ein äussei'er Gegen- satz, worin sie ihren immanenten Gegensatz von Gebrauchswerth und Tauschwerth darstellen. In diesem Gegensatz treten die Waaren als Gebrauch swerthe dem Geld als Tauschwerth gegenüber. An- drerseits sind beide Seiten des Gegensatzes AV aar en, also Einheiten von Gebrauchswerth und Wert h. Aber diese Einheit von Unter- schieden stellt sich auf jedem der beiden Pole umgekehrt dar und stellt dadurch zugleich deren Wechselbeziehung dar. Die W^aare ist reell Gebrauchswerth, ihr Werthdasein erscheint nur ideell im Preis, der sie auf das gegenüberstehende Gold als i h r e r e e 1 1 e W e r t h g e s t a 1 1 bezieht. Umgekehrt gilt das Goldmaterial nur als Wer th ra at eria tur Geld. Es ist reell daher allgemeines Aequivalent, Tausch- werth. Sein Gebrauchswerth erscheint nur noch ideell in der Reihe der relativen Werthausdrücke , worin es sich auf die gegenüber- stehenden Waaren als den Umkreis seiner reellen Gebrauchs- gestalteu bezieht. Diese gegensätzlichen Formen der Waaren sind die wirklichen Bewegungsformen ihres Austauschpro- zesses.

Begleiten wir nun irgend einen W^aareubesitzer , unsern altbekannten Leinweber z. B. , zur Scene des Austauschprozesses, dem Waaren markt. Seine Waare , 20 Ellen Leinwand , ist p r e i s b e s t i m m t. Ihr Preis ist 2 Pfd. St. Er tauscht sie aus gegen 2 Pfd. St., und. Mann von altem Schrot und Korn , tauscht die 2 Pfd. St. wieder aus gegen eine Familien- bibel vom selben Preis. Die Leinwand, für ihn nur Waare, Werth träger, wird entäussert gegen Gold, ihre Werthgestalt, und aus dieser Gestalt rück- veräussert gegen eine andere Waare , die Bibel , die aber als Gebrauchs- gegenstand in's AYeberhaus wandern und dort Erbauungsbedürfnisse befrie-

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digen soll. Der Austauscliprozess der Waare vollzieht sich also in zwei entgegengesetzten n n d einander e r g ä n z e n d e n M e t a m o r - p h 0 s e n — Verwandlung der Waare in Geld und i h r e R ü c k - Verwandlung aus Geld in Waare ^O). Die Momente der Waaren- nietamorpliose sind zugleich Händel des Waareubesitzers — Verkauf, Austausch der Waaie mit Geld, Kauf, Austausch des Gelds mit Waare, und Einheit beider Akte: Verkaufen um zu kaufen. -

Besieht sich der Leinweber nun das Endresultat des Handels, so be- sitzt er Bibel statt Leinwand , statt seiner ursprünglichen Waare eine andre vom selben Werth , aber verschiedner Nützlichkeit. In gleicher Weise eignet er sich seine verschiednen Lebens- und Produktionsmittel an. Von seinem Standpunkt vermittelt der ganze Prozess, die Geldwerdung der Leinwand luid die Waarenwerdung des Geldes , Verkauf und Kauf, nur den Austausch seines Arbeitsprodukts mit fremdem Arbeits- produkt, den Produktenaustausch.

Der Austauschprozess der AVaare vollzieht sich also in folgendem Formwechsel :

Waare — Geld — Waare. W — G — W.

Nach ihrem stofflichen Lihalt ist die Bewegung W — W, Austausch von Waare gegen Waare , Stoffwechsel der gesellschaftlichen Arbeit , in dessen Resultat der Prozess selbst erlischt.

W — G. Erste Metamorphose der Waare oder Verkauf: Das üeberspringen des Waarenwerths aus dem Waarenleib in den Gold- leib ist, wie ich es anderswo bezeichnet, der salto mortale der Waare. Misslingt er, so ist zwar nicht die Waare geprellt, wohl aber der Waaren- besilzer. Die gesellschaftliche Theilung der Arbeit macht seine Arbeit ebenso einseitig als seine Bedürfnisse vielseitig. Eben desswegen dient ihm sein Produkt nur als T a u s c h w e r t h , allgemeines A e q u i v a - lent. Allgemeine, gesellschaftlich gültige Aequivalentform erhält es

^°) ,,Ex ät Tov . . . 77vq6^ ayra/jfißiaO-ai ticcvth , g:t;aly 6 llQny.Xtiros, xctinvQ anch'TMi' , wsnfQ /Qvaov /Qtjiiaia x cd ^ Qtj /u ui wy ^qv aos." (F. Lassalle: ,,D i e Ph i 1 os o p b i e Herakleitos desDunkeln. Ber- lin 1858", Bd. I, p. 222.) Lassalle's Note zu dieser Stelle, p. 224, n. 3, er- klärt das Geld unrichtig für blosses Wertbzeicben.

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ßQ

aber nur im Geld und das Geld befindet sich in fremder Tasche. Um es herauszuziehn , muss die Waare vor allem Gebrauchs werth für den Geldbesitzer sein , die auf sie verausgabte Arbeit also in gesellschaftlich nützlicher Form verausgabt sein oder sich als Glied der gesellschaft- lichen Theilung der Arbeit bewähren. Aber die Theilung der Arbeit ist ein naturwüchsiger P r o d u k t i o n s o r g a n i s m u s , dessen Fäden hinter dem Rücken der Waarenproducenten gewebt wurden und sich fortweben. Vielleicht ist die Waare Produkt einer neuen Arbeitsweise, die ein neu aufgekommenes Bedürfniss zu befriedigen vorgiebt oder auf eigne Faust ein Bedürfniss erst hervorrufen will. Gestern noch eine Funk- tion unter den vielen Funktionen eines und desselben VVaarenproducenten, reisst sich eine besondre Arbeitsverrichtung heute vielleicht los von diesem Zusammenhang , verselbstständigt sich und schickt eben desswegen ihr T h e i 1 p r 0 d u k t als s e 1 b s t s t ä n d i g e Waare zu Markt. Die Um- stände mögen reif oder unreif sein für diesen Scheidungsprozess. Das Produkt befriedigt heute ein gesellschaftliches Bedürfniss. Morgen wird es vielleicht ganz oder theilweise von einer ähnlichen Produktenart aus seinem Platze verdrängt. Ist auch die Arbeit, wie die unsres Leinwebers, patentirtes Glied der gesellschaftlichen Arbeitstheilung , so ist damit noch keineswegs der Gebrauchswerth grade seiner 20 Ellen Leinwand garan- tirt. Wenn das gesellschaftliche Bedürfniss für Leinwand, und es hat sein Mass, wie alles andre, bereits durch nebenbuhlerische Leinweber gesättigt ist, wird das Produkt unsres Freundes überschüssig , überflüssig und damit nutzlos. Einem geschenkten Gaul sieht man nicht ins Maul , aber er be- schreitet nicht den Markt, um Präsente zu machen. Gesetzt aber der Ge- brauchswerth seines Produkts bewähre sich und Geld werde daher ange- zogen von der Waare. Aber nun fragt sich's, wie viel Geld? Die Ant- wort ist allerdings schon auticipirt im Preis der Waare , dem Exponenten ihrer Werthgrösse. Wir sehn ab von etwaigen rein subjektiven Rechen- fehlern des Waarenbesitzers , die auf dem Markt sofort objectiv corrigirt werden. Er soll auf sein Produkt nur den gesellschaftlich nothwendigen Durchschnitt von Arbeitszeit verausgabt haben. Der Preis der AVaare ist also nur Gelduame des in ihr vergegenständlichten Quantums gesellschaft- licher Arbeit. Aber ohne Erlaubniss und hinter dem Rücken unsres Lein- webers geriethen die altverbürgten Produktionsbedingungen der Leinweberei in Gähruns;. Was gestern zweifelsohne gesellschaftlich nothwendige Ar-

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beitszeit zur Produktion einer Elle Leinwand war, hört heute auf es zu sein , wie der Geldbesitzer eifrigst demonstrirt aus den Preisquotationen verschiedner Nebenbuhler unsres Freundes. Zu seinem Unglück giebt's viele Weber auf der Weit. Gesetzt endlich jedes auf dem Markt vor- handne Stück Leinwand enthalte nur gesellschaftlich nothwendige Arbeits- zeit. Trotzdem kann die Gesammtsumme dieser Stücke überflüssig ver- ausgabte Arbeitszeit enthalten. Vermag der Marktniagen das Gesammt- quantum Leinwand, zum Normalpreis von 2 Sh. per Elle, nicht zu ab- sorbiren, so beweist das , dass ein zu grosser Theil der gesellschaftlichen Gesammtarbeitszeit in der Form der Leinweberei verausgabt wurde. Die Wirkung ist dieselbe als hätte jeder einzelne Leinweber mehr als die ge- sellschaftlich nothwendige Arbeitszeit auf sein individuelles Produkt ver- wandt. Hier heisst's : Mitgefangen, mitgehangen. Alle Leinwand auf dem Markt gilt nur als ein Handelsartikel, jedes Stück nur als aliquoter Theil. Und in der That ist der Werth jeder individuellen Elle ja auch nur die Materiatur desselben gesellschaftlich bestimmten Quantums gleich- artiger menschlicher Arbeit.

Man sieht, die Waare liebt das Geld, aber ,,thecourseof true love runs neversmooth." Ebenso naturwüchsig zufällig, wie die qualitative, ist die quantitative Gliederung des gesellschaftlichen Produktionsorganis- raus, der seine membra disjecta im System der Theilung der Arbeit dar- stellt. Unsere Waarenbesitzer entdecken daher , . dass dieselbe Theilung der Arbeit, die sie zu unabhängigen Pri vatpr o ducenten , den gesellschaftlichen Produktionsprozess und ihre Verhältnisse in diesem Pro- zess von ihnen s e 1 b s t u n a b h ä n g i g macht, dass die Unabhängig- keit der Personen von einander sich in einem System allseitiger sachlicher Abhängigkeit ergänzt.

Die Theilung der Arbeit verwandelt das Arbeitsprodukt in Waare und macht dadurch seine Verwandlung in Geld nothweudig. Sie macht es zugleich zufällig, ob diese Transsubstanliation gelingt. Hier ist jedoch das Phänomen rein zu betrachten, sein normaler Vorgang also vorauszu- setzen. Wenn es übrigens überhaupt vorgeht, die Waare also nicht un- verkäuflich ist, findet stets ihr Form Wechsel statt, obgleich abnormal in diesem Formwechsel Substanz — Werthgrösse — eingebüsst oder zuge- setzt werden mag.

Dem einen Waarenbesitzer ersetzt Gold seine Waare und dem an-

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dern Waare sein Gold. Das sinnfällige Phänomen ist der Hände- oder Stellenwechsel von Waare und Gold, von 20 Ellen Leinwand und 2 Pfd. St., d. h. ihr Austausch. Aber womit tauscht sich die Waare aus? Mit ihrer eignen allgemeinen Werthgestalt. Und womit das Gold? Mit einer besondern Gestalt seines Gebrauchswerths. Warum tritt Gold der Leinwand als Geld gegenüber? Weil ihr Preis von 2 Pfd. St. oder ihr Geldname sie bereitsauf Gold als Geld bezieht. Die E u t ä u s s e r u n g der uri?prüngliclien Waaronfoi'ra vollzieht sich durch die Ver ausser ung der Waare, d. h. in dem Augenblicke, wo ihr Ge- brauchswerth das in ihrem Preis nur vorgestellte Gold wiiklich anzieht. Die R e a 1 i s i r u n g des Preises oder der nur ideellen Werthform der Waare ist daher zugleich umgekehrt Realisirung des nur ideellen Ge- brauchswerths des Geldes, die Verwandlung von Waare in Geld zugleich Verwandlung von Geld in Waare. Der eine Prozess ist zweiseitiger Prozess, vom Pol des Waarenbesitzers Verkauf, vom Gegenpol des Geldbesitzers Kauf. Oder Verkauf ist Kauf, W — G zugleich G — W 31).

Wir kennen bisher kein andres ökonomisches Verhältniss der Men- schen zu einander ausser dem von Waarenbesitzern, ein Verhältniss, worin sie fremdes Arbeitsprodukt nur aneignen , indem sie eignes entfremden. Einem Waarenbesitzer kann der andre daher nur als Geldbesitzer gegenüber- treten, entweder weil sein Arbeitsprodukt vonNatur die Geldform besitzt, also Geldmaterial ist, Gold u. s. w., oder weil seine eigne Waare sich bereits gehäutet und ihre ursprüngliche Gebrauchsform abgestreift hat. Um als Geld zu funktioniren, muss das Gold natürlich an irgend einem Punkt in den Waaren- markt eintreten. Dieser Punkt liegt an seiner Produktionsquelle, wo es sich als unmittelbares Arbeitsprodukt mit anderm Arbeitsprodukt von demselben W^ertl) austauscht. Aber von diesem Augenblick funktionirt es nur als wirkliches Geld, weil es beständig realisirter Waa renpreis ist^ä).

5') ,,Toute vente est achat" (Dr. Qu es n ay : ,,Di alogues sur le Com- merce et les Travaux des Artisans". Phy si o er a tcs , ed. Daire, I. Partie, Paris 1846, p. 170), oder, wie Qiiesnay in seinen ,,Maximes Generales" sagt: ,,Vendre est acheter."

5-) ,,Le prix d'une marchandise ne pouvant pas etre paye que par le prix d'uae autre marchandise." (Mercier de la Ri viere: ,,L'Ordre na-

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Abgesebn vom Austausch des Golds mit Waare an seiner Produktions- quelle, ist das Gold iu der Hand jedes Waarenbesitzers die entäusserte Ge- stalt seiner veräusserten Waare, Produkt des Verkaufs oder der ersten W a a r e n m e t a m 0 r p h 0 s e W — G ^^) . Ideelles Geld oder W e r t h - m a s s wurde das Gold, weil alle Waaren ilu'e Werthe in ihm massen und es so V 0 r s t e 1 1 u n g s w e i s e zu ihrer entäusserten Gebrauchsgestalt oder Werth- gestalt machten. Reelles Geld wird es, weil die Waaren durch ihre allseitige Veräusserung es zu ihrer wirklich entäusserten oder verwandelten Gebrauchsgestalt und daher zu ilirer wirklichen Werthgestalt machen. In ihrer Werthgestalt streift die Waare jede Spur ihres naturwüchsigen Gebrauchswerths und der besondern nützlichen Arbeit ab , welcher sie den Ursprung verdankt, um sich in die gleichförmige gesellschaftliche Materiatur unterschiedsloser menschlicher Arbeit zu verpuppen. Man sieht dem Geld daher nicht an, welchen Schlags die in es verwandelte Waare. Eine sieht in ihrer Geldform grade aus wie die andre. Geld mag daher Dreck sein, obgleich Dreck nicht Geld ist. Wir wollen annehmen , dass die zwei Goldfuchse, wogegen unser Leineweber seine Waare veräussert , die ver- wandelte Gestalt eines Qimrters Weizen sind. Der Verkauf der Leinwand, W — G, ist zugleich ihr Kauf, G — W. Aber als Verkauf der Leinwand beginnt dieser Prozess eine Bewegung, die mit seinem Gegen- theil endet , mit dem K a u f d e r Bibel; als K a u f d e r Leinwand endet er eine Bewegung , die mit seinem Gegentheil begann , mit dem Verkauf des Weizens. W — G (Leinwand — Geld), die erste Phase von W — G — W (Leinwand — Geld — Bibel) , ist zugleich G — W (Geld — Leinwand) , die letzte Phase einer andern Bewegung W — G — W (Weizen — Geld — Leinwand). Die erste Meta- morphose e i n e r W a a r e , ihre Verwandlung aus der Waarenform in Geld , ist stets zugleich zweite entgegengesetzte Metamorphose einer andern Waare, ihre Rückverwandlung aus der Geldform in Waare ^*).

turel et essentiel des societe's politiques". Phy s io cra t e s , ed.

Daire, II. Partie, p. 554.)

53) ,,Pour avoir cet argent, il faiit avoir vendu." (1. e. p. 543.)

*^) Ausnahme, wie vorher bemerkt, bildet der Gold- resp. Silberproducent,

der sein Produkt austauscht, ohne es vorher verkauft zu haben.

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G — W. Zweite oder Schlussmetamorphose der Waare. Kauf. — Weil die entäusserte Gestalt aller andern Waaren oder das Produkt ihrer allgemeinen Veräusserung , ist Geld die absolut veräusser liehe Waare. Es liest alle Preise rückwärts und spiegelt sich so in allen Waarenleibern als dem hingebenden Material seiner eignen Waarenwerdung. Zugleich zeigen die Preise , die Liebesaugen , womit ihm die Waaren winken, die Schranke seiner Verwandlungsfähig- keit, nämlich seine eigne Quantität. Da die Waare in ihrer Geld- werdung verschwindet,' sieht man dem Geld nicht an, wie es in die Hände seines Besitzers gelangt oder was in es verwandelt ist. Non ölet, wessen Ursprungs auch immer. Als ent äusserte Gestalt steht es den Waaren, ihm als der absolut v e r ä u s s e r 1 i c h e n W a a r e n g e s t a 1 1 steht die Waarenwelt gegenüber ^^).

G — W, der Kauf ist zugleich Verkauf, W — G, die letzte Meta- morphose einer Waare daher zugleich die erste Metamorphose einer andern Waare. Für unsern Leinweber schliesst der Lebenslauf seiner Waare mit der Bibel , M'orin er die 2 Pfd. St, rückverwandelt hat. , Aber der ur- sprüngliche Bibelbesitzer setzt die vom Leineweber gelösten 2 Pfd. St. iu Kornbranntwein um, G — W, die Schlussphase von W — G — W (Lein- wand — Geld — Bibel) ist zugleich W — G , die erste Phase von W — G — W (Bibel — Geld — Kornbranntwein). Da der Waarenproduzent nur ein einseitiges Produkt liefert, verkauft er es oft in grösseren Mas- sen , während seine vielseitigen Bedürfnisse ihn zwingen , den realisirten Preis oder die gelöste Geldsumme beständig in zahlreiche Käufe zu zer- splittern. Ein Verkauf mündet daher in viele Käufe verschiedner Waaren. Die Schlussmetamorphose einer Waare bildet so eine Summe von ersten Metamorphosen andrer Waaren.

Betrachten wir nun die G e s a m m t m e t a ra o r p h o s e einer Waare, z. B. der Leinwand , so sehn wir zunächst , dass sie aus zwei entgegenge- setzten und einander ergänzenden Bewegungen besteht, W — G und G — W. Die zwei entgegengesetzten Wandlungen vollziehn sich in zwei ent- gegengesetzten gesellschaftlichen Prozessen des Waarenbesitzers und reflek- tiren sich in zwei entgegengesetzten ökonomischen Charakteren dessel-

55) ,,Si l'argent represente, tlans nos mains , les choses que nous pouvons desirer d'acheter, ily represente aussi les choses que nous avous vendues pour cet argent. " (Mercier de la Ri vi ere 1. c. p. 586.)

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ben. Als Agent des Verkaufs wird er Verkäufer, als Agent des Kaufs Käufer. Wie aber in jeder Wandlung der Waare ihre beiden Formen, Waarenform und Geldforni , gleichzeitig existiren , nur auf entgegengesetz- ten Polen , so steht demselben Waarenbesitzer als Verkäufer ein andrer Käufer und als Käufer ein andrer Verkäufer gegenüber. Wie dieselbe Waare die zwei umgekehrten Wandlungen successiv durchläuft, aus Waare Geld luid aus Geld Waare wird, so wechselt derselbe Waarenbesitzer die Rollen von Verkäufer und Käufer. Es sind diess also keine festen , son- dern im Tauschprozess der Waaren beständig die Person wechselnden Charaktere.

Die Gesammtnietamorphose einer Waare unterstellt, in ihrer einfach- sten Form , vier Extreme und drei P e r s o n a e d r a m a t i s. Erst tritt der Waare das Geld als ihre entäusserte Gestalt gegenüber, die jenseits, in fremder Tasche , sachlich harte Realität besitzt. So tritt dem Waarenbesitzer ein Geldbesitzer gegenüber. Sobald die Waare nun in Geld verwandelt , wird letztres zu ihrer verschwindenden A e q n i - val entform, deren Gebrauchswert)) oder Inhalt diesseits in andern Waarenkörpern existii-t. Als Endpunkt der ersten Waarenwandlnng ist das Geld zugleich Ausgangspunkt der zweiten. So der Verkäufer im ersten Act Käufer im zweiten, wo ihm ein dritter Waarenbesitzer als Ver- käufer gegenübertritt ^^^).

Die beiden umgekehrten Bewegungsphasen der Waarenmetamorphose bilden einen Kreislauf: Waarenform, Abstreifung der Waarenform, Rückkehr zur Waarenform. Allerdings ist die Waare selbst hier gegensätzlich bestimmt, am Ausgangspunkt Nicht-Gebiauchswerth , am Endpunkt Gebrauchswertli für ihren Besitzer, wie das Geld die Waare erst als festen Werthkrystall darstellt , um hinterher als ihre blosse Aequiva- lentforni zu zerrinnen.

Die zwei Metamorphosen , die den Kreislauf einer Waare, bilden zugleich die umgekehrten Theilmetamorphosen zweier andren Waa- ren. Dieselbe Waare (Leinwand) eröffnet die Reihe ihrer eignen Meta- morphosen und schliesst die Gesammtmetamorphose einer andern Waare (des Weizens). Während ihrer ersten W^andlung, dem Verkauf, spielt

5*^) ,,I1 }■ a donc quatre termes et trois contractants, dont l'na intervient deux fois." (Le Trosue 1. c p. 908.)

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sie diese zwei Rollen in eigner Person. Als Goldchrysalide dagegen^ worin sie selbst den Weg alles Fleisches wandert, endet sie zugleich die erste Metamorphose einer dritten Waare. Der Kreislauf, den die Meta- morphosenreihe jeder Waare bildet, verschlingt sich also unentwirrbar mit den Kreisläufen andrer Waaren. Der Gesammtprozess stellt sich dar als W a a r e n c i r c u 1 a t i 0 n.

Die Waarencirculation ist nicht nur formell , sondern wesentlich vom unmittelbaren Produktenaustausch unterschieden. Man werfe nur einen Piückblick auf den Vorgang. Der Leineweber hat unbedingt Leinwand mit Bibel vertauscht , eigne Waare mit fremder. Aber diess Phänomen ist nur wahr für ihn. Der Bibelagent , der dem Kühlen Heisses vorzieht, dachte nicht daran, Leinwand für Bibel einzutauschen, wie der Leineweber nicht davon weiss , dass Weizen gegen seine Leinwand eingetauscht wor- den ist u. s. w. Die Waare des B ersetzt die Waare des A, aber A und B tauschen nicht wechselseitig ihre Waaren aus. Es kann in der That vorkommen, dass A und B wechselweis von einander kaufen , aber solche besondre Beziehung ist keineswegs durch die allgemeinen Verhält- nisse der Waarencirculation bedingt. Einerseits sieht man hier, wie der Waarenaustausch die individuellen und lokalen Schranken des unmittelbaren Produktenaustauschs durchbricht und den Stoffwechsel der menschlichen Arbeit entwickelt. Andrerseits entwickelt sich ein gan- zer Kreis von den handelnden Personen uncontrolirbarer, gesellschaftlicher Naturzusammenhänge. Der Weber kann nur Leinwand verkaufen , weil der Bauer Weizen , Heisssporn nur die Bibel , weil der Weber Leinwand, der Destillateur nur gebranntes Wasser, weil der andre das Wasser des ewigen Lebens bereits verkauft hat u. s. w.

Der Circulationsprozess erlischt desswegen auch nicht , wie der un- mittelbare Produktenaustausch , in dem Stellen - oder Händewechsel der Gebrauchswerthe. Das Geld verschwindet nicht , weil es schliesslich aus der Metamorphosenreihe einer Waare herausfällt. Es schlägt immer nieder auf eine durch die Waaren geräumte Circulalionsstelle. Z. B. in der Gesammtmetamorphose der Leinwand : Leinwand — Geld — Bibel fällt erst die Leinwand aus der Circulation , Geld tritt an ihre Stelle, fällt dann die Bibel aus der Circulation, Geld tritt an ihre Stelle. Der Ersatz von Waare durch Waare lässt zugleich an dritter Hand die Geldwaare hängen. Die Circulation schwitzt beständig Geld aus.

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Nichts kann alberner sein als das Dogma, die Waarencirculation be- dinge ein notliwendiges Gleichgewicht der Verkäufe und Käufe, weil jeder Verkauf Kauf und vice versa. Meint diess , dass die Zahl der wirklich vollzognen V^erkäufe gleich derselben Zahl von Käufen , so ist es platte Tautologie. Aber es soll beweisen, dass der Verkäufer seinen eignen Käufer zu Markt führt. Verkauf und Kauf sind ein i d e n t i s c h e r A c t als Wechselbeziehung zw^eier pol arisch entgegengesetzter Personen, des Waarenbesitzers und des Geldbesitzers. Sie bilden zwei pol arisch entgegengesetzteAkte als Handlungen dersel- ben Person. Die Identität von Verkaiif und Kauf schliesst daher ein, dass die Waare nutzlos wird , wenn sie , in die alchymistische Retorte der Circulation geworfen, nicht als Geld herauskommt, nicht vom Waa- renbesitzer verkauft , also vom Geldbesitzer gekauft wird. Jene Identität enthält ferner , dass der Prozess, wenn er gelingt , einen Ruhepunkt, einen Lebensabschnitt der Waare bildet , der länger oder kürzer währen kann. Da die erste Metamorphose der Waare zugleich Verkauf und Kauf, ist dieser Theilprozess zugleich selbstständiger Prozess. Der Käufer hat die Waare , der Verkäufer hat das Geld , d. h. eine Waare , die circula- tionsfähige Form bewahrt, ob sie früher oder später wieder auf dem Markt erscheine. Keiner kann verkaufen , ohne dass ein Andrer kauft. Aber keiner braucht unmittelbar zu kaufen , weil er selbst verkauft hat. Die Circulation sprengt die zeitlichen , örtlichen und individuellen Schran- ken des Produktenaustauschs eben dadurch, dass sie die hier vorhandne unmittelbare Identität zwischen dem Austausch des eignen und dem Eintausch des fremden Arbeitsprodukts in den Gegensatz von Verkauf und Kauf spaltet. Dass die selbstständig einander gegenüber- tretenden Prozesse eine innere Einheit bilden, heisst eben so sehr, dass ihre innere Einheit sich in äusseren Gegensätzen bewegt. Geht die äusserliche Verselbstständigung der innerlich Unselbstständigen, weil einander ergänzenden , bis zu einem gewissen Punkt fort , so macht sich die Einheit gewaltsam geltend durch eine — Krise. Der der Waare immanente Gegensatz von Gebrauchswerth und Tauschwerth , von Privat- arbeit, die sich zugleich als unmittelbar gesellschaftliche Arbeit darstellen muss, von besondrer konkreter Arbeit , die zugleich nur als abstrakt all- gemeine Arbeit gilt, von Personificirung der Sache und Versachlichung der Personen — dieser immanente Widerspruch erhält in den Gegensätzen der

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Waarenmetaraorphose seine entwickelten Be wegungsf orm en." Diese Formen scliliessen dalier die Möglichkeit, aber auch nur die Möglich- keit der Krisen ein. Die Entwicklung dieser Möglichkeit zur Wirklich- keit erfordert einen ganzen Umkreis von Verhältnissen, die vom Standpunkt der einfachen Waarencirculation noch gar nicht existiren ^'^).

Als Vermittler der Waarencirculation erhält das Geld die Funktion des C i r c u 1 a t i 0 n s m i 1 1 e 1 s.

b) Der Umlauf des G e 1 d e s.

Der Formwechsel , worin sich der Stoffwechsel der Arbeitsprodukte vollzieht, W — G — W, bedingt, dass derselbe AVerth als Waare den Ausgangspunkt des Pi'ozesses bildet und zu demselben Punkt zurück- kehrt als Waare. Diese Bewegung der Waaren ist daher Kreis- lauf. Andrerseits schliesst dieselbe Form den Kreislauf des Geldes aus. Ihr Ptesultat ist beständige Entfernung d e s G e 1 d e s von seinein Ausgangspunkt, nicht Rückkehr zu demselben. So lange der Verkäufer die verwandelte Gestalt seiner Waare festhält, das Geld, befindet sich die Waare im Stadium der ersten Metamorphose oder hat nur ihre erste Cir- culationshälfte zurückgelegt. Ist der Prozess, Verkaufen um zu kau- fen, vervollständigt, so ist auch das Geld wieder aus der Hand ihres ursprünglichen Besitzers entfernt. Allerdings, wenn der Leinweber, nach- dem er die Bibel gekauft, von neuem Leinwand verkauft, kehrt auch das

5') Vergleiche meine Bemerkungen über James Mi 11: ,,Zur Kritik etc." ]). 74—76. Zwei Punkte sind hier charakteristisch für die Methode der ökonomistischen Apologetik. Erstens die Identificirung von Waarencircula- tion lind unmittelbarem Produktenaustausch durch einfache Abstraktion von ihren Unterschieden. Zweitens der Versuch, die Widersprüche des kapi- talistischen Produktionsprozesses wegzuleugnen, indem man die Ver- hältnisse seiner Produktionsagenten in die einfachen Beziehungen auflöst, die aus der Waarencirculation entspringen. Waarenproduktion und Waarencirculation sind aber Phänomene, die den verschiedensten Produktionsweisen angehören, wenn auch in verschiednem Umfang und Tragweite. Man weiss also noch nichts von der differentia specifica dieser Produktionsweisen und kann sie daher nicht beur- theilen , wenn man nur die ihnen gemeinschaftlichen , abstrakten Kategorien der Waarencirculation kennt. In keiner andern Wissenschaft ausser der politischen Oekonomie herrscht ähnliche Wichtigthuerei mit elementarischer Gemeinplätzlich- keit. Z. B. J. B. Say nimmt sich heraus, über die Krisen abzuurtheilen, weil er weiss, dass die Waare Produkt ist.

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Geld in seine Hand zurück. Aber es kelirt nicht zurück durch den Circula- tionsprozess der ersten 20 Ellen Leinwand. Er hat es vielmehr aus den Händen des Leinwebers in die des Bibelverkäufers entfernt. Es kehrt nur zurück durch die Erneuerung oder Wiederholung desselben Circula- tionsprozesses für neue Waare, und endet hier wie dort mit demselben Re- sultat. Die dem Geld durch die Waarencirculation unmittelbar ertheilte Bewegungsform ist daher seine beständige Entfernung vom Ausgangspunkt, sein Lauf aus der Hand eines Waarenbesitzers in die eines andern , oder sein Umlauf (curiency, cours de la monnaie).

Der Umlauf des Geldes zeigt beständige, eintönige AViederholung desselben Prozesses. Die Waare steht stets auf Seite des Verkäufers, das Geld stets auf Seite des Käufers, als Kaufmittel. Es funktionirt als Kaufraittel , indem es den Preis der Waare real isi rt. Indem es ihn realisirt , überträgt es die Waare aus der Hand des Verkäufers in die des Käufers, während es sich gleichzeitig aus der Hand des Käufers in die des Verkäufers entfernt, um denselben Prozess mit einer andern Waare zu wiederholen. Dass diese einseitige Form der Geldbewegung aus der dop- pelseitigen Formbewegung der Waare entspringt, ist verhüllt. Die Natur der AVaarencirculation selbst erzeugt den entgegengesetzten Schein. Die erste Metamorphose der Waare ist nicht nur als Bewegung des Geldes, sondern als ihre eigne Bewegung sichtbar, aber ihre zweite Metamorphose ist nur als Bewegung des Geldes sichtbar. In ihrer ersten Circulations- hälfte wechselt die Waare den Platz mit dem Geld. Damit fällt zugleich ihre Gebrauchsgestalt aus der Circulation heraus , in die Consumtion ^^). Ihre Werthgestalt oder Geldlarve tritt an ihre Stelle. Die zweite Circu- lationsliälfte durchläuft sie nicht mehr in ihrer eignen Naturalhaut, sondern in ihrer Goldhaut. Die Continuität der Bewegung fällt damit ganz auf die Seite des Geldes und dieselbe Bewegung, die für die Waare zwei entgegengesetzte Prozesse eiuschliesst , schliesst als eigne Bewegung des Geldes stets denselben Prozess ein, seinen Stellenwechsel mit stets andrer Waare. Das Resultat der Waarencirculation , Ersatz von Waare

5*) Selbst wenn die Waaie wieder und wieder verkauft wird , ein Phänomen, das hier noch nicht für uns existirt, fällt sie mit dem letzten definitiven Verkauf aus der Sphäre der Circulation in die der Consumtion , um hier als Lebensmittel oder als Produktionsmittel zu dienen.

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durch andre Waare, erscheint dalier nicht durch ihren eignen Formwechsel vermittelt, sondern durch die Funktion des Geldes als Circulations- mittel, welches die an und für sich bewegungslosen Waaren circulirt, sie aus der Hand, worin sieNicht-Gebrauchswerthe, in die Hand tiberträgt, worin sie Gebrauchswerthe, stets in entgegengesetzter Richtung zu seinem eignen Lauf. Es entfernt die Waaren beständig aus der Circulations- sphäre, indem es beständig an ihre Circulationsstelle tritt und sich damit von seinem eignen Ausgangspunkt entfernt. Obgleich daher die Geldbe- wegung nur Ausdruck der Waarencirculafion , erscheint umgekehrt die Waarencirculation nur als Resultat der Geldbewegung ^9).

Andrerseits kommt dem Geld nur die Funktion des Circulationsmittels zu, weil es die verselbstständigte Werthgestalt der Waaren ist. Seine Be- wegung als Circulationsmittel ist daher in der That nur ihre eigne Form- bewegung. Diese muss sich daher auch sinnlich im Umlauf des Geldes wiederspiegeln. Der doppelte Forrawechsel der Waare spiegelt sich wie- der im z w e i ra a 11 g e n S t e 1 1 e n w e c h s e 1 d e s s e 1 b e n G e 1 d s t ü c k s , wenn wir die Gesammtmetamorphose einer Waare, in der mehrmaligen W^ i e d e r h 0 1 u n g seines Stellenwechsels, wenn wir die Ver- schlingung der zahllosen Metamorphosen in einander betrachten. Diesel- ben Geldstücke kommen als e n t ä u s s e r t e Gestalt der Waare in die Hand des Verkäufers und verlassen sie als absolut v e r ä u s s e r 1 i c h e Gestalt der Waare. Das Geld wirkt in derselben Weise als Kauf- mittel, jedesmal gegenüber andrer Waare, in beiden Prozessen. Aber ihr innerer Zusammenhang, oder die doppelte Formbestimmtheit, die es in bei- den Prozessen für dieselbe Waare hat, erscheint in der doppelten und gegensätzlichen Bewegung, die denselben Geldstücken aufgedrückt wird. Dieselben 2 Pfd. St., die beim Verkauf der Leinwand aus der Tasche des Weizenbauers in die Tasche des Leinwebers einwandern, wandern von ihr aus beim Kauf der Bibel. Es ist doppelter Stellenwechsel, und die Leinwand oder ihren Repräsentanten als Centrum betrachtet , in entgegen- gesetzter Richtung , positiver bei Einnahme des Geldes, negativer bei sei- ner Ausgabe. Finden dagegen nur einseitige Waarenraetamorphosen statt, blosse Verkäufe oder blosse Käufe, wie man will, so wechselt das-

^3) ,,I1 (l'argent) n'a d'autre mouvement que celui qui est imprime'parles pi'o- ductions." (L e Trosne 1. c. p. 885.)

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selbe Geld auch nur einmal den Platz. Sein zweiter Stellenwechsel drückt stets die zweite Metamorphose der Waare aus , ihre Rückverwandluiig aus Geld. Es versteht sich übrigens ganz von selbst , dass alles diess nur für die hier betrachtete Form der einfachen Waarencircuiation gilt.

Jede Waare, bei ihrem ersten Schritt in die Circulation, ihrem ersten Formwechsel, fällt aus der Circulation heraus, während stets neue Waare iu sie eintritt. Das Geld dagegen als Circulationsmittel haust beständig in der Circulationssphäre und treibt sich beständig in ihr um. Es ent- steht also die Frage, wie viel Geld diese Sphäre beständig absorbirt.

In einem Lande geht jeden Tag gleichzeitig, daher räumlich neben einander, eine ungeheure Anzahl einseitiger Waarenmetaraorphosen vor, oder eine zahllose Masse zersplitterter Veikäufe , welche die von einander unab- hängigen Waarenbesitzei- vollziehen. In ihren Preisen sind die Waaren bereits bestimmten vorgestellten Geldquantis gleichgesetzt. Da nun die hier betrachtete, unmittelbare Circulationsform Waare und Geld einander stets leiblich gegenüberstellt, die eine auf den Pol des Verkaufs, das andre auf den Gegenpol des Kaufs, ist die für den Circulationsprozess der Waaren- welt erheischte Masse von Circulationsmitteln bereits durch die Preis- summe der Waaren bestimmt. In der Thnt stellt das Geld nur reell die in der Preissumme der W'aaren bereits ideell ausgedrückte Goldsumme dar. Die Gleichheit dieser Summen versteht sich dalier von selbst. Wir wissen jedoch , dass bei gleichbleibenden Werthen der Waaren ihre Preise mit dem Werthe des Goldes (des Geldmaterials) selbst wechseln , verhält- nissmässig steigen, wenn er fällt, und fallen, wenn er steigt. Ob die Preis- summe der Waaren so steige oder falle, die Masse des circulirenden Geldes muss gleichmässig steigen oder fallen. Der Wechsel in der Masse der Circulationsmittel entspringt hier allerdings aus dem Geld selbst, aber nicht aus seiner Funktion als Circulationsmittel, son- dern aus seiner Funktion als Werthmass. Der Preis der Waaren wechselt erst umgekehrt wie der Werth des Geldes und dann wechselt die Masse der Circulationsmittel direkt wie der Preis der W^iaren. Ganz dasselbe Phänomen würde sich ereignen , wenn z. B. nicht der Werth des Goldes sänke, sondern Silber es als Werthmass er- setzte, oder nicht der Werth des Silbers stiege , sondern Gold es aus der Funktion des Werthmasses verdrängte. In dem einen Fall müsste mehr Silber circulireu als vorher Gold, in dem andern weniger Gold als vorher

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Silber. In beiden Fällen hätte sich der VVerth des Geldmaterials verändert, d. h. der Waare, die als Mass der Werthe funktionirt, da- her der Preisausdruck der Waarenwerthe , daher die Masse des circuliren- den Geldes , das zur Realisirung dieser Preise dient. Man hat gesehn, dass die Circulationssphäre der Waaren ein Loch hat, wodurch Gold (Sil- ber, kurz das Geldniaterial) in sie eintritt als Waare von gegebnem Werth. Dieser Werth ist vorausgesetzt bei der Funktion des Geldes als Werthmass, also bei der Preisbestimmung. Sinkt nun z. B. der Werth des Werthmasses selbst, so erscheint diess zunächst im Preiswechsel der Waaren, die unmittelbar an den Produktionsquellen der edlen Metalle mit ihnen als Waaren ausgetauscht werden. Namentlich in minder entwickel- ten Zuständen der bürgerlichen Gesellschaft wird ein grosser Theil der andern W^aaren noch längere Zeit in dem nun illusorisch gewordnen , ver- alteten Werth des Werthmasses geschätzt werden. Indess inficirt eine Waare die andre durch ilir relatives Werthverhältniss zu derselben, die Gold- oder Silberpreise der Waaren gleichen sich allmählig aus in den durch ihre Werthe selbst bestimmten Proportionen , bis schliesslich alle Waarenwerthe dem neuen Werth des Geldmetalls entsprechend geschätzt werden. Dieser Ausgleichungsprozess ist begleitet von dem fortwähren- den Wachsthum der edlen Metalle , welche im Ersatz für die direkt mit ihnen ausgetauschten Waaren einströmen. In demselben Mass daher, worin die berichtigte Preisgebung der Waaren sich verallgemeinert, oder ihre Werthe dem neuen , gesunkenen und bis zu einem gewissen Punkt fortsinkenden Werth des Metalls gemäss geschätzt werden, ist auch bereits seine zu ihrer Realisirung nothwendige Mehrmasse vorhanden. Einseitige Beobachtung der Thatsachen, welche der Entdeckung der neuen Gold- und Silberquellen folgten , verleitete im 17. und namentlich im 18. Jahrhun- dert zum Trugschluss , die Waarenpreise seien gestiegen , weil mehr Gold und Silber' als Circulationsmittel funktionirten. Im Folgenden wird der Werth des Goldes als gegeben vorausgesetzt , wie er in der That im Augenblick der Preisschätzung gegeben ist.

Unter dieser Voraussetzung also ist die Masse der Circulationsmittel durch die zu realisirende P r e i s s u m m e der Waaren bestimmt. Setzen wir nun ferner den Preis jeder Waarenart als gegeben voraus , so hängt die P r e i s s u m m e der Waaren offenbar von der in Circulation befind- lichen Waaren masse ab. Es gehört wenig Kopf brechens dazu, um

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zu begreifen, dass wenn 1 Quarter Weizen 2 Pfd. St., 100 Quarter 200 Pfd. St., 200 Quarter 4 00 Pfd. St. u. s. w. kosten, mit der iMasse des Weizens daher die Geldmasse wachsen muss , die beim Verkauf den Platz mit ihm wechselt.

Die Waarenmasse als gegeben vorausgesetzt, fluthet die Masse des circulirenden Geldes auf und ab mit den Preisschwankungen der Waaren. Sie steigt und fallt, weil die Preis summe der Waaren in Folge ihres Preiswechsels zu- oder abnimmt. Dazu ist keineswegs nöthig, dass die Preise aller Waaren gleichzeitig steigen oder fallen. Die Preis- steigerung einer gewissen Anzahl leitender Artikel in dem einen, oder ihre Preissenkung in dem andern Fall , reicht hin , um die zu realisirende Preissumme aller circulirenden Waaren zu erhöhn oder zu senken, also auch mehr oder weniger Geld in Circulation zu setzen. Ob der Preis- wechsel der Waaren wirkliche Werthweclisel wiederspiegelt oder blosse Schwankungen der Marktpreise, die Wirkung auf die Masse der Circula- tionsmittel bleibt dieselbe.

Es sei gegeben eine Anzahl zusammenhangsloser, gleichzeitiger und daher räumlich neben einander fiillender Verkaufe oder Theilmetamor- phosen, z. B. von 2 Quarter Weizen, 20 Ellen Leinwand, 1 Bibel, 4 Gal- lons Kornbranntwein. Wenn der Preis jedes Artikels 2 Pfd. St. , die zu realisirende Preissumme daher 8 Pfd. St. , so muss eine Geldmasse von 8 Pfd. St. in die Circulation eingehn. Bilden dieselben Waaren dagegen Glieder der uns bekannten Metamorphosenreihe : 1 Quarter Weizen — 2 Pfd. St. — 20 Ellen Leinwand — 2 Pfcl. St. — 1 Bibel — 2 Pfd. St. — 4 Gallons Kornbranntwein — 2 Pfd. St., so circuliren dieselben 2 Pfd. St. die verschiedenen Waaren der Reihe nach, indem sie deren Preise der Reihe nach, "also auch die Preissumme von 8 Pfd.St. realisiren, um schliesslich in der Hand des Destillateurs auszuruhn. Sie vollbringen vier U m 1 ä u f e. Dieser wiederholte Stellenwechsel derselben Geldstücke stellt den doppelten Formwechsel der Waare dar, ihre Bewegung durch zwei entgegengesetzte Circulationsstadien und die Verschlingung der Meta- morphosen verschiedner Waaren ^O). Die gegensätzlichen und einander

^°) ,,Ce sont les productions qui le (l'argent) mettent en mouvement et le fönt circuler . . . La celerite de son mouvement (sc. de Taigent) supplee a sa quantite. Lorqu'il en est besoin, il ne fait que glisser d'une main dans l'autre sans s'aireter un instant." (Le Trosne 1. c. p. 915, 91G.)

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«rgäiizenden Phasen, wodurch dieser Prozess verläuft, können nicht räum- licli neben einander fallen, sondern nur zeitlich auf einander folgen. Zeitabschnitte bilden daher das Mass seiner Dauer , oder die Anzahl der Umläufe derselben Geldstücke in gegebner Zeit misst die G e s c h w i n d i g- k ei t des Gel dum lauf s. Der Circulationsprozess jener vier Waaren dauere z. B. einen Tag. So ist die zu realisirende Preissiunme : 8 Pfd. St., die Anzahl der Umläufe desselben Geldstücks während des Tags: 4 und die Masse des circulirenden Geldes: 2 Pfd. St., oder für einen gegebnen Zeitabschnitt des Circulationsprozesses :

Masse des als C i r c u 1 a t i o n s - Preissumme der VVaaren . , ^ , . . -, ^ ,

— r— = mittel tunktionir enden Gel-

Umlaiifsanzahl eines Geldstücks ^ x^. ^, ., „ .

des. Dies Gesetz gilt allgemein.

Der Circulationsprozess eines Landes in einem gegebnen Zeitabschnitt um- fasst zwar einerseits viele zersplitterte , gleichzeitige und räumlich neben einander fallende Verkäufe (resp. Käufe) oder Theilmetamorphosen, worin dieselben Geldstücke nur einmal die Stelle wechseln oder nur einen Um- lauf vollziehn, andrerseits viele tlieils neben einander herlaufende, theils sich in einander verschlingende mehr oder minder gliederreiche Metamor- phosenreihen , worin dieselben Geldstücke mehr oder minder zahlreiche Umläufe zurücklegen. Die Gesammtzahl der Umläufe aller in Circula- tion befindlichen gleichnamigen Geldstücke ergiebt jedoch die D u r c h s c h n i 1 1 s a n z a h 1 der Umläufe des einzelnen Geldstücks oder die Durchschnittsgeschwindigkeit des Geldumlaufs. Die Geldmasse, die bei Beginn z. B. des täglichen Circulationsprozesses in ihn hineingeworfen wird, ist natürlich bestimmt durch die Preissumme der gleichzeitig und räumlich neben einander circulirenden Waaren. Aber inner- halb des Prozesses wird ein Geldstück so zu sagen für das andre verant- wortlich gemacht. Beschleunigt das eine seine Umlaufsgeschwindigkeit, so erlahmt die des andern , oder es fliegt ganz aus der Circulationssphäre heraus, da diese nur eine Goldmasse absorbiren kann , welche multiplicirt mit der mittlem Umlaufsanzahl ihres einzelnen Elements gleich der zu realisirenden Preissumme ist. Wächst daher die Anzahl der Umläufe der Geldstücke , so nimmt ihre circulirende Masse ab. Nimmt die Anzahl ihrer Umläufe ab, so wächst ihre Masse. Weil die Masse des Geldes , die als Circulationsmittel funktioniren kann , bei gegebner Durchschnittsge- schwindigkeit gegeben ist , hat man daher z. B. nur eine bestimmte

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Quantität von Ein-Pfund-Noten in die Cirkulation hinein zu \v(rfen, um eben so viele Soveieigns liinaus zu werfen, ein allen Banken wohlbekanntes Kunststück.

Wie im Geldumlauf überhaupt nur der Circulationsprozess der Waaren erscheint, so in der Geschwindigkeit des Geldumlaufs die Ge- schwindigkeit ihres Formwechsels, das continuirliche Ineinandergreifen der Metaniorphosenreihen, die Hast des Stoffwechsels , das rasche Verschwin- den der Waaren aus der Circulationssphäre und ihr ebenso rascher Ersatz durch neue Waaren. In der Geschwindigkeit des Geldumlaufs erscheint also die flüssige Einheit der entgegengesetzten und sich ergänzen- den Phasen, Verwandlung der Gebrauchsgestalt in Werthgestalt und Rück- verwandlung der Werthgestalt in Gebrauchsgestalt , oder der beiden Pro- zesse des Verkaufs und Kaufs. Umgekehrt erscheint in der Verlangsa- niung des Geldumlaufs die Trennung und gegensätzliche Ver- selbstständigung dieser Prozesse , die Stockung des Formwechsels und daher des Stoffwechsels. W^olier diese Stockung entspringt , ist na- türlich der Circulation selbst nicht aiizusehn. Sie zeigt nur das Phänomen selbst. Der populären Anschauung, welche mit verlangsamtem Geldumlauf das Geld minder häufig auf allen Punkten der Circulationsperipherie er- scheinen und verschwinden sieht, liegt es nah das Phänomen aus mangeln- der Quantität der Circulationsmittel zu deuten 6*).

0') ,,Money being . . . the common measure of buying and selling, every body who has anything to seil, and cannot procure chapmen for it, is presently apt to tliink , that want of money in the kingdom, or country , is the cause why his goods do not go ofF; and so, want of money is the common cry ; which is a great mistake . . . What do these people want, who cry out for money? . . . The Farmer complains . . he tbinks that were more money in the country, he should have a price for his goods . . . Then it seems money is not his want, but a Price for his corn and cattle , which he would seil, biit cannot . . . why cannot he get a price? ... 1) Either there is too much corn and cattle in the country, so that most who come to market have need of selling , as he has, and few of buying: or, 2) There wants the usual vent abroad by Transportation .... Or, 3) The consumption fails, as when men, by reason of poverty , do not spend so much in their houses as formerly they did ; wherefore it is not the increase of specifick money, which would at all advance the farmer's goods, but the removal of any of these three causes, which do truly keep down the market . . The mer- chant and shopkeeper want money in the same manner, that is , they want a vent I. 6

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Das Gesammtqnantum des in jedem Zeitabschuitt als Circulations- mittel functionirendeii Geldes ist also bestimmt einerseits durch die Preis- summe der circulirenden Waarenwelt, andrerseits durch den langsamer« oder raschern Fluss ihrer gegensätzlichen Circulationsprozesse, von dem es abhängt, der wievielte Theil jener Preissumme durch dieselben Geldstücke realisirt werden kann. Die Preissumme der Waaren hängt aber ab sowohl von der Masse als den P r e i s e n jeder Waarenart. Die drei Faktoren der Preisbewegung, der circulirenden Waaren- masse und endlich der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes können aber in verschiedner Richtung und verschiednen Verhältnissen wechseln, die zu realisirende Preissumme, daher die durch sie bedingte Masse der C i r c u 1 a t i o n s m i 1 1 e 1, also sehr zahlreiche Cora- binationen untergehn. Wir zählen hier nur die in der Geschichte der Waarenpreise wichtigsten auf.

Bei gleichbleibenden W a a r e n p r e i s e n kann die Masse der Circulationsmittel wachsen , weil die Masse der circulirenden Waaren zu- nimmt oder die ümlaufsgeschwindigkeit des Geldes abnimmt, oder beides zusammenwirkt. Die Masse der Circulationsmittel kann umgekehrt ab- nehmen mit abnehmender Waarenmasse oder zunehmender Circulations- geschwindigkeit.

Bei allgemein steigenden W a a r e n p r e i s e n kann die Masse der Circulationsmittel gleichbleiben , wenn die Masse der circulirenden Waaren in demselben Verhältnlss abnimmt, worin ihr Preis zunimmt, oder die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes eben so rasch zunimmt als die Preiserhöhung, während die cirkuUrende Waarenmasse constant bleibt.

for the goods they deal in, by reason that the markets fail ... in a nation never thrives better, than -vvhen riches are tost from band to band." (Sir Dudley North: ,,üiscourses upon Trade. Lond. 1691", p.U — 15 passim.) Herrenscb wand's Schwindeleien kommen alle darauf hinaus, dass die aus der Natur derWaare entspringenden und daher in der Waarencirculation erscheinenden Widersprüche durch Vermehrung der Circulationsmittel beseitigt werden können. Aus der Volksillusion, welche Stockungen des Produktions- und Circulationsprozesses einem Mangel an Circulationsmitteln zuschreibt, folgt übri- gens keineswegs iimgekehrt , dass wirklicher Mangel an Circulationsmitteln, z. B. in Folge officieller Pfuschereien mit der ,,regulation of currency", nicht seinerseits Stockungen hervorrufen kann.

Die Masse der Circiilationsniittel kann fallen , weil die Waarenniasse rascher ab- oder die Umlaufsgeschwindigkeit rascher zunimmt als die Preise.

Bei allgemein fall enden Waaren preisen kann die Masse der Circulationsmittel gleichbleiben , wenn die Waarenniasse in demselben Verhältniss wächst, worin ihr Preis fällt , oder die ümlaufsgeschwindigkeit des Geldes in demselben Verhältniss abnimmt wie die Preise. Sie kann wachsen , wenn die Waarenniasse rascher wächst oder die Circulations- geschwiudigkeit rascher abnimmt als die Waarenpreise fallen.

Die Variationen der verschiedenen Faktoren können sich wechselsei- tig compensiren, so dass ihrer beständigen Unstätigkeit zum Trotz die zu lealisirende Gesammtsumme der Waarenpreise constant bleibt, also auch die circulirende Geldmasse. Man findet daher, namentlich bei Betrach- tung etwas längerer Perioden, ein viel constanteres Durchschnitts- n i V e a u d e r in j e.d e m Lande c i r c u 1 i r e n d e n G e 1 d m a s s e und, mit Ausnahme starker Perturbationen, die periodisch aus den Produktions- und Handelskrisen , seltner aus einem Wechsel im Geldwerth selbst ent- springen, viel geringere Abweichungen von diesem Durchschnittsniveau als man nach dem Augenschein erwarten sollte.

Das Gesetz , dass die Quantität der Circulationsmittel bestimmt ist durch die Preissumme der circulirenden Waaren und die Durchschnitts- geschwindigkeit des Geldumlaufs 6-) , kann auch so ausgedrückt werden.

"-) ,,There is a certain measure, and proportion of money requisite to drive the trade of a nation, more or less than which, wouldprejudice thesame. Justas there is a certain proportion of farthings necessary in a sinall retail Trade, to change siiver money, and to even such reckonings as cannot be adjusted with the smallest siiver pieces . . . Now as the proportion of the number of farthings re- •luisite in commerce is to be taken from the number of people , the frequency of their exchanges ; as also, and principally , from the value of the smallest *ilver pieces of money ; so in like manner, the proportion of money (gold and siiver species) requisite to our trade, is tobe likewise taken from the frequency of commutations, and from the bigness of payments." (Wil- liam Petty: ,,A Treatise on Taxes and Co n t ribu ti ons. Lond. 1667'-, p. 17.) Die Hume'sche Theorie ward gegen J. Stouart u. A. ver- theidigt von A. Young in seiner ,,PoliticalArithmetic. Lond. 1774", wo ein eignes Kapitel: ,,Prices depend on quantity of money", p.

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dass bei gegebner Werthsumme der Waareu und gegebner Durchschnitts- geschwindigkeit ihrer Metamorphosen , die Quantität des umlaufenden Geldes oder des Geldmaterials von seinem eignen Werth abhängt. Die Illusion, dass umgekehrt die Waareupreise durch die Masse der Circu- lationsmittel und letztre ihrerseits durch die Masse des in einem Lande befindlichen Geldmaterials bestimmt werden ^^), wurzelt bei ihren ursprüng- lichen Vertretern in der abgeschmackten Hypothese, dass Waaren ohne Preis und Geld ohne Werth in den Circulationsprozess eingehn.

112 sqq. Ich bemerke ,,Zur Kritik etc. p. 149": ,,T)'ie Frage über die Quantität der circulirenden Münze beseitigt er (A. Smith) stillschweigend, indem er das Geld ganz falsch als blosse Waare behandelt." Diess gilt nur, so- weit A. Smith ex officio das Geld behandelt. Gelegentlich jedoch , z. B. in der Kritik der früheren Systeme der Pol. Oekon. , spricht er das Richtige aus : ,,The quantity of coin in every country is regulated by the value of the commodities which are to be circulated by it . . . . The value of goods annually bought and sold in any country requires a certain quantity of mouey to circulate and distri- bute them to their proper consumers , and can give employment to no more. The Channel of circulation necessarily draws to itself a sum sufficient to fill it , and never admits any more." (Wealth of Nations, 1. IV. eh. I.) Aehnlich eröffnet A. Smith sein Werk ex officio mit einer Apotheose der Theilung der Arbeit. Hinterher, im letzten Buch über die Quellen des Staatseinkommens, reproducirt er gelegentlich A. Ferguson's, seines Lehrers, Denunciation der Thei- lung der Arbeit.

<53) ,,The prices of things will certainly rise in every nation , as the gold and silver increase amongst the people ; and , consequently , where the gold and silver deerease in any nation, the prices of all things must fall proportionably to such decrease of money." (Jacob Vanderlint: ,,Money answers all Things". Lond. 1734, p. 5.) Nähere Vergleichung zwischen Vanderlint und Hume's ,,Essays" lässt mir nicht den geringsten Zweifel, dass Hume V.'s übrigens sehr bedeutende Schrift kannte und benutzte. Die Ansicht , dass die Masse der Circulationsmittel die Preise bestimmt , auch bei Barbon und noch viel älteren Schriftstellern. ,,No inconvenience" , sagt Vanderlint, ,,can arise by an unrestrained trade, but very great advantage . . . since, if the cash of the nation be decreased by it, which prohibitions are designed to prevent, those nations that get the cash will certainly find every thing advance in price , as the cash increases amongst them. And .... our manufactures and every thing eise, will soon become so moderate as to turn the balance of trade in our favour, and thereby fetch the money back again." (1. c. p. 44.)

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P •

wo sich dann ein aliquoter Tlieil dos Waarenbreis mit einem aliquoten

Theil des Metalibergs austausche ^■*). "

c) Die Münze. Da s Wer th z eich en. Aus der Funktion des Geldes als Circulationsmittel entspringt seine

"■') Dass jede einzelne Waarenart durch ihren Preis ein Element der Preissumme aller cir cxi li r en d en Waaren bildet, ist selbstverständ- lich. Wie aber unter einander incommensurable Ge br au chs we rth e sich en masse mit der in einem Land befindlichen Gold- oder Silbermasse austauschen sollen, ist völlig unbegreiflich. Verschwindelt man die Waarenwelt in eine ein- zige G esamm t waar e , wovon jede Waare nur einen aliquoten Theil bildet, so kommt das schöne Rechenexempel heraus: Gesammtwaare = x Ctr. Gold, Waare A = aliquoter Theil der Gesammtwaare = demselben aliquoten Theil von X Ctr. Gold. Diess ehrlich heraus bei M o n t e s q u i e u : ,,Si l'on compare la masse de Tor et de l'argent qui est dans le monde , avec la somme des marchandiscs qui ysont, il est certain que chaque denree ou marchandise , en particulier, pourra etre compare'e li une certaine portion de l'autre. S n pposons q u'il n'y ai t q u ' u n e s e u 1 e denree o u marchandise dans 1 e monde, ou qu'il n'y .nit qii'iine seule qui s'achete, et qii'elle se divise comme l'argent; cette pavtie de cette marchandise repondra a une partie de la masse de l'argent ; la nioitie du total de Tune a la moitie du total de l'autre etc. . . . l'etablissement du prix des choses depend toujours fondamentalenient de la raison du total des choses au total des signes." (Montesquieu, 1. ct. III, p. 12, \3.) Ueber die Weiterentwicklung dieser Theorie durch Ricardo , seinen Schüler James Mill, Lord Overstone u. s. w. vgl. ,,Zur Kritik u. s. w." p. 140 — 146 u. p. 150 seqq. Herr J. St. Mill versteht es, mit der ihm geläufigen eklektischen Logik, der Ansicht seines Vaters J. Mill und zugleich der entgegengesetzten zu sein. Vergleicht man den Text seines Compendiums : ,,Princ. of Pol. Econ." mit der Vorrede (erste Ausgabe) , worin er sich selbst als Adam Smith der Gegen- wart ankündet, so weiss man nicht, was mehr bewundern, die Naivetät des Mannes oder die des Publikums , das ihn auf Treu und Glauben in den Kauf nahm als Adam Smith , zu dem er sich etwa verhält wie General Williams Kars von Kars zum Herzog von Wellington. Die weder umfangreichen noch gehaltreichen <3ri- ginalforschungen des Herrn J. St. Mill im Gebiet der Pol. Oek. findet man alle in Reih' und Glied aufmarschirt in seinem 1844 erschienenen Schriftchen : ,,Some Unsettled Questions ofPolitical Economy". Locke spricht direkt den Zusammenhang zwischen der Wer thl osigkei t von Gold und Silber und der Bestimmung ihres Werths durch Quantität aus. ,,Mankind having consented to put an imaginary value upon gold and silver . . . the intrinsick value, regarded in these metals , is nothing but the quantity." ,,Some Considerations etc. 1691". Works ed 1777, vol. II, p. 15.

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Münzgestalt. Der in dem Preise oder Geldnamen der Waaren vorge- stellte Gewichtstheil Gold muss ihnen in der Circulation als gleichnamiges Goldstück oder Münze gegenübertreten. Wie die Feststellung des Massstabs der Preise , fällt das Geschäft der Münzung dem Staat anheim. In den verschiedenen Nationaluniformen , die Gold und Silber als Münzen tragen, auf dem Weltmarkt aber wieder ausziehn , erscheint die Scheidung zwischen den Innern oder nationalen Sphären der Waarencirculation und ihrer allgemeinen Weltmarktssphäre.

Goldmünze und Barrengold unterscheiden sich also von Haus aus nur durch die Figur, und das Gold ist beständig aus einer Form in die andre verwandelbar *5'5). Der Weg aus der Münze ist aber zugleich der Gang zum Schnielztiegel. Im Umlauf verschleissen nämlich die Goldmünzen, die eine mehr, die andre weniger. Goldtitel und Goldsubstanz , Nominal- gehalt und Realgehalt beginnen ihren Scheidungsprozess. Gleichnamige Goldmünzen werden von ungleichem Werth , weil verschiednem Gewicht. Das Gold als Circulationsmittel weicht ab vom Gold als Massstab der Preise , und hört damit auch auf wirkliches Aequivalent der Waaren zu sein , deren Preise es realisirt. Die Geschichte dieser Wirren bildet die Münzgeschichte des Mittelalters und der Neuzeit bis ins 18. Jahrhundert. Die naturwüchsige Tendenz des Cirkulationsprozesses, das Goldsein der Münze in Goldschein oder die Münze in ein Symbol ihres officiellen Metall- gehalts zu verwandeln , ist selbst anerkannt durch die modernsten Gesetze

ßs) Es liegt natürlich ganz jenseits meines Zwecks, Details wie Schlagschatz u, dgl. zu behandein. Gegenüber dem romantischen S3"kophanten Adam Müller jedoch, der ,, die grossartige Liberalität" bewundert, womit die ,, eng- lische Regierung unentgeldlich münzt'', folgendes Urtheil Sir Dud- ley North's : ,,SiIver and gold , like other commodities , have their ebbings and flowings. Upon the arrival of quantities from Spain ... it is carried into the Tower, and coined. Not long after there will come a demand for buUion, to be exported again. If there is none, but all happens to be in coin , what then? Melt it down again; there's no loss in it, for the coining costs the owner nothing. Thus the nation has been abused , and made to pay for the twisting of straw , for asses to eat. If the merchant (North war selbst einer der grössten Kaufleute zu Charles II. Zeit) had to pay the price of the coinage, he would not have sent his silver to the Tower without consideration ; and coined money would always keep a value above uncoined silver. " (North 1. c. p. 18.)

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über den Grad des Metallverliistes , der ein Goldstück kursunfähig macht oder demonetisirt.

Wenn der Geldumlauf selbst den Realgehalt vom Nomiualgehalt der Münze scheidet, ihr Metalldasein von ihrem funktionellen Dasein, so enthält er die Möglichkeit latent, das Metallgeld in seiner Münzfunktiou durch Marken aus andrem Material oder Symbole zu ersetzen. Die tech- nischen Hindernisse der Münzung ganz diminutiver Gewichtstheile des Goldes, resp. Silbers, und der Umstand , dass niedrigere Metalle ursprüng- lich statt der edleren , Silber statt des GoJdes , Kupfer statt des Silbers, zum Werthraass dienen und daher als Geld circuliren im Augenblick, wo das edlere Metall sie entthront, erklären historisch die Rolle von Silber- und Kupfermarken als Substitute der Goldmünze, Sie ersetzen das Gold in den Kreisen der Waarencirculation , worin die Münze am schnellsten circulirt und sich daher am schnellsten abnutzt , d. h. wo Käufe und Ver- käufe unaufhörlich im kleinsten Massstab erneuert werden. Um die Fest- setzung dieser Trabanten au der Stelle des Goldes selbst zu verhindern, werden gesetzlich die sehr niedrigen Proportionen bestimmt, worin sie allein an Zahlungsstatt für Gold angenommen werden müssen. Die be- sondern Kreise, worin die verschiednen Münzsorten umlaufen, laufen natür- lich in einander. Die Scheidemünze erscheint neben dem Gold zur Zah- lung von Bruchtheilen der kleinsten Goldmünze ; das Gold tritt beständig iii die Detailcirculation ein , wird aber durch Auswechslung mit Scheide- münze ebenso beständig herausgeworfen ^O).

Der Metallgehalt der Sifter- oder Kupfermarken ist willkührlich durch das Gesetz bestimmt. Im Umlauf verschleissen sie noch rascher als die

'^'') ,,If silver never exceed what is wanted for the smaller payments, it cannot be collected in sufticient quantities for the larger pajments . . . the use of gold in the mai'n payments necessarily implies also its use in the retail trade : those who have gold coin offering them for small purchases , and reeeiving with the commo- dity purchased a balance of silver in return ; by which means the surplus of silver that would otherwise encumber the retail dealer, is drawn off and dispersed into general circulation. But if there is as much silver as will transact the small pay- ments independent of gold, the retail dealer raust then receive silver for small pur- chases ; andit must of necessity accumulate in his hands." (David Buchanan: ,,Inquiry into the Taxation and Commercial Policy of Great Btitain. Edinburgh 1844", p. 248, 249.)

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Goldmünze. Ihre Münzfunktion wird daher faktisch durchaus nnabhängig von ihrem Gewicht, d. h. von allem Werth. Das Münzdasein des Goldes scheidet sich völlig von seiner Werthsubstanz. Relativ werthlose Dinge, Papier Zettel, können also an seiner Statt als Münze funktioniren. In den metallischen Geldmarken ist der rein symbolische Charakternoch eini- germassen versteckt. Im Papiergeld tritt er augenscheinlich hervor. Man sieht : ce n'est que le premier pas qui coüte.

Es handelt sich hier nur von Staatspapiergeld mit Zwangs- kurs. Es wächst unmittelbar aus der metallischen Circulation heraus. Creditgeld unterstellt dagegen Verhältnisse, die uns vom Standpunkt der einfachen Waarencirculation noch durcliaus unbekannt sind. Im Vor- beigehn sei jedoch bemerkt, dass, wie eigentliches Papiergeld aus der Funktion des Geldes als Circulationsmittel entspringt, das Cre- ditgeld in der Punktion des Geldes als Zahlungsmittel seine natur- wüchsige Wurzel besitzt ^^).

Papierzettel, denen Geldnamen, wie 1 Pfd. St., 5 Pfd. St. u. s. w. aufgedruckt sind, werden vom Staat äusserlich in den Circulationsprozess hineingeworfen. Soweit sie wirklich an der Stelle der gleichnamigen Goldsumme circulireu, spiegeln sicli in ihrer Bewegung nur die Gesetze des

•''■') Der Finanzmandarine Wan-mao-in Hess sich beigehn, dem Sohn des Himmels ein Projekt zu unterbreiten, welches versteckt auf Verwandlung der chi- nesischen Reichsassignaten in convertible Banknoten hinzielte. Im Bericht des Assignaten -Comites von April 1854 erhält er gehörig den Kopf gewaschen. Ob er auch die obligate Tracht Bambushiebe erhielt, wird nicht gemeldet. ,,Das Comite", lautet es am Schluss des Berichts, ,,hat sein Projekt aufmerksam er- wogen und findet, dass alles in ihm auf den Vortheil der Kaufleute ausgeht und nichts für die Krone vortheilhaft ist. " (,, Arbeiten der Kaiserlich Russi- schen Gesandtschaft zu Peking über China. Aus dem Russi- schen von Dr. K. Abel und F. A. Mecklenburg. Erster Band. Berlin 18.58", p. 47 sq.) Ueber die beständige Entmetallung der Goldmünzen durch ihren Umlauf sagt ein ,,Governor" der Bank of England als Zeuge vor dem ,,House of Lords' Committee" (über ,,Bankacts") : ,, Jedes Jahr wird eine frische Klasse von Souverainen (diess nicht politisch, sondern der So- ■ vereign ist Name des Pfd. St. ) zu leicht. Die Klasse, welche das eine Jahr als voll- wichtig passirt , verliert durch den Verschleiss hinreichend, um das nächste Jahr die Wagschale gegen sich zu drehn." (H. o. Lords' Committee 1848, n. 429.)

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Geldumlaufs selbst wiecler. Ein spezifisches Gesetz der Papiercirciilation kann nur aus ihrem Repräsentationsverhältniss zum Gold entspringen. Und diess Gesetz ist einfach diess , dass die Ausgabe des Papiergelds auf d i e Quantität zu beschränken ist, worin das von ihm symbolisch dargestellte Gold (resp. Silber) wirklich circuliren müsste. Nun schwankt zwar das Goldquantum, welches die Circulationsspliäre absorbiren kann , beständig über oder unter ein gewisses Durclisclmittsniveau. Jedoch sinkt die Masse des circulirenden Mediums in einem gegebnen Land nie unter ein gewisses Minimum, das sich erfahrungsmässig feststellt. Dass diese Minimalmasse fortwährend ihre Bestandtheile wechselt , d. h. aus stets an- dern Goldstücken besteht, ändert natürlich nichts an ihrem Umfang und ihrem constanten Umtrieb in der Circulationsspliäre. Sie kann daher durch Papiersymbole ersetzt werden. Werden dagegen beute alle Circiüations- kanäle zum vollen Grad ihrer Geidabsorptionsfähigkeit mit Papiergeld ge- füllt , so können sie in Folge der Schwankungen der Waarencirculation morgen übervoll sein. Alles Mass geht verloren. Ueberschreitet aber das Papier sein Mass, d. h. die Quantität von Goldmünze gleicher Deno- mination, welche circuliren könnte, so stellt es, von der Gefahr allgemeiner Discreditirung abgesehn, innerhalb der Waarenwelt dennoch nur die durch ihre immanenten Gesetze bestimmte, also auch allein repräsentirbare Gold- quantität vor. Stellt die Papierzettelmasse z. B. je 2 Unzen Gold , statt je 1 Unze dar, so werden ihre Geldnamen faktisch, sage etwa von 1 Pfd. St. per 1/4 Unze, zu Namen von '/g Unzen herabgesetzt. Die Wirkung ist dieselbe, als wäre das Gold in seiner Funktion als Mass der Preise verändert worden. Dieselben Werthe, die sich daher vorher im Preise von 1 Pfd. St., drücken sich jetzt im Preise von 2 Pfd. St. aus.

Das Papiergeld ist Gold zeichen oder Geldzeichen. Sein Ver- hältniss zu den Waaren wert h en besteht nur darin, dass sie ideell in den- selben Goldquanta ausgedrückt sind, welche vom Papier symbolisch sinn- lich dargestellt werden. Nur sofern das Papiergeld Goldquanta repräsen- tirt , die , wie alle andern Waarenquanta , aucli Werthquanta , ist es W^er thze ich en.

Es fragt sich schliesslich , warum das Gold durch blosse werthlose Zeichen seiner selbst ersetzt werden kann ? Es ist aber, wie man geselm, nur so ersetzbai-, soweit es in seiner Funktion als Münze oder Circulations- mittel isolirt oder verselbstständigt wird. Nun findet die Verselbststän-

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digiing dieser Funktion zwar nicht für die einzelnen Goldmünzen statt, obgleich sie in dem Fortcirculiren verschlissener Goldstücke erscheint. Blosse Münze oder Circulationsmittel sind die Goldstücke grade nur so lang sie sich wirklich im Umlauf befinden. Was aber nicht für die ein- zelne Goldmünze, gilt für die vom Papiergeld ersetzbare Minimalmasse Gold. Sie haust beständig in der Circulationssphäre, funktionirt fortwäh- rend als Circulationsmittel und existirt daher ausschliesslich als Träger dieser Funktion. Ihre Bewegung stellt also nur das fortwährende Inein- anderumschlagen der entgegengesetzten Prozesse der Waarenmetaraor- phose W ^ — G — W dar, worin der Waare ihre Werthgestalt nur gegen- tibertritt, um sofort wieder zu verschwinden. Die selbstständige Darstellung des Tauschwer ths der Waare ist hier nur flüch- tiges Moment. Sofort wird sie wieder durch andere Waare ersetzt. Da- her genügt auch die bloss symbohsche Existenz des Geldes in einem Pro- zess, der es beständig aus einer Hand in die andre entfernt. Sein funk- tionelles Dasein absorbirt so zu sagen sein materielles. Verschwindend objektivirter Reflex der Waarenpreise funktionirt es nur noch als Zeichen seiner selbst und kann daher auch durch Zeichen ersetzt werden ^^j. Nur bedarf das Zeichen des Geldes seiner eignen objektiv gesellschaft- lichen Gültigkeit und diese erhält das Papiersymbol durch den Zwangskurs. Nur innerhalb der von den Grenzen eines Gemeinwesens umschriebnen oder Innern Circulationssphäre gilt dieser Staatszwang, aber mich nur hier geht das Geld völlig auf in seine Funktion als Circulations- mittel oder Münze, und kann daher im Papiergeld eine von seiner Metall- substanz äusserlich getrennte und bloss funktionelle Existenzweise er- halten.

^ä) Daraus , dass Gold und Silber als Münze oder in der ausschliesslichen Funktion als Circulationsmittel zu Zeichen ihrer selbst werden, leitet Nicholas Barbon das Recht der Regierungen her ,,to raisemoney", d.h., z. B. einem Quantum Silber, das Groschen hiess, den Namen eines grössern Silberquantums wie Thaler zu geben, und so den Gläubigern Groschen statt Thaler zurückzuzahlen. ,,Money does wear and grow lighter by often telling over . . . It is the d eno m i n atio n and currency of the money that men regard in bargaining, and not the quantity of silver . . . 'Tis the publick authority upon the metal that makes it money." (N. Barbon 1. c. p. 29, 30, 25.)

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C. Geld.

Die AVaare, welche als Werthiuass und daher aucli, persöulich oder durch Stellvertreter, als Circul atioiismi ttel funktioiiirt, ist Geld. Gold (resp. Silber) ist daher Geld. Als Geld funktionirt es, einerseits wo es in seiner goldnen (resp. silbernen) Leiblichkeit erscheinen uiuss. daher als G e 1 d w a a r e , also weder bloss ideell, wie im Werthmass, noch repräsentationsfähig-, wie im Circulationsraittel ; andrerseits, wo seine Funk- tion, ob es selbe nun in eigner Person oder durch Stellvertreter vollziehe, es als alleinige W e r t h g e s t a 1 1 oder allein adäquates Dasein des T a u s c h w e r t h s allen andern Waaren als blossen Gebrauchs- w e r t h e n gegenüber f i x i r t.

a) S c h a t z b i 1 d u n g.

Der continuirliche Kreislauf der zwei entgegengesetzten Waaren- raetamorphosen oder der flüssige Umschlag von Verkauf und Kauf er- scheint im rastlosen Umlauf des Geldes oder seiner Funktion als per- petuum mobile der Circulation. Es wird immobilisirt, oder verwandelt sich, wie Boisgnillebert sagt , aus m e u b 1 e in i m m e u b 1 e , aus Münze in Geld, sobald die Metamorphosenreihe unterbrochen, der Verkauf nicht durch nachfolgenden Kauf ergänzt wird.

Mit der ersten Entwicklung der Waareucirculation selbst entwickelt sich die Nothwendigkeit und die Leidenschaft, das Produkt der ersten Metamorphose, die verwandelte Gestalt der Waare oder ihre Goldpuppe festzuhalten ^'^j. Waare wird verkauft, nicht um Waare zu kaufen , son- dern um Waarenform durch Geldform zu ersetzen. Aus blosser Vermitt- lung des Stoffwechsels wird dieser Forrawechsel zum Selbstzweck. Die e n t ä u s s e r 1 6 Gestalt der Waaie wird verhindert als ihre absolut v e r - ausser liehe Gestalt oder nur verschwindende Geldform zu funktiouiren. Das Geld versteinert damit zum Schatz, und der Waarenverkäufer wird S c h a t z b i 1 d n e r.

Grade in den Anfängen der Waareucirculation verwandelt sich nur der Ueberschuss an Gebrauchswerthen in Geld. Gold und Silber werden so von selbst zu gesellschaftlichen Ausdrücken des Ueberflusses oder des

^'^) ,,Une richesse en argent ii'est que . . . richesse en productions, con- verties en argent." (Mercier de la Riviere 1. c. p. .557.) ,,Une valeur en productions n'a fait que changer de forme." (id. p. 486.)

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Reichthums. ' Diese naive Form der Scliatzbildung verewigt sich bei Völ- kern, wo der traditionellen und auf Selbstbedarf gerichteten Produktions- weise ein fest abgeschlossner Kreis von Bedürfnissen entspricht. So bei den Asiaten , namentlich den Indern. V a n d e r 1 i n t , der die Waaren- preise durch die Masse des in einem Land befindlichen Goldes und Silbers bestimmt wähnt, fragt sich, warum die indischen Waaren so wohlfeil? Antwort: Weil die Inder das Geld vergraben. Von 1602 — 1734, be- merkt er, vergruben sie 150 Millionen Pfd. St. Silber, die ursprünglich von Amerika nach Europa kamen '70). Von 1856 — 1866, also in 10 Jahren, exportirte England nach Indien und China (das nach China exportirte Me- tall fliesst grossentheils wieder nach Indien) 120 Millionen Pfd. St. in Silber, welches vorher gegen australisches Gold eingewechselt wurde.

Mit mehr entwickelter Waarenproduktion muss jeder Waarenpro- ducent sich den nexus rerum, das ,, gesellschaftliche Faustpfand" sichern '^^j. Seine Bedürfnisse erneuern sich unaufhörlich und gebieten unaufhörlichen Kauf fremder Waare , während Produktion und Verkauf seiner eignen VVaare Zeit kosten und von Zuftillen abhängen. Um zu kaufen, ohne zu verkaufen, muss er vorher verkauft haben , ohne zu kaufen. Diese Ope- ration, auf allgemeiner Stufenleiter ausgeführt, scheint sich selbst zu wider- sprechen. An ihren Produktionsquellen jedoch tauschen sich die edlen Metalle direkt mit andern Waaren aus. Es findet hier Verkauf (auf Seite der Waarenbesitzer) ohne Kauf (auf Seite der Gold- und Silberbesitzer) statt '7-). Und spätere Verkäufe ohne nachfolgende Käufe vermitteln bloss die weitere Vertheilung der edlen Metalle unter alle Waarenbesitzer. So entstehn auf allen Punkten des Verkehrs Gold- und Silberschätze vom verschiedensten Umfang. Mit der Möglichkeit, die Waare als Tausch- werth oder den Tauschwertli als Waare festzuhalten, erwacht die Goldgier. Mit der Ausdehnung der Waarencireulation wächst die Macht des Geldes, der stets schlagfertigen , absolut gesellschaftlichen Form des Reichthums. ,,Gold ist ein wunderbares Ding ! Wer dasselbe besitzt, ist Herr von

'") 'Tis by this practice they kecp all their goods and manxifactures at such low rates." (Vanderlint 1. c. p. 95, 96.)

"') ,,Money is a pledge." (John Bellers: ,, Essays ahoul the Poor, Manufac tures , Trade, Plantations, and Iramorality. Lond. 1699", p. 13.)

'2) Kauf im kategorischen Sinn unterstellt nämlich Gold oder Silber schon als verwandelte Gestalt der Waare, oder als Produkt des Verkaufs.

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allem, was er wüuscbt. Durch Gold kann man sogar Seelen in das Para- dies gelangen lassen." (Coliunbus, im Biief aus Jamaica, 1503). Da dem Geld nicht anzAisehn , was in es verwandelt ist , verwandelt sich alles, Waare oder nicht , in Geld. Alles wird verkiluflich und kaufbar. Die Circulation wird die grosse gesellsciiaftliche Retorte, worin alles hinein- fliegt, um als Geldkrystall wieder herauszukommen. Dieser Alchymie wider- stehen nicht einmal Heiligenknochen und noch viel weniger minder grobe res sacrosanctae , extra commercium hominum"-^). Wie im Geld aller qualitative Unterschied der Waaren ausgelöscht ist , löscht es seinerseits als radikaler Leveller alle Unterschiede aus"^). Das Geld ist aber selbst Waare, ein äusserlich Ding, das Privateigenthum eines Jeden werden kann. Die gesellschaftliche Macht wird so zur Privatmacht der Privatperson. Die antike Gesellschaft denuncirt es daher als die Scheidemünze ihrer ökonomischen und sittlichen Ordnung '^2). Die moderne Gesellschaft , die

"■*) Heinrich III. , allerchristlichster König von Frankreich , raubt Klöstern u. s. w. ihre Reliquien, um sie zu versilbern. Man weiss, welche Rolle der Raub der delphischen Tenipelschätze durch die Phokier'in der griechischen Geschichte spielt. Dem Gott der Waaren dienten bei den Alten bekanntlich die Tempel zum Wohnsitz. Sie waren ,, heilige Banken". Den Phöniziern, einem Handelsvolke par «xcelience, galt Geld als die entäusserte Gestalt aller Dinge. Es war daher in der Ordnung, dass die Jungfrauen, die sich an den Festen der Liebesgöttin den Fremden hingaben, das zum Lohn empfangene Gel.dstück der Göttin opferten. '■') ,,Gold ! yellow, glittering precious gold I

Thus much of this, will make black white; foul, fair; Wrong, right ; base, noble; old, young ; coward, valiant

What this, you gods ! Why this

Will lug your priests and servants'tVom your sides ; Pluck stout men's jjillows from below their heads. This yellow slave

Will knit and break religions ; bless the accurs'd ; Make the hoar leprosy ador'd ; place thieves And give then» title, knee and approbation, With Senators of the bench ; this is it, That makes the wappen'd widow wed again

Come damned earth,

Thou common whore of mankind."

(Shakespeare. Timon of Athens.) "5) „Ovöiy y(<o ak'O-nivnoiaiy oiov aoyvQo^'

Kcixov v6f.tiau('. t^ihtazf lovro x«!, tio/.H',' ITogx'HT, t66 af^ods i^<'.vl(Jtr,aiv iSouuiv. 7o<r txStd'äay.n xai TjcQaklnaatt (pQtun;

Kai Tica'rb^' 'ioyov dvaaifitiai' tlJt'ycei."

(Sophocles, Antigene.)

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schon in üiren Kinderjabren den Plntus an den Haaren aus den Eingewei- den der Erde herauszieht ''6), begrüsst im Goldgral die glänzende Incarna- tion ihres eigensten Lebensprinzips.

Die Waare als Gebranchsvverth befriedigt ein besondres Bedürfnisa und bildet ein besondres Elemen/; des stofflichen Reichthiims. Aber der Werth der Waare inisst den Grad ihrer Attraktionskraft auf alle Ele- mente des stofflichen Reichthums, daher den gesellschaftlichen R e i c h t h n m ihres Besitzers. Dem barbarisch einfachen Waarenbesitzei-, selbst einem westeuropäischen Bauer, ist der Werth unzertrennlich von der Werthform , Vermehrung des Gold - und Silberschatzes daher Werthver- mehrung. Allerdings wechselt der Werth des Geldes, sei es in Folge sei- nes eignen Werthwechsels , sei es des Werthwechsels der Waaren. Diess verhindert aber einerseits nicht, dass 200 Unzen Gold nach wie vor mehr Werth enthalten als 100, 300 mehr als 200 u. s. w. , noch andrerseits- dass die metallne Naturalform dieses Dings die aligemeine Aequivaleut- form aller Waaren bleibt, die unmittelbar gesellschaftliche Incarnation aller menschlichen Arbeit. Der Trieb der Schatzbildung ist von Natur masslos. Qualitativ oder seiner Form nach ist das Geld schranken- los, d. h. allgemeiner Repräsentant des stofflichen Reichthums, well in jede Waare unmittelbar nmsetzbar. Aber zugleich ist jede wirkliche Geld- summe quantitativ beschränkt, daher auch nur Kaufmittel von be- schränkter Wirkung. Dieser Widerspruch zwischen der quantitativen Schranke und der qualitativen Schrankenlosigkeit des Geldes treibt den Schatzbildner stets zurück zur Sisyphusarbeit der Accnmulation, Es geht ihm wie dem Welteroberer , der mit jedem neuen Land nur eine neue Grenze erobert.

Um das Gold als Geld festzuhalten und daher als Element der Schatz- bildung, muss es verhindert werden zu circuliren oder als Kauf mittel sich in Genussmittel aufzulösen. Der Schatzbildner opfert daher dem Goldfetisch seine Fleischeslust. Er macht Ernst mit dem Evangelium der Entsagung. Andrerseits kann er der Circulation nur in Geld entziehn, was er ihr in Waare giebt. Je mehr er producirt , desto mehr kann er verkaufen. Arbeitsamkeit, Sparsamkeit und Geiz bilden daher seine Kar-

Jl^ovzwytc." (Athen. Deipnos.)

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(linaltugenden , viel verkaufen , wenig kaufen , die Summe seiner politi- schen Oekonomie^^).

Neben der unmittelbaren Form des Schatzes läuft seine ästheti- sche Form, der Besitz von Gold- und Silberwaaren. Er wächst mit dem Reichthum der bürgerlichen Gesellschaft. ,,Soyons riches ou parais- sons riches." (Diderot.) Es bildet sich so theils ein stets ausgedehnterer Markt für Gold und Silber , unabhängig von ihren Geldfunktionen , theils eine latente Znfuhrquelle des Geldes , die namentlich in gesellschaftlichen Sturmperioden fliesst.

Die Schatzbildung erfüllt verschiedne Funktionen in der Oekonomie der metallischen Circulation. Die nächste Funktion entspringt aus den Umlaufsbedingungen der Gold- oder Silbermünze. Man hat gesehn , wi& mit den beständigen Schwankungen der Waarencirculation in Umfang, Preisen und Geschwindigkeit die Umlaufsmasse des Geldes rastlos ebbt und fluthet. Sie muss also der Contraktion und Expansion fähig sein. Bald muss Geld als Münze attrahirt, bald Münze als Geld repellirt werden. Damit die wirklich umlaufende Geldmasse dem Sättigungsgrad der Circu- lationssphäre stets entspreche, muss das in einem Lande befindliche Gold- oder Silberquantum grösser sein als das in Münzfunktion begriffene. Diese Bedingung wird erfüllt durch die Schatzforni des Geldes. Die Schatz- reservoirs dienen zugleich als Abfuhr- und Zufuhrkanäle des cirkuliren- den Geldes, welches seine Umlaufskanäle daher nie überfüllt ^^).

"") ,,Accrescerc qiianto piii si puo il numero de' venclitori d'ogni merce , di- minuire quanto piii si puö il numero dei compratori, (juesti sono i cardini sui quali si raggirano tutte le operazioni di economia politica." (Verri 1. c. p. 52.)

"^) ,,There is required for carrying on the trade of the nation, a determiuate sum of specifick Money, which varies, and is sometimes niore, sometimes less , as the circumstances we are in require .... This ebbing and flowing of money, supplies and accommodates itself , without any aid of Politicians . . . The buckets work alternately ; when money is scarce, bullion is coined; whenbullionis scarce, money is melted." (Sir D. North 1. c. p. 22.) John Stuart Mill, lange Zeit Beamter der ostindischen Compagnie , bestätigt , dass in Indien immer noch der Silberschmuck unmittelbar als Schatz functionirt. Die ,,silver Ornaments are brought out and coined when there is a high rate of interest , und go back again when the rate of interest falls." (J. St. Mi ll's E vi den c e. Repts on Bankacts 1857, n. 2084.) Nach einem parlamentarischen Document von 1864 über Gold- und Silber-Import und Export in Indien, überstieg 1863 der

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b) Zahlungsmittel.

In der bisher betrachteten unmittelbaren Form der Waarencirkulation \var dieselbe Werthgrösse stets doppelt vorhanden, Waareaufdem einen Pol, <jeld auf dem Gegenpol. Die Waarenbesitzer traten daher nur in Coutakt als Repräsentanten wechselseitig vorhandner Aequivalente. Mit der Entwicklung der Waarencirkulation entwickeln sich jedoch Verhältnisse, wodurch die Ver- äusserung derWaare von der Realisirung ihres Preises zeitlich getrennt wird. Es genügt die einfachsten dieser Verhältnisse hier anzudeuten. Die eine Waarenart erheischt längere, die andere kürzere Zeitdauer zu ihrer Produktion. Die Produktion verschiedner Waaren ist an verschiedne Jahreszeiten geknüpft. Die eine Waare wird auf ihrem Marktplatz gebo- ren, die andre muss zu entferntem Markt reisen. Der eine Waarenbesitzer kann daher als Verkäufer auftreten , bevor der andre als Käufer. Bei steter Wiederkehr derselben Transactionen unter denselben Personen regeln sich die Verkaufsbedingungen der Waaren nach ihren Produktionsbedin- gungen. Der eine Waarenbesitzer verkauft vorhandne Waare, der andre kauft als blosser Repräsentant von Geld oder als Repräsentant von künf- tigem Gelde. Der Verkäufer wird Gläubiger, der Käufer Schuld- ner. Da die Metamorphose der Waare oder die Entwicklung ihrer Werthform sich hier verändert, erhält auch das Gold eine andre Funktion, Es wird Zahlungsmittel ^9).

Der Charakter von Gläubiger oder Schuldner entspringt hier aus der einfachen Waarencirkulation. Ihre Form Veränderung drückt dem Verkäufer und Käufer diese neuen Stempel auf. Zunächst also sind es ebenso verschwindende und wechselweis von denselben Cirkulationsagenten gespielte Rollen wie die von Verkäufer und Käufer. Jedoch sieht der Gegensatz jetzt von Haus aus minder gemüthlich aus und ist grösserer

Import von Gold und Silber den Export um 19,367,764 Pfd. St.. In den letzten 8 Jahren vor 1864 betrug der Excess des Imports über den Export der edlen Me- talle 109,652,917 Pfd. St. Während dieses Jahrhunderts wurden weit über 200,000,000 Pfd. St. in Indien gemünzt.

■''■') Luther unterscheidet zwischen Geld als Kauf mi 1 1 el und Zahlungs- mittel. ,, Machest mir einen Zwilling aus dem Schadewacht , das ich hie nicht bezalen und dort nicht kauffen kann." (Martin Luther: ,,An die P f a r r h e r r n , w i d e r d e n W u c h e r zu predigen. Wittenberg 1 540. ' ')

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Krystallisation fällig^**). Dieselben Charaktere können aber auch von der Waarencirculation unabhängig auftreten. Der Klassenkampf der an- tiken Welt z. B. bewegt sich hauptsächlich in der Form eines Kampfes zwischen Gläubiger und Schuldner, und endet in Rom mit dem Untergang des plebejischen Schuldners, der durch den Sklaven ersetzt wird. Im Mittelalter endet der Kampf mit dem Untergang des feudalen Schuldners, der seine politisclie Macht mit ihrer ökonomischen Basis einbüsst. Indess spiegelt die Geldform — und das Verhältniss von Gläubiger und Schuld- ner besitzt die Form eines Geldverhältnisses — hier nur den Antagonis- mus tiefer liegender ökonomischer Lebensbedingungen wieder.

Kehren wir zur Sphäre der Waarencirculation zurück. Die gleich- zeitige Erscheinung der Aequivalente Waare und Geld auf den beiden Polen des Verkaufsprozesses hat aufgehört. Das Geld funktionirt jetzt erstens als Werthmass in der Preisbestimmung der verkauften Waare. Ihr kontraktlich festgesetzter Preis misst die Obligation des Käufers, d. h. die Geldsumme, die er an bestimmtem Zeittermin schuldet. Es funktio- nirt zweitens als ideelles Kauf mittel. Obgleich es nur im Geld- versprechen des Käufers existirt, bewirkt es den Händewechsel der Waare. Erst am fälligen Zahlungstermin tritt das Zahlungsmittel wirklich in Circu- latiou, d. h. geht aus der Hand des Käufers in die des Verkäufers über. Das Circulationsmittel verwandelte sich in Schatz, w^eil der Circulations- prozess mit der ersten Phase abbrach oder die verwandelte Gestalt der Waare der Circulation entzogen wurde. Das Zahlungsmittel tritt in die Circulation hinein, aber nachdem die Waare bereits aus ihr ausgetre- ten ist. Das Geld vermittelt nicht mehr den Prozess. Es schliesst ihn selbstständig ab, als absolutes Dasein des Tauschwerths oder allgemeine Waare. Der Verkäufer verwandelte Waare in Geld , um ein Bedürfniss durch das Geld zu befriedigen, der Schatzbildner, um die Waare in Geld- form zu präserviren , der schuldige Käufer, um zahlen zu können. Zahlt er nicht, so finden Zwangsverkäufe seiner Habe statt. Die Werthgestalt

"0) Ueber die Schuldner- und Gläubigerverhältnisse unter den englischen Handelsleuten Anfang des 18. Jahrhunderts: ,,Such a spirit of cruelty reigns here in England among the men of trade, that is not to be met with in any other Society of men , nor in any other kingdom of the world." (,,An Essay on Credit and the Bankrupt Act. Lord. 1707", p. 2.) I. 7

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der Waare, Geld, wird also jetzt zum Selbstzweck des Verkaufs durch eine den Verh<ältnissen des Circulatiousprozesses selbst entspringende, gesellschaftliche Noth wendigkeit.

Der Käufer verwandelt Geld zurück in Waare , bevor er Waare in Geld verwandelt hat, oder vollzieht die zweite Waarenmetaraorphose vor der ersten. Die Waare des Verkäufers circulirt , realisirt ihren Preis aber nur in einem privatrechtlichen Titel auf Geld. Sie verwandelt sich in Ge- brauchswerth , bevor sie sich in Geld verwandelt hat. Die Vollziehung ihrer ersten Metamorphose folgt erst nachträglich.

In jedem bestimmten Zeitabschnitt des Circulatiousprozesses repi:ä- sentiren die fälligen Obligationen die Preissumm e der Waaren, deren Verkauf sie hervorrief. Die zur R e a 1 i s i r n n g dieser Preissumme nöthige Geldmasse hängt zunächst ab von der Um lauf sgesch wi n digkeit der Zahlungsmittel. Sie ist bedingt durch zwei Umstände: die Verkettung der Verhältnisse von Gläubiger und Schuldner, so dass A, der Geld von seinem Schuldner B erhält , es an seinen Gläubiger C fort- zahlt u. s. w. — und die Zeit länge zwischen den verschiednen Zah- lungsterminen. Die prozessirende Kette von Zahlungen oder nachträg- lichen ersten Metamorphosen unterscheidet sich wesentlich von der früher betrachteten Verschlingimg der Metamorphosenreihen. Im Umlauf des Circulationsmittels wird der Zusammenhang zwischen Verkäufern und Käu- fern nicht nur ausge d rück t. Der Zusammenhang selbst entsteht erst in und mit dem Geldumlauf. Dagegen drückt die Bewegmig des Zah- lungsmittels einen schon vor ihr fertig vorhandnen gesellschaftlichen Zu- sammenhang aus.

Gleichzeitigkeit und Nebeneinander der Verkäufe beschränken den Er- satz der Munzmasse durch Umlaufsgeschwindigkeit. Sie bilden umgekehrt einen neuen Hebel in der Oekonomie der Zahlungsmittel. Mit der Con- centration der Zahlungen an demselben Platz entwickeln sich naturwüch- sig eigne Anstalten und Methoden ihrer Ausgleichung. So z. B. die vire- ments im mittelaltrigen Lyon. Die Schuldforderungen von A an B , B an C, C an A u. s. w. brauchen bloss confrontirt zu werden , um sich wech- selseitig bis zu einem gewissen Belauf als positive und negative Grössen aufzuheben. So bleibt nur eine Schuldbilanz zu saldiren. Je massen- hafter die Concentration der Zahlungen , desto kleiner relativ die Bilanz, also die Masse der circulireuden Zahlungsmittel.

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Die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel schliesst einen unvermit- telten Widerspruch ein. So weit sich die Zahlungen ausgleichen , funktio- nirt es n u r i d e e 1 1 als R e c h e n g e 1 d oder Mass der Werthe. Soweit wirkliche Zahlung zu verrichten , tritt es nicht als Circulationsmittel auf, als nur verschwindeude und vermittelnde Form des Stoffwechsels , sondern als die individuelle Incarnation der gesellschaftlichen Arbeit, selbstständiges Dasein des Tauschwerths, absolute Waare. Dieser Widerspruch eklatirt in dem Moment der Produktions - und Handelskrisen , der Geldkrise heisst*'). Sie ereignet sich nur, wo die prozessirende Kette der Zahlun- gen und ein künstliches System ihrer Ausgleichung völlig entwickelt sind. Mit allgemeineren Störungen dieses Mechanismus , woher sie immer ent- springen mögen, schlägt das Geld plötzlich und unvermittelt aus der nur ideellen Gestalt des Rechengeldes in hartes Geld um. Es wird unersetz- lich durch profane Waaren. Der Gebrauchswerth der Waare wird werth- los und ihr Werth verschwindet vor seiner eignen Werthform. Eben noch erklärte der Bürger in prosperitätstrunknem Aufklärungsdünkel das Geld für leeren Wahn. Nur die Waare ist Geld. Nur das Geld ist Waare! gellt's jetzt über den Weltmarkt, Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit seine Seele nach Geld, dem einzigen Reichthum ^2j_ In der Krise wird der Gegensatz zwischen der Waare und ihrer Werthgestalt, dem Geld, bis zum absoluten Widerspruch gesteigert. Die Erscheinungs- form des Geldes ist hier daher auch gleichgültig. Die Geldhungersnoth

81) Die Geldkrise, wie sie im Text bestimmt ist, als Phase jeder Krise, ist wohl zu unterscheiden von der besondern Krisenart, die man auch Geldkrise nennt, die aber ein ganz selbstständiges Phänomen bilden kann, so dass sie auf Industrie und Handel nur rückschlagend wirkt. Es sind diess Krisen, deren Bewegungscentrum das Geldkapital ist, und deren unmittelbare Sphäre daher auch die Sphäre der Haupt- und Staatsaktionen des Geldkapitals , Bank, Börse, Finanz.

*'-^) ,, Dieses plötzliche Umschlagen aus dem Kreditsystem in das Monetar- system fügt den theoretischen Schrecken zum praktischen Panik : und die Circu- lationsagenten schaudern vor dem undurchdringlichen Geheimniss ihrer eignen Verhältnisse." (Karl Marx 1. c. p. 126.) ,,The Poor stand still , because the Rieh have no Money to employ them , though they have the same laud and hands to provide victuals and cloaths, as ever they had ; which is the true Riches of a Nation, and not the Money." (John Bellers: ,, Proposais forrais- ing a Colledge of Industry. Lond. 1696", p. 3.)

7*

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bleibt dieselbe , ob in Gold oder Creditgeld , Banknoten etwa , zu zah- len ist 83^.

Betrachten wir nun die Gesamnitsumme des in einem gegebenen Zeitabschnitt umlaufenden Geldes, so ist sie, bei gegebener Umlaufsge- schwindigkeit der Cirkulations- und Zahlungsmittel , gleich der Summe der zu realisirenden Waarenpreise plus der Summe der fälligen Zahlungen minus der sich ausgleichenden Zahlungen. Selbst Preise, G esch windigkeit des Geldumlaufs, und Oekonomie der Zahlungen gegeben, decken sich daher nicht länger die während einer Periode , eines Tags z.B., umlaufende Geldmasse und cirkulirende Waarenmasse. Es läuft Geld um , das der Cirkulation längst entzogne Waaren repräsentirt. Es laufen Waaren um, deren Geldäquivalent erst in der Zukunft erscheint. Andrerseits sind die jeden Tag contrahirten und die denselben Tag fälligen Zahlungen durchaus incommensurable Grössen 8*).

83) Wie solche Momente von den jj.amis du commerce" ausgebeutet werden: ,,0n one occasion (1839) an old grasping banker (der City) in his private room, raised the lid of the desk he sat over, and displayed to a friend roUs of banknotes, saying with intense glee there were 600,000 £ of them, they were held to make money tight, and would all be let out after three o'clock on the same day. " („The Theory of the Exchanges. TheBank Charter Act of 1844. Lond. 1864", p. 81.) Das halbofficielle Organ, ,,The Ob- server", bemerkt am 24. April 1864: ,,Some very curious rumours are current of the means which have been resorted to in Order to create a scarcity ofBanknotes . . . Questionable at it would seem, to suppose thatanytrick of the kind would be adopted, the report has been so universal that it really deserves mention."

8'') ,,The amount of sales or contracts entered upon during the course of any given day , will not affect the quantity of money afloat on that particular day, bat , in the vast majority of cases , will resolve themselves into multifarious drafts upon the quantity of money which may be atloat at subsequent dates more or less distant . . . The bills granted or credits opened, to day, necd have no resemblance whatever, either in quantity, amount or duration, to those granted or entered upon to-morrow or next day; nay, many of to-day's bills, and credits, when due , fall in with a mass of liabilities whose origins traverse a ränge of antecedent dates al- together indefinite , bills at 12, 6, 3 months or 1 often aggregating together to swell the common liabilities of one particular day . . . ." (,,The currency QuestionReviewed; a letter to the Scotch people. ByaBanker in England. Edinburgh 1845", p. 29, 30 passim.)

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Das C r e d i t g e 1 d entspringt unmittelbar aus der Funktion des Geldes als Zahlungsmittel, indem Schuldcertificate für die verkauften Waaren selbst wieder zur Uebertragung der Schuldforderungen cirkuliren. Andrerseits, wie sich das Creditwesen ausdehnt, so die Funktion des Geldes als Zahlungs- mittel. Als solches erhält es eigne Existenzformen, worin es die Sphäre der grossen Handelstransaktionen behaust, während die Gold- oder Silbermünze hauptsächlich in die Sphäre des Kleinhandels zurückgedrängt wird ^^).

Bei gewissem Höhegrad und Umfang der Waarenproduktion greift die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel über die Sphäre der Waarencircu- lation hinaus. Es wird die allgemeine Waare der Contrakte ^^). Renten, Steuern u. s. w, verwandeln sich aus Naturallieferungen in Geld- zahlungen. Wie sehr diese Umwandlung durch die Gesammtgestalt des Produktionsprozesses bedingt wird , beweist z. B. der zweimal gescheiterte

*'3) Als Beispiel, wie wenig reelles Geld in die eigentlichen Handelsoperationen eingeht, folgt hier das Schema eines der grössten Londoner Handelshäuser über seine jährlichen Geldeinnahmen und Zahlungen. Seine Transaktionen im Jahr 1856 , die viele Millionen Pf. St. umfassen , sind auf den Massstab einer Million verkürzt.

Einnahmen. Wechsel vonBanquiers

und Kaufleuten nach

Datum zahlbar: Pf. St. 533,596

Cheques vonBanquiers

etc. bei Sicht zahlbar: ,, 357,715 Landbank-Noten: ,, 9,627

Noten der Bank von

England: ,, 68,554

Gold: ,, 28,089

Silber und Kupfer : ,, 1,486 ;

Post Office Orders : ,, 933

Totalsumme: Pf. St. 1,000,000 ' Totalsumme: Pf. St. 1,000,000

(Report from the Select Committee on the Bankacts. July 1858, p. LXXL)

*'■') ,, The Course of Trade being thus turned , from exchanging of goods for goods, or delivering and taking , to selling and paying, all the bargains ... . are now stated upon the foot of a Price in Money. " (,,A n Essay u p on Publick Credit. 3ed. Lond. 1710", p. 8.)

Ausgaben. Wechsel nach Datum zahlbar: Pf. St.

Cheques auf Londoner Ban(juiers : ,,

Noten der Bank von England: ,,

Gold: ,,

Silber und Kupfer: ,,

302,674

663,672

22,743 9,427

1,484

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Versuch des römischen Kaiserreichs alle Abgaben in Geld zu erheben. Das ungeheure Elend des französischen Landvolks unter Ludwig XIV., das Boisguillebert, Marschall Vauban u. s. w. so beredt denunciren , war nicht nur der Steuerhöhe geschuldet , sondern auch der Verwandlung von Natu- ralsteuer in Geldsteuer ^'^). Wenn andrerseits die Naturalform der Grund- rente , in Asien zugleich das Hauptelement der Staatssteuer , dort auf Produktionsverhältnissen beruht , welche sich mit der Unwandelbarkeit von Naturverhältnisseu reproducireu , erhält jene Zahlungsform rückwirkend die alte Produktionsform. Sie bildet eines der Selbsterhallungsgeheim- nisse des türkischen Reichs. Zieht der durch Europa aufoctroyirte aus- wärtige Handel in Japan die Verwandlung von Naturairente in Geldrente nach sich, so ist es um seine musterhafte Agrikultur geschehn. Ihre engen ökonomischen Existenzbedingungen werden sich auflösen.

In jedem Land setzen sich gewisse allgemeine Zahlungster- mine fest. Sie beruhn theilweis, von andern Cirkelläufen der Reproduk- tion abgesehn , auf den an Wechsel der Jahreszeit gebundnen Naturbe- dingungen der Produktion. Sie regeln ebenso Zahlungen, die nicht direkt der Waarencirculation entspringen , wie Steuern , Renten u. s. w. Die Geldmasse , die zu diesen über die ganze Oberfläche der Gesellschaft zer- splitterten Zahlungen an gewissen Tagen des Jahres ei-heischt ist , verur- sacht periodische, aber ganz oberflächliche Perturbationen in der Oeko- nomie der Zahlungsmittel ^^). Aus dem Gesetz über die Umlaufsgeschwin-

*^) ,,L'argent est devenu le bourreau de toutes les choses." Die Finanz- kunst ist das ,,alambic qui a fait evaporer une quantite etfrayable de biens et de denrees pour faire ce fatal precis." „L'argent declare la guerre a tout le genre humain." (Boisguillebert: ,, Dissertation sur la nature des richesses, de l'argent et des tributs", edit. Daire, ,,Econo- mistes financiers. Paris 1843, t. I,p. 413, 419,417.)

88) ,, Pfingstmontag 1824", erzählt Herr Craig dem parlamentarischen Unter- suchungscomite von 1826, ,,war eine solche ungeheure Nachfrage für Banknoten in Edinburg, dass wir um 1 1 Uhr keine einzige Note mehr in unserm Verwahrsam hatten. Wir sandten der Reihe nach zu den verschiednen Banken um welche zu borgen , konnten aber keine erhalten , und viele Transaktionen konnten nur durch slips of paper berichtigt werden. Um 3 Uhr Nachmittags jedoch waren bereits sämmtliche Noten returnirt zu den Banken , von denen sie ausliefen. Sie hatten nur die Hände gewechselt." Obgleich die effektive Durchschnittscirculation der Banknoten in Schottland weniger als 3 Mill. Pf. St. beträgt, wird dennoch, an ver-

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•digkeit der Zahlungsmittel folgt, dass für alle periodischen Zah- lungen, welches immer ihre Quelle , die noth wendige Masse der Zahlungsmittel i n u m g e k e h r t e m V e r h ä 1 1 n i s s zur Länge der Z a 1) 1 u n g s p e r i 0 d e n steht ^9).

Die Entwicklung des Geldes als Zahlungsmittel ernöthigt Geldaccu- mulationen für die Verfallstermine der geschuldeten Suramen. Während die Schatzbildung als selbstständige Bereicherungsform verschwindet mit dem Fortschritt der bürgerlichen Gesellschaft, wächst sie umgekehrt mit demselben in der Form ^'on Reservefonds der Zahlungs- mittel.

c) Weltgeld.

Mit dem Austritt aus der innern Circulationssphäre streift das Geld die dort aufschiessenden Lokalformeu vom Massstab der Preise , Münze, Scheidemünze und Werthzeichen wieder ab und fällt in die ursprüngliche Barrenform der edlen Metalle zurück. Im Welthandel entfalten die Waaren ihren "Werth universell. Ihre selbstständige Werthgestalt tritt ihnen daher hier auch gegenüber als Weltgeld. Erst auf dem Weltmarkt funktio-

schiednen Zahlungsterminen im Jahr, jede im Besitz der Banquiers befindliche Note, alles in allem ungefähr 7 Mill. Pf. St., in Aktivität gerufen. Bei diesen Ge- legenheiten haben die Noten eine einzige und specifische Funktion zu vollziehen und sobald sie vollzogen, fliessen sie zu den respektiven Banken zurück, von denen sie ausliefen." (John Fullarton: ,, Regulation of Currencies. 2nd ed. Lond. 1845" p. 86 Nte.) Zum Verständniss ist hinzuzufügen, dass in Schottland nicht cheques, sondern nur Noten für die Deposits ausgegeben werden. 8'') Auf die Frage ,,if there were occasion to raise 40 millions p. a., whether the same 6 millions (Gold) w'ould suffice for such revolutions and circu- lations thereof as trade requires?", antwortet Petty mit seiner gewöhnlichen Meisterschaft: ,,I answer yes : for the expense being 40 millions, if the revolu- tions were in such short circles, viz. weekly, as happens among poor artizans and labourers , who receive and pay every Saturday , then *°l^2 parts of 1 million of money would answer these ends ; but if the circles be quar- terly, according to our custom of paying rent, and gathering taxes, then 10 millions were requisite. Wherefore supposing payments in general to be of a mixed circle between one week and 12, then add 10 millions to ''0/52 , the half of the which will be 5V2, so as if we have 51/2 miU. , we have enough." (William Petty: „Political Anatomy of Ireland. 1672", edit. Lond. 1691, p. 13. 14.)

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nirt das Geld in vollem Umfang als die Waare, deren Naturalform zugleich unmittelbar gesellschaftliche Verwirklichungsform der menschlichen Arbeit in abstracto ist. Seine Daseinsweise wird seinem Begriff adäquat.

In der Innern Cirkulationssphäre kann nur eine Waare zum W e r t h - mass und daher als Geld dienen. Auf dem Weltmarkt herrscht dop- peltes Werthmass, Gold und Silber ^^).

Das Weltgeld funktionirt als allgemeines Zahlungsmittel, allgemeines Kaufmittel und absolut gesellschaftliche Materiatur des Reich th ums überhaupt (universal wealth). Die Funktion als Zahlungsmittel, zur Ausgleichung internationaler Bilanzen, herrscht vor. Daher das Losungswort des Merkantilsystems — Handelsbilanz^!) ! Zum internationalen Kauf mittel dienen Gold und Silber wesentlich , so oft das herkömmliche Gleichgewicht des Stoff-

00) Daher die Abgeschmacktheit jeder Gesetzgebung, die den Nationalbanken vorschreibt, nur das edle Metall aufzuschatzen, das im Innern des Landes als Geld funktionirt. Die so selbstgeschatienen ,, holden Hindernisse" der Bank von Eng- land z. B. sind bekannt. Ueber die grossen historischen Epochen des relativen Werthwechsels von Gold in Silber sieh Karl Marx 1. c. p.. 136 sq.

9') Die Gegner des Merkantilsystems , welches die Saldirung überschüssiger Handelsbilanz durch Gold und Silber als Zweck des Welthandels behandelte, verkannten ihrerseits durchaus die Funktion des Weltgeldes. Wie die falsche Auffassung der Gesetze , welche die Masse der Circjilationsmittel regeln , sich in der falschen Auffassung der internationalen Bewegung der edlen Metalle nur wiederspiegelt, habeich ausführlich an Ricardo nachgewiesen. (1. c. p. 150 sqq.) Sein falsches Dogma: ,,An unfavourable balance of trade never arises but from a redundant currency . . . The exportation of the coin is caused by its cheapness, and is not the eftect, but the cause of an unfavourable balance" findet man daher schon bei Bar b on : ,,The Balance of Trade, if there be one, i& not the cause ofsending away the money out of a nation: but t h a t proceeds from the differencc of the value of Bullion in every country." (N. Barbon 1. c. p. 59, 60.) Mac Gull oc h in ,,Th e Li tte- rature of Political Economy, a classified catalogue. Lond. 1845" belobt Barbon für diese Anticipation , vermeidet aber wohlweislich die naiven Formen, worin bei B. die absurden Voraussetzungen des ,, currency prin- ciple" noch erscheinen, auch nur zu erwähnen. Die Kritiklosigkeit und selbst Un- ehrlichkeit jenes Katalogs gipfeln in den Abschnitten über die Geschichte der Geld- theorie, weil Mac Culloch hier als Sykophant des Lord Overstone (ex-banker Loyd), den er ,,facile princeps argentariorum" nennt, schwanzwedelt.

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wechseis zwischen verschiednen Nationen plötzlicli gestört wird. Endlich als absolut gesellschaftliche Materiatur des Reichthums , wo es sich weder um Kauf noch Zahlung handelt, sondern um Ueb ertragung des Reich- thums von einem Land zum andern, und wo diese Uebertragung in Waa- renform entweder durch die Conjunkturen des VVaarenmarkts oder den zu erfüllenden Zweck selbst ausgeschlossen wird ^-).

Wie für seine innere Circulation , braucht jedes Land für die Welt- marktscirculation einen Reservefonds. Die Funktionen der Schätze ent- springen also theils aus der Funktion des Geldes als inneres Circulations- und Zahlungsmittel , theils seiner Funktion als Weltgeld. In der letz- teren Rolle ist stets die wirkliche Geldwaare, leibhaftes Gold und Sil- ber erheischt, wesswegen James Steuart Gold und Silber, im Unter- schied von ihren nur lokalen Stellvertretern, ausdrücklich alsmoney ofthe World charakterisirt.

Die Bewegung des Gold- und Silberstroms ist eine doppelte. Einer- seits wälzt er sich von seinen Quellen über den ganzen Weltmarkt , wo er von den verschiednen nationalen Circulationssphären in verschiednem Um- fang abgefangen wird , um in die inneren Umlaufskanäle einzugehn , ver- schlissene Gold - und Silbermünzen zu ersetzen , das Material von Luxus- waaren zu liefern und zu Schätzen zu erstarren ^^). Diese erste Bewegung ist vermittelt durch direkten Austausch der in Waare realisirten National- arbeiten mit der in edlen Metallen realisirten Arbeit der Gold und Silber producirenden Länder. Andrerseits laufen Gold und Silber fortwährend hin und her zwischen den verschiedneu nationalen Circulationssphären, eine Bewegung , die den unaufhörlichen Oscillationen des Wechselkurses folgt 94j.

°2) Z. B. bei Subsidien , Geldanleihn zur Kriegsführung oder zur Wiederauf- nahme der Baarzahhingen von Banken u. s. w. kann Werth grade in der Geldform erheischt sein.

'-'3) ,,L'argent se partage entre les nations relativement au besoin (ju'elles en ont . . . etant toujours attire par les productions.'' (Le Trosne 1. c. p. 916.) „The mines which are continually giving gold and silver, do give sufficient to supply such a needful balance to every nation." (J. Vand er lin t 1. c. p. 40.)

ä') ,, Exchanges rise and fall every week , and at some particular times in the year run high against a nation, and at other times run as high on the contrary. " (N. Barbon 1. c. p. 39.)

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Länder entwickelter bürgerliclier Produktion bescliränken die in Bank- reservoirs massenhaft concentrirten Schätze auf das zu ihren spezifischen Funktionen erheischte Minimumes). Mit gewisser Ausnalime zeigt auf- fallendes Ueberfüllen der Schatzreservoirs über ihr Durchschnittsniveau Stockung der Waarencirculation an oder unterbrochenen Fluss der Waa- renraetamorphose ^^).

Zweites Kapitel, Die Verwandlung von Geld in Kai^ital.

1) Dieallgem ein eFormeldes Kapitals.

Die Waarencirculation ist der Ausgangspunkt des Kapitals, Waareu- produktion, Waarencirculation und entwickelte Waarencirculation, Handel, bilden daher stets die historischen Voraussetzungen, unter denen das Kapital entsteht. Von der Schöpfung des modernen Welthandels und

9j) Diese verschiedenen Funktionen können in gefahrliehen Konflikt gerathen, sobald die Funktion eines Conversionsfonds für Banknoten hinzutritt.

^ß) ,,What money is more than of absolute necessitv for a Home Trade, is dead stock, and brings no profit to that country it's kept in , but as it is trans- ported in Trade, as well as imported." (John Bellers 1. c. p. 12.) ,,What if we have too inuch coin ? We may melt down the heaviest and turn it into the splendour of plate , vessels or ustensils of gold and silver ; er send it Out as a commodity , where the same is wanted or desired ; or let it out at interest , where interest is high." (W. Petty: ,,Qu an tulu mcunqu e" , p. 39.) ,, Money is but tho fat of the Body Politick, whereof too much does as often hinder its

agility, as too little makes it sick as fat lubricates Ihe inotion of

the inuscles , feeds in want of victuals, fills up uncven cavities , and beautifies the body ; so doth money in the State quicken its action , feeds from abroad in time of dearth at home ; evens accounts . . . and beautifies the whole, although", iro- nisch abschliessend, ,,m or e es peci ally the particular persons that have it in plenty." (W. Petty: ,,PoliticalanatomyofIreland"p. 14.)

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Weltmarkts im 16. Jahrhundert datirt die moderne Lebensgeschichte des Kapitals.

Sehn wir ab vom stofflichen Inhalt der Waarencirculation, vom Aus- tausch der verschiednen Gebraucliswerthe, und betrachten wir nur die öko- nomischen Formen, die dieser Prozess erzeugt, so finden wir als sein letz- tes Produkt das G eld. Diess letzte Produkt der Waarencirculation ist die erste Erscheinungsform des Kapitals.

Historisch tritt das Kapital dem Grundeigenthum überall zunächst in der Form von Geld gegenüber, von Geld vermögen, Kaufmannskapital und Wucherkapital ')• Jedoch bedarf es nicht des Rückblicks auf die Entstehungsgeschichte des Kapitals , um das Geld als seine erste Erschei- nungsform zu erkennen. Dieselbe Geschichte spielt täglich vor unsern Augen. Jedes neue Kapital betritt in erster Instanz die Bühne, d. h. den Markt, Waarenmarkt, Arbeitsmarkt, oder Geldmarkt, immer noch als Geld, Geld, das sich durch bestimmte Prozesse in Kapital verwandeln soll.

Geld als Geld und Geld als Kapital unterscheiden sich zu- nächst nur durch ihre v e r s c h i e d e n e C i r c u I a t i o n s f o r m.

Die unmittelbare Form der Waarencirculation ist W — G — W, Verwandlung von Waare in Geld und Rückverwandlung von Geld in Waare, verkaufen um zu kaufen. Neben dieser Form finden wir aber eine zweite, spezifisch unterschiedene vor, die Form G — W — G, Verwand- lung von Geld in Waare und Rückverwandlung von Waare in Geld , kau- fen um zu verkaufen. Geld, das in seiner Bewegung diese letztre Circulationsform beschreibt, verwandelt sich in Kapital, wird Kapital und ist schon an sich, d. h. seiner Bestimmung nach, Kapital.

Sehn wir uns die Circulation G — W — G näher an. Es ist ein Prozess, der gleich dem der einfachen Waarencirculation , zwei entgegen- gesetzte Phasen durchläuft und ihre Einheit bildet. In der ersten Phase, G — W, Kauf, wird das Geld in Waare verwandelt. In der zweiten Phase, W — G, Verkauf, wird die Waare in Geld rückverwandelt. Die Einheit beider Phasen aber , die Gesamratbeweguug, stellt sich

") Der Gegensalz zwischen der auf persönlichen Knechtschafts- und Herr- schaftsverhältnissen beruhenden Macht des Grundeigcnthunis und der unpersön- lichen Macht des Geldes ist klar gefasst in den zwei französischen Sprichworten : ,, Nulle terre sans seigneur." .,L'argent n'a pas de niaitre."

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dar als Austausch von Geld gegen Waare und Wiederaustausch dersel- ben Waare gegen Geld , Waare kaufen um sie zu verkaufen , oder , wenn man die formellen Unterschiede von Kauf und Verkauf übersieht , mit dem Geld Waare vmd mit der Waare Geld kaufen 2). Was aber das Resultat des Prozesses angeht, so erlischt er im Austausch von Geld gegen Geld, G — G. Wenn ich für 100 Pfd. St. 2000 Pfund Baum- wolle kaufe und die 2000 Pfund Baumwolle wieder für HO Pfd. St. ver- kaufe, so habe ich schliesslich 100 Pfd. St. gegen HO Pfd. St. ausge- tauscht, Geld gegen Geld.

Es ist nun zwar augenscheinlich , dass der Circulationsprozess G — W — G abgeschmackt und inhaltslos wäre, wollte man vermittelst seines Umwegs 'denselben Geldwerth gegen denselben Geldwerth, also z. B. 100 Pfd. St. gegen 100 Pfd. St. austauschen. Ungleich einfacher und sichrer wäre die Methode des Schatzbildners , der die 100 Pfd. St. fest^ hält, statt sie der Circulationsgefahr preiszugeben. Andrerseits, ob der Kaufmann die mit 100 Pfd. St. gekaufte Baumwolle wieder verkauft zu HO Pfd. St., oder ob er sie zu 100 Pfd. St. und selbst zu 50 Pfd. St. losschlagen muss, unter allen Umständen hat sein Geld eine eigenthüm- liche und originelle Bewegung beschrieben , durchaus verschieden von der, die es in der einfachen Waarencirculation beschreibt , z. B. in der Hand des Bauern , der Korn verkauft und mit dem so gelösten Geld Kleider kauft. Es gilt also zunächst die Charakteristik der Formunterschiede zwischen den Kreisläufen G — W — G und W — G — W. Damit wird sich zugleich der inhaltliche Unterschied ergeben , der hinter diesen Form- unterschieden lauert.

Sehn wir zunächst, was beiden Formen gemeinsam.

Beide Kreisläufe zerfallen in dieselben zwei entgegengesetzten Phasen, W — G, Verkauf, und G — W , Kauf. Jede dieser Phasen für sich be- trachtet, ist kein Unterschied zu erkennen. Die den Prozess eingehenden Elemente sind in beiden Formen dieselben , Waare und Geld, In jedem Abschnitt der beiden Kreisläufe stehn sich dieselben ökonomischen Charak- termasken gegenüber, Käufer und Verkäufer. In beiden Prozessen treten

2) ,,Avec de l'argent on achete des marchandises , et avec des marchandises on achete de l'argent." (Mercier de la Riviere: „L'ordre naturel et essentiel des societes publiques'-' , p. 543.)

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drei Contralienten auf, so dass aber stets nur ein Contralient abwechselnd als Käufer und Verkäufer figurirt , während von den beiden andern Con- trahenten der eine nur verkauft und der andre nur kauft. Beide Kreisläufe endlieh sind Einheiten derselben entgegengesetzten Phasen.

Der F^ormunterschied zwischen den Prozessen VV — G — W und G — W — G springt erst in's Auge, sobald man, statt der zwei Phasen, worin beide zerfallen, ihre G esa mm t verlaufe vergleicht. Was sie von vorn berein scheidet , ist die umgekehrte Reihenfolge derselben ent- gegengesetzten Circulationsphasen. Die einfache Waareucirculation be- ginnt mit dem Verkauf und endet mit dem Kauf, die Circulation des Gel- des als Kapital beginnt mit dem Kauf und endet mit dem Verkauf. Dort bildet die Waare, hier das Geld den Ausgangspunkt und Schlusspunkt der Bewegung. In der ersten Form funktiouirt das Geld, in der andern umgekehrt die Waare als Mittler des Gesammtverlaufs.

In der Circulation W — G — W wird das Geld schliesslich in Waare verwandelt, die als Gebrauehswerth dient. Das Geld ist also defi- nitiv ausgegeben. In der umgekehrten Form G — W — G giebt der Käufer dagegen Geld aus, um als Verkäufer Geld einzunehmen. Er wirft Geld beim Kauf der Waare in die Circulation, um es ihr durch den Verkauf derselben Waare wieder zu entziehn. Er entlässt das Geld nur mit der hinterlistigen Absicht seiner wieder habhaft zu werden. Es wird daher nur v 0 r g e s c h o s s e n 3).

In der Form W — G — W wechselt dasselbe Geldstück zweimal die Stelle. Der Verkäufer erhält es vom Käufer und zahlt es weg an einen andern Verkäufer. Mit der Weggabe von Geld für Waare schliesst der Gesammtprozess ab , wie er mit der Einnahme von Geld für Waare begann. Umgekehrt in der Form G — W — G. Nicht das- selbe Geldstück, sondern dieselbe Waare wechselt hier zweimal die Stelle. Der Käufer erhält sie aus der Hand des Verkäufers und giebt sie weg in die Hand eines andern Käufers. Wie in der einfachen Waaren- circulation durch den zweimaligen Stellenwechsel dessel-

3) ,,When a thing is bought , in order to be sold again, tlie sum employed is called money advanced; when it is bougbt not to be sold , it may be said to be expended." (James Steuart: Worlcs etc. edited by General Sir James Steuart, bis son. Lond. 1801, v. I. p. 274.)

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ben Geldstücks sein definitivesUebergehn aus einer Hand in die andre bedingt ist , so hier d ii r c h d e n z w e i m a 1 i g e n S t e 1 - lenwechsel derselben Waare derRückfluss des Geldes zu seinem ersten Ausgangspunkt.

Der Rück flu SS des Geldes zu seinem Ausgangspunkt hängt nicht davon ab , ob oder ob nicht die Waare theurer verkauft wird als sie gekauft war. Dieser Umstand beeinflusst nur die Grösse der rück- fliessenden Geldsumme. Das Phänomen des Rückflusses selbst findet statt , sobald die gekaufte Waare wieder verkauft , also der Kreislauf G — W — G vollständig beschrieben wird. Es ist diessalso ein sinnlich wahrnehmbarer Unterschied zwischen der Circulation des Geldes als Kapital imd seiner Circulation als blossem Geld.

Allerdings kann auch in W — G — W Rückfluss des Geldes zu sei- nem Ausgangspunkt stattfinden, aber nur durch die Erneuerung oder Wie- derholung des Gesammtprozesses, nicht durch den Verlauf seiner eignen Momente. Wenn ich ein Quarter Korn verkaufe für 3 Pfd. St. und mit die- sen 3 Pfd. St. Kleider kaufe, sind die 3 Pfd. St. für mich definitiv veraus- gabt. Ich habe nichts mehr mit ihnen zu schaffen. Sie sind des Kleider- händlers. Verkaufe ich nun ein zweites Quarter Korn , so fliesst Geld zu mir zurück, aber nicht in Folge der ersten Transaktion , sondern nur in Folge ihrer Wiederholung. Es entfernt sich wieder von mir, sobald ich die zweite Transaktion zu Ende führe und von neuem kaufe. In der Cir- culation W — G — W hat also die Verausgabung des Geldes nichts mit seinem Rückfluss zu schaffen. In G — W — G dagegen ist der Rück- fluss des Geldes durch die Art seiner Verausgabung selbst bedingt. Ohne diesen Rückfluss ist die Operation missglückt oder der Prozess unter- brochen und noch nicht fertig , weil seine zweite Phase , der den Kauf er- gänzende imd abschliessende Verkauf fehlt.

Der Kreislauf W — G — W geht aus von dem Extrem einer Waare und schliesst ab mit dem Extrem einer andern Waare, die aus der Circulation i heraus und der Consumtion anheim fällt. Consumtion, Befriedigung von Be- dürfnissen, mit einem Wort, G e b r a u c h s w e r t h ist daher sein Endzweck. Der Kreislauf G — W — G geht dagegen aus von dem Extrem des Geldes und bewegt sich fort zu demselben Extrem als seinem Schluss. Sein treiben- des Motiv und bestimmender Zweck ist daher der Tausch werth selbst.

In der einfachen Waareiicirculation haben beide Extreme dieselbe

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ökonomische Formbestimmtheit. Sie sind beide Waaren. Sie sind auch Waaren von derselben Werth grosse. Aber sie sind zugleich qua- litativ V e r s c h i e d n e G e b r a u c h s w e r t h e , z. B. Korn und Kleider. Der Produktenaustausch , der Wechsel der verschiednen Stoffe , worin sich die gesellschaftliche Arbeit darstellt, bildet hier den Inhalt der Bewegung. Anders in der Circulation G — W — G. Sie scheint auf den ersten Blick inhaltlos, weil tautologisch. Beide Extreme haben dieselbe öko- nomische Formbestimmtheit. Sie sind beide Geld. Sie unterscheiden sich auch nicht qualitativ als Gebrauchswerthe, denn Geld ist eben die verwandelte Gestalt der Waaren , worin ihre besondern Gebrauchswerthe ausgelöscht sind. Erst 100 Pfd. St. gegen Baumwolle und dann wieder dieselbe Baumwolle gegen 100 Pfd. St. austauschen, also auf einem Um- weg Geld gegen Geld, dasselbe gegen dasselbe, scheint eine ebenso zweck- lose als abgeschmackte Operation''). Eine Geldsumme kann sich von der

•^) ,,0n n'echange pas de l'argent contre de l'argent,'" ruft Mercier de la Riviere den Merkantilisten zu. (1. c. p. 486.) In einem Werke, welches ex professo vom ,,Han d el" und der ,,Spekula'ti on" handelt, liest man : ,, Aller Handel besteht im Austausch von Dingen verschiedner Art ; und der Vortheil (für den Kaufmann?) entspringt eben aus dieser Verschiedenheit. Ein Pfund Brod gegen ein Pfund Brod austauschen , wäre ohne allen Vortheil . . . daher der vor- theilhafte Kontrast zwischen Handel und Spiel, welches nur Austausch von Geld gegen Geld ist." (Th. Gerbet: ,,An Inquiry into the Causes and Modes of thc Wealth of In di vi du als; or the PrinciplesofTradeandSpeculation explained. London. 1841'", p. 5.) Obgleich Corbet nicht sieht, dass G — G, Geld gegen Geld austauschen, die charakteristische Circulationsform, nicht nur des Handelskapitals, sondern allen Kapitals ist, giebt er wenigstens zu, dass diese Form einer Art des Handels, der Spekulation, mit dem Spiel gemein sei, aber dann kommt Mac C u 1 1 o c h und findet, dass Kaufen um zu verkaufen Speculirenist , und der Unter- schied zwischen Specuiation und Handel also wegfällt. ,,Every transaction in which an individual buys produce in order to seil it again, is, in fact , a specuiation." (Mac Culloch: ADictionary practica! etc. of Commerce. London 1847, p. 1056.) Ungleich naiver Pinto, der Pindar der Amsterdamer Börse: ,,Le commerce est un jeu (dieser Satz entlehnt aus Locke) ; et ce n'est pas avec des gueux qu'o'n peut gagner. Si Ton gagnait long temps en tont avec tous , il faudrait rendre de bon accord les plus grandes parties du profit, pour recommencer le jeu." (Pinto: Traite' de la Circulation et du Credit. Amsterdam 1771. p. 2.31.)

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andern Geldsumme überhaupt nur durch ihre Grösse unterscheiden. Der Prozess G — W — G schuldet seinen Inhalt daher keinem qualita- tiven Unterschied seiner Extreme , denn sie sind beide Geld, son- dern nur ihrer quantitativen Verschiedenheit. Schliesslich wird der Circulation mehr Geld entzogen als Anfangs hineingeworfen ward. Die zu 100 Pfd. St. gekaufte Baumwolle wird z. B. wieder ver- kauft zu 100 -f 10 Pfd. St. oder 110 Pfd. St. Die vollständige Form dieses Prozesses ist daher G — W — G' , wo G' = G -)- /\ G , d. h. gleich der ursprünglich vorgeschossenen Geldsumme plus einem Incre- ment. Diess Increment oder den Ueberschuss über den ursprünglichen Werth nenne ich Mehrwerth (surplus value). Der ursprünglich vorgeschossene Werth erhält sich daher nicht nur in der Circulation , son- dern in ihr verändert er seine Werthg rosse, setzt einen Mehr- werth zu, oder v e r w e r t li e t sich. Und diese Bewegung verwandelt ihn in K a p i t a 1.

Es ist zwar auch möglich, dass in W — G — W die beiden Extreme W, W , z. B. Korn und Kleider, quantitativ v e r s c h i e d n e Werth- grössen sind. Der Bauer kann sein Korn über dem Werth verkauft oder die Kleider unter ihrem Werth gekauft haben. Er kann seinerseits vom Kleiderhändler geprellt werden. Solche Werthverschiedenheit bleibt jedoch für diese Circulationsform selbst rein zufällig. Sinn und Verstand verliert sie nicht schier, wie der Prozess G — W — G, wenn die beiden Extreme, Korn und Kleider z. B. , Aequivalente sind. Ihr Gleichwerth ist hier vielmehr Bedingung des normalen Verlaufs.

Die Wiederholung oder Erneurung des Verkaufs um zu kaufen findet, wie dieser Prozess selbst, Mass und Ziel an einem ausser ihm lie- genden Endzwecke , der Consuration , der Befriedigung bestimmter Bedürf- nisse. Im Kauf für den Verkauf dagegen sind Anfang und Ende dasselbe, Geld, Tauschwerth, und schon dadurch ist die Bewegung endlos. Allerdings ist aus G, G -[- /^ G geworden, aus den 100 Pfd. St., 100 + 10. Aber blos die Form betrachtet, sind HO Pfd. St. das- selbe wie 100 Pfd. St., nämlich Geld. Und die Werthgrösse betrachtet, sind 110 Pfd. eine beschränkte Werthsumme wie 100 Pfd. St. Würden die 110 Pfd. St. als Geld verausgabt, so fielen sie aus ihrer Rolle. Sie hörten auf Kapital zu sein. Der Circulation entzogen, ver- steinern sie zum Schatz und kein Farthing wächst ihnen an , ob sie bis

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zum jüngsten Tag fortlageni. Handelt es sicli also einmal um die Wertli- grösse als solche . um Y e r w e r t li u n g des W e r t h s , so besteht das- selbe Bedürfniss für die Verwertliung von 110 Pfd. St. wie für die von 100 Pfd. St., da beide beschränkte Ausdrücke des Tauschwerths sind, beide also denselben Beruf haben sich dem Reichthura schlechthin durcli Grössenausdehnung anzunähern. Allerdings unterscheidet sich für einen Augenblick der ursprünglich vorgeschossene Werth 100 Pfd. St. von dem in der Circulation ihm zuwachsenden Mehrwerth von 10 Pfd. St., aber dieser Unterschied zerfliesst sofort wieder. Es kommt am Ende des Pro- zesses nicht auf der einen Seite der OriginalwiMth von 100 Pfd. St. und auf der andern Seite der Mehrwerth von 10 Pfd. St. heraus. Was Iieraus- kommt ist Ein Werth von 110 Pfd. St., der sich ganz in derselben ent- sprechenden Form befindet, um den Verwerthungsprozess zu beginnen, wie die ursprünglichen 100 Pfd. St. Geld kommt am Ende der Bewegung vyieder als ihr Anfang heraus^). Wenn die einfache Waareucirculation daher im Gebrauchs w e r t h eine ihr von aussen gesetzte Schranke hat, ist die Bewegung des Kapitals dagegen masslos, indem sie in ihrem Absclduss das Prinzip und den Trieb ihrer Wiedererneuerung findet, und ihr Ziel , die V e r w e r t h u n g des W e r t li s , am Ende des Prozesses eben so wenig erreicht ist als am Anftuig^).

Als bewusster Träger dieses Prozesses wird der Geldbesitzer Kapita- list. Seine Person, oder vielmehr seine Tasche, ist der Ausgangspunkt

■■■') ,, Das Kapital theilt sich ... in das ursprüngliche Kapital und den Gewinn, den Zuwachs des Kapitals . . . obwohl die Praxis selbst diesen Gewinn sogleich wieder zum Kapital schlägt und mit diesem in Fluss setzt." (F. Engels: ,, Um- risse zu einer Kritik der Nat i o n al ü ko n omie" ' in ,,Deutsch- F r a n z ü s i s c h e J a h r b ü c h e r . h e r a u s g c g e 1) e n \' o n A r n o 1 d R u g e und Karl Marx." Paris 1844. ji. 99.)

f') Aristoteles stellt der Chrematistik die Oekonomik entgegen. Er geht von der Oekonomik aus. Soweit sie Erwerb.skunst, beschränkt sie sich auf die Verscliaft'ung der zum Leben nothwendigen und für das Haus oder den Staat nützlichen Güter. ,,Der wahre Reichthum (o a'Ari&^ii'hg nXovJOf) besteht aus solchen Gebrauchswerthen ; denn das zum guten Leben genügende Mass dieser Art von Besitz ist nicht unbegrenzt. Es giebt aber eine zweite Art der Er- werbskunst, die vorzugsweise und mit Recht Chrematistik heisst, in Folge deren keine Grenze de.« Reichthums und Besitzes zu existiren scheint. Der Waarenhandel (/' •/.ani'u/.i, heisst wörtlich Kramliandel und Aristoteles nimmt I. 8

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und der Rückkehrpunkt des Geldes. Der objektive Inhalt jenes Prozesses — Verwerthung des Werths — ist sein subjektiver Zweck, und nur soweit wachsende Aneignung des abstrakten Reichthums das allein treibende Motiv seiner Operationen, fiinktionirt er als Kapitalist oder personificirtes , mit Willen und Bewusstsein begabtes Kapital. Der Ge- brauchswerth ist also nie als luimittelbarer Zweck des Kapitalisten zu behandeln 7). Auch nicht der einzelne Gewinn , sondern nur die rastlose Bewegung des Gewinnens *). Dieser absolute Bereicherungstrieb, diese

diese Form , weil in ihr der Gebrauchswerth vorherrscht) gehört von Natur nicht zur Chrematistik, denn hier bezieht sich der Austausch nur auf das für sie selbst (Käufer und Verkäufer) Nöthige." Daher, entwickelt er weiter, war auch die ur- sprüngliche Form des Waarenhandels der Tauschhandel, aber mit seiner Aus- dehnung entstand nothwendig das Geld. Mit der Erfindung des Geldes rausste sich der Tauschhandel nothwendig zur xantjkiy.ij , zum Waarenhandel entwickeln, und dieser, im Widerspruch zu seiner ursprünglichen Tendenz , bildete sich zur Chrematistik aus, zur Kunst Geld zu machen. Die Chrematistik nun unterscheidet sich von derOekonomik dadurch, dass ,,für sie die Circulation die Quelle des Reichthums ist (jiotriTixrj ^Qtjf^drwi' . . . rfi« % ^rj /.i dz iov dtaßoXris)' Und um das Geld scheint sie sich zu drehen , denn das Geld ist derAnfang und das Ende dieser Art von Austausch {jo yäg yo^uiaiiut aioi^ttoy xrd TTtQas jrji dXXay^i kariv). Daher ist auch der Reichthum, wie ihn die Chre- matistik anstrebt, unbegrenzt. Wie nämlich jede Kunst, der ihr Ziel nicht als Mittel, sondern als letzter Endzweck gilt, unbegrenzt in ihrem Streben ist, denn sie sucht sich ihm stets mehr zu nähern, während die Künste , die nur Mittel zum Zv.'ecke verfolgen , nicht unbegrenzt sind , da der Zweck selbst ihnen die Grenze setzt, so giebt es auch für diese Chrematistik keine Schranke ihres Ziels, sondern ihr Ziel ist absolute Bereicherung. Die Oekonomik , nicht die Chrematistik hat eine Grenze .... die erstere bezweckt ein vom Gelde selbst Verschiednes , die andere seine Vermehrung .... Die Verwechslung beider Formen, die in einander überspielen, verursacht einige die Erhaltung und Vermehrung des Geldes ins Un- endliche als Endziel der Oekonomik zu betrachten." (Aristoteles: DeRep. edit. Bekker, lib. I, c. 8 und 9 passim.)

■') ,,Commodities (hier im Sinn von Gebrauchswerthen) are not the termi- nating object of the trading capitalist . . . money ishis terminating object." (Th. Chalmers: On Politic. Econ. etc. 2nd edit. Lond. 1832, p. 166.)

8) ,,I1 mercante non conta quasi per niente il lucro fatto, ma mira senipre al futuro." (A. Genovesi: Lezioni di Economia Civile (17G5). Aus- gabe der italienischen Oekonomen von Custodi, Parte Moderna, t. VIII, p. 139.)

leidenschaftliche Jagd auf den Tauschwerth ^) ist dt... j,^^^ jI^. ivt^itdem Schatzbildiier gemein, aber während der Schatzbildncr n... uer verrückte Kapitalist, ist der Kapitalist der rationelle Schatzbildner. Die. Unvergäng- lichkeit des Tauschwerths , die der Schatzbildner anstrebt , indem er das Geld vor der Circuiation zu retten sucht ^O), erreicht der klügere Kapi- talist, indem er es stets von neuem der Circuiation preisgiebt '<'").

In der einfaclien Circuiation entwickeln die Waaren ihren Werth zu verschiednen ihrem Gebrauchswerth gegenübertretenden selbstständigen Formen, d. h. zu Geldformen , die den Austausch vermitteln und in seinem Endresultat verschwinden. In der Circuiation G — W — G funktioniren beide, W a a r e und Geld, nur als verschiedne Existenz weisen des W e r t h s selbst, das Geld seine allgemeine , die Waare seine be- sondre, so zu sagen nur verkleidete Existenzweise '*). Er geht beständig aus der einen Form in die andre über, ohne sich in dieser Bewegung zn verlieren und verwandelt sich so in ein automatisches, in sich selbst pro- zessirendes Subjekt. Fixirt man eine der besondern Erscheinungsformen, worin er sich abwechselnd darstellt , so erhält man die Erklärungen : Kapital ist Geld, Kapital ist W a a r e '2). In der That aber wird

'■•) ,,Die unauslöschliche Leidenschaft für den Gewinn, die auri sacra famcs bestimmt stets den Kapitalisten." (Mac Culloch: The Principles of Polit. Econ. London 18.30, p. 163.) Diese Einsicht verhindert denselben Mac Cul- loch und Cons. natürlich nicht, in theoretischen Verlegenheiten, z. B. bei Behand- lung der Ueberproduktion , denselben Kapitalisten in einen guten Bürger zu ver- wandeln, dem es sich nur um den Gebrauchswerth handelt und der sogar einen wahren Wehrwolfsheisshunger für Stiefel, Hüte, Eier, Kattune und andre höchst familiäre Sorten von Gebrauchswerth entwickelt.

"•) ,,2"wf£<j''' ist einer der charakteristischen Ausdrücke der Griechen für das Schatzbilden.

'^^) ,,Q"Csto intinito che le cose non hanno in progresso , lianno in giro. " (Gal i ani.)

1') .,Ce n'est pas la matiere qui fait le capital, mais la valeur de ces nia- tieres." (J. B. Say: Traite de L'Eeon. Polit. 3eme ed. Paris 1817, t. L p. 428.)

'-) ,, Currency (!) employed to productive purposes is capital." (Mac Leod: ',,The Theory and Practice of Banking. Londonl855", v. I, c. I.) ,, Capital is commodities." (James Mill: ,, Elements of Pol. Econ. Lond. 1821", p. 74.)

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der Wr Rückkehr Duo^rf ubj ekt eines Prozesses, ,^orin er unter dem bestäuäi^ft- Wechsel der Formen von Geld und Waare , seine Grösse selbst verändert , sich als Mehrwerth von sich selbst als ursprünglichem Werth abstösst , sich selbst v e r w e r t h e t. Denn die Bewegung, worin er Mehrwerth zusetzt , ist seine eigne Bewegung, seine Verwerthung ist also S e 1 b s t V e r w e r t h u n g. Er hat die occulte Qualität erhalten, Werth zu setzen , weil er Werth ist. Er wirft lebendige Junge oder legt wenigstens goldne Eier.

Als das übergreifende Subjekt eines solchen Prozesses , worin er Geldform und Waarenform bald annimmt, bald abstösst , sich aber in die- sem Wechsel erhält und ausreckt, bedarf der Werth natürlich vor allem einer selbsstständigen Form, wodurch seine Identität mit sich selbst konsta- tirt werden kann. Und diese Form besitzt er nur im G e 1 d e. Diess bildet daher Ausgangspunkt und Schlusspunkt jeden Verweithungspro- zesses. /Er war 100 Pfd. St., er igt jetzt 110 Pfd. St. u. s. w. Aber das Geld selbst gilt hier nur als eine Form des Werths , denn er hat deren zwei. Und die Annahme der Waarenform bildet grade das vermit- telnde Moment seiner Bewegung. Das Geld tritt hier also nicht pole- misch gegen die Waare auf, wie in der Schatzbildung. Der Kapitalist weiss, dass alle Waaren , wie lumpig sie immer aussehn oder wie schlecht sie immer riechen mögen , im Glauben und in der Wahrheit Geld, inner- lich verschnittene Juden sind. G — G' , geldheckendes Geld — (money which begets m oney lautet die Beschreibung des Kapitals im Munde seiner ersten Dolmetscher, der Mercan tilisten) , — ist in der That nur die unmittelbare Erscheinungsform des Werth setzenden Werths, des sich selbst ver wertli end en Werths.

Wenn der Tausch werth in derWaarencirculation höchstens zur selbst- stäudigeu Form gegenüber dem Gebrauchswerth der Waare heranreift, so stellt er sich hier plötzlich dar als eine prozessirende, sich selbst bewegende Sub- stanz, für welche Waare und Geld beide blosse Formen. Aber noch mehr. Statt Waarenverhältnisse darzustellen, tritt er jetzt so zu sagen in ein Privat- verhältniss zu sich selbst. Er unterscheidet sich als ursprüng- licher Werth von sich selbst als Mehrwert!] , als Gott Vater von sich selbst als Gottsohn, und beide sind vom selben Alter, und bilden in der That nur eine Person, denn nur durch den Mehrwerth von 10 Pfd. St. werden die vorge- schossenen 100 Pfd. St. Kapital, und sobald sie diess geworden, sobald der

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Sohn, uud diirch den Solin der Vater erzeugt, verschwindet iln- Unterschied wieder und sind beide Eins, HO Pfd. St.

Der Werth wird also p r o z e s s i r e n d e r "W e r t h , p r o z e s s i r e n- d e s Geld und als solches Kapital. Er kommt aus der Circulation her, geht wieder in sie ein , erhält und vervielfältigt sich in ihr, kehrt ver- grössert aus ihr zurück und beginnt denselben Kreislauf stets wieder von neuem '■*).

Kaufen um zu verkaufen, oder vollständiger, kaufen um th eurer zu verkaufen, G — W — G', scheint zwar nur einer Art des Kapitals, dem K a u f m a n u s k a p i t a 1 , eigenthümliche Form. Aber auch das industrielle Kapital ist Geld , das sich in Waare verwan- delt und durcli den Verkauf der Waare in mehr Geld rückverwandelt. Akte, die etwa zwischen dem Kauf und dem Verkaufe, ausserhalb der Cir- culationssphäre, vorgehn , ändern nichts an dieser Form der Bewegung. In dem zinstragenden Kapital endlich stellt sich die Form G — VV — G' abgekürzt dar, im Resultat ohne die Vermittlung, so zu sagen im Lapidarstyl, als G — G', Geld, das gleich mehr Geld, Werth, der grösser als er selbst ist.

In der That also ist G — W — G' die allgemeine Formel des Kapitals, wie es unmittelbar in der ( 'irculationssphäre erschein t.

b ) Widersprüche der allgemeinen Formel.

Die Circulationsform , worin sich das Geld zum Kapital entpuppt, widerspricht allen früher entwickelten Gesetzen über die Natur der Waare, des Werths, des Geldes und der Circulation selbst. Was sie von der ein- fachen Waarencirculation unterscheidet , ist die umgekehrte Reihen- folge derselben zwei entgegengesetzten Prozesse, Verkauf und Kauf. Und wie sollte dieser rein formelle Unterschied die Natur dieser Prozesse um- zaubern ?

Noch mehr. Diese U m k e h r u n g existirt nur für einen der drei Geschäftsfreunde , die mit einander handeln. Als Kapitalist kaufe ich Waare von A und verkaufe sie wieder an B , während ich als einfacher Waarenbesitzer Waare an B verkaufe und dann Waare von A kaufe. Für die Geschäftsfreunde A und B existirt dieser Unterschied nicht. Sie treten

'3) ,, Kapital .... permanenter sich vervielfältigender Werth". (Sis mondi: Nouveaux Principes de l'Econ. Polit. , t. I, p. 90.)

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mir als Käufer oder Verkäufer von Waaren auf. Ich selbst stehe ihnen jedesmal als einfacher Geldbesitzer oder Waarenbesitzer , Käufer oder Ver- käufer, gegenüber, und zwar trete ich in beiden Reihenfolgen der einen Person nur als Käufer und der andern nur als Verkäufer gegenüber , der einen als nur Geld, der andern als nur Waare, keiner von beiden als Kapi- tal oder Kapitalist oder Repräsentant von irgend etwas, das mehr als Geld oder Waare wäre oder eine andere Wirkung ausser der des Geldes oder der Waare ausüben könnte. Für mich bilden Kauf von A und Verkauf an B eine Reihenfolge. Aber der Zusammenhang zwischen diesen beiden Akten existirt nur für mich. A sclieert sich nicht um meine Transaktion mit B, und B nicht um meine Transaktion mit A. Wollte ich ihnen etwa das besondere Verdienst klar machen, das ich mir durch dieUmkeh- rung der Reihenfolge erworben, so würden sie mir beweisen, dass ich mich in der Reihenfolge selbst irre und dass die Gesammttransaktion nicht mit einem Kauf begann und einem Verkauf endete, sondern umgekehrt mit einem Verkauf begann und mit einem Kauf abschloss. In der That, mein erster Akt, der Kauf, war von A's Standpunkt ein Verkauf, und mein zweiter Akt, der Verkauf, war von B's Standpunkt ein Kauf. Nicht zu- frieden damit, werden A und B erklären , dass die ganze Reihenfolge über- flüssig und Hokus Fokus war. A wird die Waare direkt an B verkaufen und B sie direkt von A kaufen. Damit verschrumpft die ganze Trans- aktion in einen einseitigen Akt der gewöhnlichen Waarencirculation, vom Staudpunkt A's blosser Verkauf und vom Standpunkt B's blosser Kauf. Wir sind also durch die ümkehrung der Reihenfolge nicht über die Sphäre der einfachen Waarencirculation hinausgekommen und müssen vielmehr zusehn , ob sie ihrer Natur nach Verwerthung der in sie hinein- gehenden Werthe und daher Bildung von M e h r w e r t Ir gestattet.

Nehmen wir den Circulationsprozess in einer Form, worin er sich als blosser Waarenaustausch darstellt. Diess ist stets der Fall , wenn beide Waarenbesitzer Waaren von einander kaufen und die Bilanz ihrer wechsel- seitigen Geldforderungen sich am Zahlungstag ausgleicht. Das Geld dient hier als Rechengeld , um die Werthe der Waaren in ihren Preisen aus- zudrücken , tritt aber nicht den Waaren selbst dinglich gegenüber. So- weit es sich um den Gebrauchs werth handelt, ist es klar, dass beide Äustauscher hier gewinnen können. Beide veräussern Waaren, di« ihnen als Gebrauchswerth nutzlos, und erhalten Waaren, deren sie zum Ge-

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brauch bedürfen. Und dieser Nutzen mag nicht der einzige sein. A, der Wein verkauft und Getreide kauft, producirt vielleicht melir Weiu als Ge- treidebauer B in derselben Arbeitszeit producireu könnte und Getreide- bauer B in derselben Arbeitszeit mehr Getreide als Weinbauer A produciren könnte. A erhält also für denselben Tauschwerth mehr Ge- treide und B mehr Wein als wenn jeder von den beiden , ohne Austausch, Wein und Getreide für sich selbst produciren müsste. Mit Bezug auf den G e b r a u c h s w e r t h also kann gesagt werden , dass ,,der Austausch eine Transaktion ist, worin beide Seiten gewinnen'*)." Anders mit dem Tauschwerth. ,,Ein Mann, der viel Wein und kein Getreide besitzt, handelt mit einem Manu , der viel Getreide und keinen Wein besitzt und zwischen ihnen wird ausgetauscht Weizen zum Werth von 50 gegen einen Werth von 50 in Wein. Dieser Austausch ist keine Vermehrung des Tauschwerths weder für den einen, noch für den andern; denn bereits vor dem Austausch besass jeder von ihnen einen Werth gleich dem, ^en er sich vermittelst dieser Operation verschafft hat'-^)." Es ändert nichts an der Sache , wenn das Geld als Circulationsmittel zwischen die Waaren tritt und die Akte des Kaufs und Verkaufs sinnlich auseinander- failen ^^). Der Werth der Waaren ist in ihren Preisen dargestellt, bevor sie in die Circulation treten , also Voraussetzung und nicht Resultat derselben *'').

Abstrakt betrachtet , d. h. abgesehn von Umständen , die nicht aus den immanenten Gesetzen der einfachen Waarencirculation hervorfliessen, geht ausser dem Ersatz eines Gebrauchswerths durch einen andern nichts in ihr vor als eine Metamorphose, ein blosser Formwechsel der Waare. Derselbe Tauschwerth, d. h. dasselbe Quantum vergegen-

'^) ,,L'echainge est une transaction admiiable dans laquelle les deux contrac- tants gagnent — toujours (!)." (DestuttdeTracy: Traite de la Volonte et de 'ses Effets. Paris 1826, p. 68.) Dasselbe Buch erschien später als ,, Traite de l'Ec. Pol."

'*) Mercier de la Riviere 1. c. p. 544.

**•) ,,Que l'une de ces deux valeurs soit argent, ou qu'elies soient toutes deux marchandises usuelles, rien de plus indifferent ensoi." (Mercier de la Ri- viere 1. c. p. 543. J

'■) ,,Ce ne sont pas les contractants qui prononcent sur la valeur; eile est decide'e a van t la Convention. " (LeTrosne p. 906.)

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Standlichter gesellschaftlicher Arbeit, bleibt in der Hand desselben Waaren- besitzers abwechselnd in Gestalt seiner Waare, des Geldes, worin sie sich verwandelt, der Waare, worin sich diess Geld rückverwandelt. Dieser Form Wechsel schliesst keine Aenderung der VV e r t h gr ö s s e ein. Der Wech- sel aber, den der Taiischwerth der Waare selbst in diesem Prozess erfährt, beschränkt sich auf einen Wechsel seiner Geld form. Er existirt erst als Preis der zum Verkauf angebotenen Waare , dann als dieselbe Geldsumme, die in diesem Preise ausgedrückt ist, endlich als der Preis einer äquivalenten Waare. Dieser Formwechsel schliesst an und für sich eben so wenig eine Aenderung der VA^ er th grosse ein, wie das Auswechseln einer Fünfpfundnote gegen Sovereigns , halbe Sovereigns und Schillinge. Sofern also die Cirkulation der Waare nur einen Form- Wechsel ihres Tauschwerths bedingt , bedingt sie , wenn das Phänomen rein vorgeht , Austausch von A e q u i v a I e n t e n. Die Vulgäröko- nomie selbst, so wenig sie ahnt, was der Werth ist, unterstellt daher, so oft sie in ihrer Art das Phänomen rein betrachten will , dass Nachfrage und Zufuhr sich decken, d. h. dass ihre Wirkung überhaupt fortfällt. Wenn also mit Bezug auf den Gebrau chswerth beide Austau- scher gewinnen können , können sie nicht beide gewinnen an T au sch- wer th. Hier heisst es vielmehr: ,,Wo Gleichheit ist, ist kein Gewinn i*)." Waaren können zwar zu Preisen verkauft werden , die von ihren Werthen abweichen, aber diese Abweichung erscheint als Verletzung des Gesetzes des Waarenaustausches'9). In seiner reinen Gestalt ist er ein Austausch von Aequivalenten, also kein Mittel sich an Werth zu bereichern 2^).

Hinter den Versuchen, die Waarencirkulation als Quelle von M e h r w e r t h darzustellen, lauert daher meist ein quid pro quo, eine Ver- wechslung von Gebrauchswerth und Tauschwert!!. So z. B. bei C o n -

'8) ,,Dove e egnagita, non e lucro." (Galiani: Della Moneta in Custodi: Parte Moderna, t. IV, p. 244.)

'") ,,L'echange devient desavantageux pour l'une des parties, lorsque quelque chose etrangere vient diminuer ou exagerer le prix: alors l'egalite est blessee, mais la lesion procede de cette cause et non de l'echange." (Le Trosne 1. c. p. 904.)

20^ ,,L'e'change est de sa nature un contrat d'egalite qiii se fait de valeur pour valeur egale. II n'est donc pas ua moyen de s'enrichir, puisque l'on donne autant que l'on re9oit. " (Le Trosne 1. c. p. 903.)

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dillac: „Es ist feilsch, dass man im Waarenaustausch gleichen Wevth gegen gleichen Werth austausclit. Umgekehrt. Jeder der beiden Con- tralienten giebt immer einen kleineren für einen grösseren Werth . . . Tauschte mnn in der That immer gleiche Werthe aus, so wäre kein Gewinn zu machen für irgend einen Contrahenten. Aber alle beide gewinnen oder sollten doch gewinnen. Warum ? Der Werth der Dinge besteht bloss in ihrer licziehung :uif unsere Bed ürfnisst;. Was für den einen mehr, ist für den andern weniger, und umgekehrt. . . , Man setzt nicht voraus , dass wir unsrer Consuration unentbehrliche Dinge zum Verkauf ausbieten. . . . Wir wollen eine uns nutzlose Sache weggeben, um eine uns nothwendige zu erhalten ; wir wollen weniger für mehr geben . . . Es war natürlich zu urtheilen , dass man im Austausch gleichen Werth für gleichen Werth gebe . so oft jedes der ausgetauschten Dinge an Werth demselben Quantum Geld gleich war . . . Aber eine andre Betrachtung muss noch in die Rechnung cingebn ; es fragt sich , ob wir beide einen üeberfluss gegen etwas Nothwendiges austauschen ^i)." Man sieht, wie Condillac nicht nur Gebrauchswerth und Tauschwerth durcheinan- der wirft, sondern wahrhaft kindlich einer Gesellschaft mit entwickelter Waarenprodiiktion einen Zustand unterschiebt, worin der Producent seine Subsistenzmittel selbst producirt und nur den Ueberschuss über den eignen Bedarf, den Üeberfluss, in die Cirkulation wirft ^2). Dennoch wird C 0 u d i 1 1 a c ' s Ai-gument häutig bei modernen Oekonomen wiederholt, na- mentlich wenn es gilt, die entwickelte Gestalt des Waarenaustausches, den Handel, als produktiv von M e li r w e r t h darzustellen. ,,Der Handel", heisst es z. B., ,,fügt den Produkten Werth zu, denn dieselben

2') Condillac: ,,Le Commerce et le Gouvernement" (1776). Edit. Daire et Molinari in den ,,Melanges d 'Economic Politique. Paris 1847", p. 267.

^~) L e T r o s n e antwortet daher seinem Freunde Condillac sehr richtig : ,,Dans la societe formee il n'y a pas de surabondant en aucun genre. " Zugleich neckt er ihn mit der Glosse, dass ,,wenn beide Austauscher gleich viel mehr für gleich viel weniger erhalten, sie beide gleich viel erhalten." Weil Condillac noch nicht die geringste Ahniijig von der Natur des Ta usch wer ths besitzt, ist er der passende Gewährsmann des Herrn Prof. "Wilhelm Röscher für seine eignen Kinderbegritfe. Sieh dessen: ,,Die Grundlagen der National- ökonomie. Dri tte Auflage. 18.'j8".

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Produkte Laben mehr Werth in den Händen des Consumenten als in den Händen des Producenten und er muss daher wörtlich (strictly) als Pro- duktionsakt betrachtet werden '-3)." Aber man zahlt die Waaren nicht doppelt, das einemal ihren Gebrauchswerth und das andremal ihren Tausch werth. Und wenn der Gebrauchswerth der Waare dem Käufer nützlicher als dem Verkäufer, ist ihre Geldform dem Verkäufer nützlicher als dem Käufer. Würde er sie sonst verkaufen ? Und so könnte ebensowohl ge- sagt werden , dass der Käufer wörtlich (strictly) einen „Produktionsakt"' vollbringt , indem er z. B. die »Strümpfe des Kaufmanns in Geld ver- wandelt.

Werden Waaren oder Waaren und Geld von gleichem Tauschwerth, also Aequivalente ausgetauscht, so zieht offenbar keiner mehr Werth ans der Cirkulation heraus als er in sie hineinwirft. Es findet dann keine Bildung von Mehrwerth Statt. In seiner reinen Form aber bedingt der Cirkulationsprozess der Waaren Austausch von Aequivalenten. Jedoch gehn die Dinge in der Wirklichkeit nicht rein zu. Unterstellen wir daher Austausch von N i c h t - A e q u i v a 1 e n t e n.

Jedenfalls steht auf dem Waarenmarkt nur Waarenbesitzer dem Waa- renbesitzer gegenüber, und die Macht , die diese Personen über einander ausüben , ist nur die Macht ihrer Waaren. Die stoffliche Verschiedenheit der Waaren ist das stoffliche Motiv des Austauschs und macht die Waaren- besitzer wecliselseitig von einander abhängig, indem keiner von ihnen den Gegenstand seines eignen Bedürfnisses und jeder von ihnen den Gegenstand des Bedürfnisses der Andern in seiner Hand hält. Ausser dieser stoff- lichen Verschiedenheit ihrer Gebrauchswerthe besteht nur noch ein Unter- schied unter den Waaren, der Unterschied zwischen ihrer Naturalform und ihrer verwandelten Form, zwischen Waare und Geld. Und so unter- scheiden sich die Waarenbesitzer nur als Verkäufer , Besitzer von Waare, und als Käufer, Besitzer von Geld,

Gesetzt nun, es sei durch irgend ein unerklärliches Privilegium dem Ver- käufer gegeben, die Waare über ihrem Werthe zu verkaufen, zu 110, wenn sie 100 werth ist, also mit einem nominellen Preisaufschlage von lOo/ft. Der Verkäufer kassirt also einen Mehrwerth von 10 ein. Aber

23) S. P. New man: Elements of Pol it. Econ. Audover and New- York 1835, p. 85.

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nachdem er Verkäufer war, wird er Käufer. Ein dritter Waarenbesitzer begegnet ihm Jetzt als Verkäufer und geniesst seinerseits das Privilegium, die "VVaare 10** ^ zu theuer zu verkaufen. Unser Mann hat als Verkäufer 10 gewonnen, um als Käufer 10 zu verlieren 2*). Das ganze kömmt in der That darauf hinaus, dass alle Waarenbesitzer ihre Waaren einander 1 00 Q ü b e r dem Weith verkaufen, was ganz dasselbe ist , als ob sie die Waaren zu ihren Werthen verkauften. Ein solcher allgemeiner nomineller Preisaufschlag der Waaren bringt dieselbe Wirkung hervor, als ob die Waarenwerthe z. B. in Silber statt in Gold geschätzt würden. Die Geldnanien , d.h. die Preise der Waaren würden anschwellen, aber ihre Werthverhältnisse unverändert bleiben.

Unterstellen wir umgekehrt , es sei das Privilegium des Käufers, die Waaren unter ihrem Werth zu kaufen. Hier ist es nicht einmal uöthig zu erinnern, dass der Käufer wieder Verkäufer wird. Er war Verkäufer, bevor er Käufer ward. Er hat bereits lO*^/o als VerJxäufer verloren, bevor er 10" o als Käufer gewinnt-^). Alles bleibt wieder beim Alten.

Die Bildung von Mehrwerth , und daher die Verwandlung von Geld in Kapital, kann also weder dadurch erklärt werden, dass die Verkäufer die Waaren über ihrem Werthe verkaufen, noch dadurch, dass die Käufer sie unter ihrem Werthe kaufen ^^).

Das Problem wird in keiner Weise dadurch vereinfacht , dass man fremde Beziehungen einschmuggelt , also etwa mit Oberst T o r r e n s sagt :

'■'■') ,,B_v the augmentiition of tlfö nominal vulue of the produce .... sellers not enriched . . . since what they gain as sellers, thev precisely expend in the quality ofbuyers." (,,The Essential Principles of the Wealth of Nation etc. London 1797", p. 66.)

-5) ,,Si l'on est forcti de donner pour 18 livres iine quantite de teile produc- tion qiii en valait 24, loisqu'on exjiloyera ce menie argent ä acheter , on aura egalement i)our 18 1. ce (jue l'on payait 24". (Le Trosne 1. c. p. 897.)

-'"') ,,Cha(iue vendeur ne peut donc parvenir a rencherir habituellement ses marcliandises, qii'en se' soumettant aussi ä payer habituellement plus eher ies mar- chandises des autres vendeurs ; et par la meme raison, chaque consommateur ne peut payer habituellement moins eher ce qu'il achcte , qu'en se soumettant aussi a une diininution semblable sur le prix des choses qu'il ver.d." (Mercier de la Ri vi ere 1. c. p. 55.5.)

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„Die effektive Nachfrage besteht in dem Vermögen und der Neigung (!) der Konsumenten, sei es durch unmittelbaren oder vermittelten Aus- tausch, für Waaren eine gewisse grössere Portion von allen Ingredienzien des Kapitals zu geben , als ihre Produktion kostet ^'^j." In der Cirkula- tion stehn sich Produzenten und Konsumenten nur als Verkäufer und Käu- fer gegenüber. Behaupten, der Mehrwcrth für den Produzeuten entspringe daraus, dass die Konsumenten xlie Waare über dem Werth zahlen, heisst nur den einfachen Satz maskiren : Der Waarenbesitzer besitzt als Ver- käufer das Privilegium zu theuer zu verkaufen. Der Verkäufer hat die Waare selbst producirt oder vertritt ihren Produzenten, aber der Käufer hat niclit minder die in seinem Gelde dargestellte Waare selbst produzirt oder vertritt ihren Produzenten. Es steht also Produzent dem Produzen- ten gegenüber. Was sie unterscheidet , ist dass der eine kauft und der andre verkauft. Es bringt uns keinen Schritt weiter , dass der Waaren- besitzer unter dem Namen Produzent die W^aare über ihrem Werthe verkauft und unter dem Namen C o n s u m e n t sie zu theuer zahlt -^).

Die consequenten Vertreter der Illusion , dass der Mehrwert h aus einem nominellen Preiszuschlag entspringt , oder aus dem Privilegium des Verkäufers die Waare zu theuer zu verkaufen, unterstellen daher eine Klasse, die nur kauft ohne zu verkaufen, also auch nur c o n - sumirt ohne zu produz iren. Die Existenz einer solchen Klasse ist von unsrem bisher erreichten Standpunkt , dem der einfachen Cirkula- tion nach, unerklärlich. Aber greifen wir vor. Das Geld , womit eine solche Klasse beständig kauft , muss ihr beständig , ohne Austausch, umsonst, auf beliebige Rechts- und Gewaltstitel hin, von den Waaren- besitzern selbst zufliessen. Dieser Klasse die Waaren über dem Werth verkaufen, heisst nur, umsonst weggegebenes Geld sich zum Theil wieder zurückschwindeln -9). So zahlten die kleinasiatischen Städte jährlichen

I

*') R. Torrens: ,,An Essay on t he Pr o d u c ti on ofWealth." London 1821, p. 349.

28) ,,The idea of profits being paid by the consuniers, is, assuredly, very absurd. Who are the eonsumers?" (G. Ramsay: An Essay on theDis- tribution ofWealth. Edinburgh 1836, p. 184.)

2») ,,When a man is in want of demand , does Mr. Malthus recomniend him to pay some other person to take oft' bis goods?"', fragt fin entrüsteter Ricardianer

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Geldtribiit an das alte Rom. Mit diesem Geld kaufte Rom Waaren von ihnen und kaufte sie zu tlieuer. Die Kleinasiaten prellten die Römer, in- dem sie den Eroberern einen Theil des Tributs wieder abluchsten auf dem Wege des Handels. Aber dennoch blieben die Kleinasiaten die Geprell- ten. Ihre Waaren wurden ihnen nach wie vor mit ihrem eignen Gelde ge- zahlt. Es ist diess keine Methode der Bereicherung oder der Bildung von Mehrwerth.

Halten wir uns also innerhalb der Schranken des Waarenaustauschs, wo Verkäufer Käufer und Käufer Verkäufer sind. Unsere Verlegenheit stammt vielleicht daher, dass wir die Personen nur als personificirte C a t e g 0 r i e n , nicht individuell, gefasst haben.

Waarenbesitzer A mag so pfiffig sein seine Collegen B oder C über's Ohr zu hauen , während sie trotz des besten Willens die Revanche schuldig bleiben. A verkauft Wein zum Werth von 40 Pfd. St. an B und erwirbt im Austausch Getreide zum Werth von 50 Pfd. St. A hat seine 40 Pfd. St. in 50 Pfd. St. verwandelt, mehr Geld aus weniger Geld gemacht und seine Waare in Kapital verwandelt. Sehn wir näher zu. Vor dem Aus- tausch hatten wir für 40 Pfd. St. Wein in der Hand vouA und für 50 Pfd. St. Getreide in der Hand von B, Gesammtwerth von 90 Pfd. St. Nach dem Austausch haben wir denselben Gesammtwerth von 90 Pfd. St. Der circulirende Werth hat sich um kein Atom vergrössert , seine V e r - t h e i 1 u n g zwischen A und B hat sich verändert. Auf der einen Seite er- scheint als M e h r w e r t h , was auf der anderen M i n d e r w e r t h ist , auf der einen Seite als Plus, was auf der andern als Minus. Derselbe Wech- sel hätte sich ereignet, wenn A, ohne die verhüllende Form des Austauschs, dem BIO Pfd. St. direkt gestohlen hätte. Die Summe der circulirenden Werthe kann offenbar durch keinen Wechsel in ihrer Vertheilung vermehrt werden, so wenig wie ein Jude die Masse der edlen Metalle in einem Lande dadurch vermehrt , dass er einen Farthing aus der Zeit der Königin Anna

den Malthus, der wie sein Schüler , der Pfaffe C'halmers. die Klasse von blossen Käufern oder Consumenten ökonomisch verherrlicht. Sieh: ,,An In- quiry into those principles respecting the Nature ofDemand and theNecessityofConsumption, latelyadvocated bvMr. Malthus" etc. London 1821, p. 55.

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für eine Guinea verkauft. Die Gesammtheit der Kapitalistenklasse eines Landes kann sich nicht selbst übervortheilen 3*^')-

Man mag sich also drehen und wenden wie man will, das Facit bleibt dasselbe. Werden Aeqaivalente ausgetauscht, so entsteht kein Mehrwerth^ und werden Nicht-Aequivalente ausgetauscht , so entsteht auch kein Mehr- werth 31). Die Circulation oder der Waarenaustausch schafft keinen Werth 32).

Man versteht daher, warum in unserer Analyse der Grundform des Kapitals, der Form , worin es die ökonomische Organisation der modernen Gesellschaft bestimmt , seine populärsten und so zu sagen ante- diluvianischen Gestalten , Handelskapital und Wucherkapital, zunächst gänzlich unberücksichtigt bleiben.

Im eigentlichen Handelskapital erscheint die Form G — W — G', kaufen um theuer zu verkaufen, am reinsten. Andrerseits geht seine ganze Bewegung innerhalb der Circulation ssphäre vor. Da es aber immöglich ist aus der Circulation selbst die Verwandlung von Geld in Kapi- tal, die Bildung von Mehrwerth zu erklären, erscheint das Handelskapital unmöglich, sobald Aequivalente ausgetauscht werden -^3) ^ daher nur

•'") D es tu tt d e Tracy , obgleich, vielleicht weil Membre de l'Institut , war umgekehrter Ansicht. Die industriellen Kapitalisten , sagt er, machen dadurch ihre Profite, dass ,,sie alles theurer verkaufen als es gekostet hat zu produciren. Und an wen verkaufen sie? Erstens an einander. " (1. c. p. 239.)

•") ,,L'echange qui se fait de deux valeurs egales n'augmente ni ne diminue la masse des valeurs subsistantes dans la societe. L'echange de deux valeurs in- egales . . . ne change rien non plus ä la somme des valeurs sociales, bien qu'il ajonte a la fortune de l'un ce (lu'il üte de la fortune de Tautre." (J. B. Say 1. c. t. I, p. 434, 435.) Say, natürlich unbekümmert um die Consequenzen dieses Satzes , entlehnt ihn ziemlich wörtlich den Physiokraten. Die Art, wie er ihre zu seiner Zeit verschollenen Schriften zur Vermehrung seines eigenen ,,Werthes" ausgebeutet hat, zeige folgendes Beispiel. Der ,, berühmteste" Satz des Monsieur Say: ,,0n n'achete des produits qu'avec des pro- duits'' (1. c. t. II, p. 438) lautet im physiokratischen Original: ,,Les pro- ductions ne se paient qu'avec des productions." (Le Trosne 1. c. p. 899.)

32) ,, Exchange confers no value at all npon products." (F. Wayland: The Elements of Pol. Econ. Boston 1853, p. 168.)

-") ,,Under the rule of invariable equivaleiits commerce would be im- possible." (G. Opdyke: A Treatise on Polit. Economy. New-

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ableitbar aus der doppelseitigen Uebervo rt li ei lung- der kaufenden und verkaufenden Waarenproducenten durch den sich parasitisch zwisclieu sie schiebenden Kaufmann. In diesem Sinn sagt Franklin: „Krieg ist Raub, Handel ist Prell er ei ■^*).'' Soll die Verwer- t h u n g des Handelskapitals nicht aus blosser Prellerei der Waai-en- producenteu erklärt werden , so gehört dazu eine lange Reihe von Mittel- gliedern, die hier, wo die Waarencirculation und ihre einfachen Momente unsere einzige Voraussetzung bilden, noch gänzlich fehlt.

Was vom Handelskapital, gilt noch mehr vom Wucher- kapital. Iqi Handelskapital sind die Extreme, das Geld , das auf den Markt geworfen und das vermehrte Geld , das dem Markt entzogen wird, wenigstens vermittelt durch Kauf und Verkauf, durch die Bewegung der Circulation. Im Wucherkapital ist die Form G — W — G' abgekürzt auf die unvermittelten Extreme G — G', Geld, das sich gegen mehr Geld austauscht, eine der Natur des Geldes widersprechende und daher vom Standpunkt des Waarenaustauschs unerklärliche Form. Daher Aristoteles: ,,da die Chrematistik eine doppelte ist, die eine zum Handel, die andre zur Oekonomik gehörig, die letztere nothwendig undlobenswerth, die erstere auf die Circulation gegründet und mit Recht ge- tadelt, (denn sie beruht nicht auf der Natur, sondern auf wechselseitiger Prel- lerei), so ist d e r W u c h e r mit vollstem Rechte verhasst, weil das Geld selbst hier die Quelle des Erwerbs und nicht dazu gebraucht wird, wozu es erfunden ward. Denn für den Waaren au stau seh entstand es, der Zins aber macht aus Geld mehr Geld. Daher auch sein Name (röxog Zins und Geborenes). Denn die Geborenen sind den Erzeugern ähnlich. Der Zins aber ist Geld von Geld, so dass von allen Erwerbszweigen dieser der naturwidrigste 3"*).'*

Wie das Handelskapital werden wir das zinstragende Kapital im Verlauf unserer Untersuchung als abgeleitete Formen

York 1851, p. 69.) ,, Dem Unterschiede zwischen Realwerth und Tausclnvertli liegt eine Thatsache zum Grunde — nämlich dass derWerth einer Sache verschie- den ist von dem im Handel für sie gegebenen sogenannten Aequivalent, d. h. dass diess Aequivalent kein Aequivalent ist. '' (F. Engels 1. c. p. 96.)

3') Benjamin Franklin: Works, vol. II, edit. Sparks im ,,Positions to be examined concerning National Wealth."

3-') Arist. 1. c. c. 10.

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vorfinden und zugleich sehn, warum sie historisch vor dem Kapital in seiner modernen Grundform erscheirien.

Es hat sich gezeigt , dass der Mehrwerth nicht aus der Circulation entspringen kan;i, bei seiner Bildung also etwas hinter ihrem Rücken vorgehn muss, das in ihr selbst unsichtbar ist 3^). Kann aber der Mehrwerth anders woher entspringen als aus der Circulation? Die Circulation ist die Summe aller Wechselbeziehungen der Waarenbesitzer. Ausserhalb derselben steht der Waarenbesitzer nur noch in Beziehung zu seiner eignen Waare. Was ihren Wertli^^) angeht, beschränkt sich das Verhältniss darauf, dass sie ein nach bestimmten gesellschaftlichen Gesetzen gemessenes Quantum seiner eignen Arbeit enthält. Diess Quantum Arbeit drückt sich aus in der Werthgrosse seiner AVaare und da sich Werth- grösse in Rechengeld darstellt, in einem Preise von z. B. 10 Pfd. St. Aber seine Arbeit stellt sich nicht dar im Werthe der Waare und einem Ueberschuss über ihren eignen AVerth, nicht in einem Preise von 10, der zugleich ein Preis von 11 ist, nicht in einem Werth, der grösser als er selbst ist. Der W^aarenbesitzer kann durch seine Arbeit Werthe bilden, aber keine sich v e r w e r t h e n d e n Wert h e. Er kann den Werth einer Waare erhöhen , indem er vorhandnem Werth neuen Werth durch neue Arbeit zusetzt, z. B. aus Leder Stiefel macht. Derselbe Stoff hat jetzt mehr Werth, weil er ein grösseres Arbeitsquantum enthält. Der Stiefel hat daher mehr Werth als das Leder, aber der Werth des Leders ist geblieben, was er war. Er hat sich nicht ver werth et, nicht während der Stiefelfabrikation seinen ursprünglichen Werth um einen Mehrwerth be- reichert. Es ist also unmöglich, dass der Waarenproducent ausserlialb der Circulationssphäre , ohne mit andern Waarenbesitzern in Berührung zu treten, Werth ver werthe und daher Geld oder Waare in Kapital verwandle.

Kapital kann also nicht aus der Circulation entspringen und es kann eben so wenig aus der Circulation nicht entspringen. Es muss zugleich in ihr und nicht in ihr entspringen.

30) ,, Profit, in the usual condition of the market, is not niade by exchang- ing. Had it not existedbefore, neitlier could it af t e r that transaction." (Ramsay 1. c. p. 184.)

3") Ich bemerke liier, dass wenn ich das Wort Werth in dieser Schrift ohne nähere Bezeicliniing brauche, stets Tau seh werth zu verstehn ist.

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Ein doppeltes Resultat hat sich also ergeben.

Die Verwandlung des Geldes in Kapital ist aufGrundlagedem Waaren- austausch immanenter Gesetze zu entwickeln , so dass der Austausch von A e q u i V a 1 e n t e n als Ausgangspunkt gilt 3«). Unser nur noch als Kapitalistenraupe vorhandner Geldbesitzer muss die Waaren zu ihrem Werth kaufen, zu ihrem Werth verkaufen, und dennoch am Ende des Pro- zesses mehr Werth herausziehn als er hineinwarf. Seine Schmetterlings- entfaltung muss in der Cirkulatioussphäre und muss nicht in der Cirkula- tionssphäre vorgehn. Diess sind die Bedingungen des Problems. Hie Rhodus, hie salta !

3 ) K a u f u n d V e r k a u f d e r A r b e i t s k r a f t.

Die W e r t h V e r ä n d e r u n g des Geldes, das sich in Kapital ver- wandeln soll , kann nicht an diesem Geld selbst vorgehn , denn als Kauf- mittel und als Zahlungsmittel realisirt es nur den Preis der Waare, die es kauft oder zahlt , während es, in seiner eignen Form verharrend , zum Petrefakt von gleichbleibender Werthgrösse erstarrt ^^j. Eben sowenig

38) Nach der gegebnen Auseinandersetzung versteht der Leser, dass diess nur heisst: Die Kapitalbildung muss möglich sein, auch wenn der Waarenpreis gleich dem Waarenwerth. Sie kann nicht aus der Abweichung der Waaren- preise von den Waarenvverthen erklärt werden. Weichen die Preise von den Werthen wirklich ab, so muss man sie erst auf die letztern reduciren , d. h. von diesem Umstand als einem zufälligen absehn, um das Phänomen der Kapitalbildung auf Grundlage des Waarenaustausches rein vor sich zu haben und in seiner Beob- achtung nicht durch störende und dem eigentlichen Verlauf fremde Nebenum- stände verwirrt zu werden. Man weiss übrigens, dass diese Reduktion keineswegs eine blos wissenschaftliche Procedur ist. Die beständigen Oscillationen der Markt- preise, ihr Steigen und Sinken, compensiren sich, heben sich wechselseitig auf und reduciren sich selbst zum Durchschnittspreis als ihrer inneren Regel. Diese bildet den Leitstern z. B. des Kaufmanns oder des Industriellen in jeder Unter- nehmung , die längeren Zeiti-aum umfasst. Er weiss also , dass eine längere Pe- riode im Ganzen betrachtet, die Waaren wirklich weder unter, noch über, son- dern zu ihrem Durchschnittspreis verkauft werden. Wäre interesseloses Denken also überhaupt sein Interesse, so müsste er sich das Problem der Kapitalbildung so stellen : Wie kann Kapital entstehn bei der Reglung der Preise durch den Durch- schnittspreis , d. h. in letzter Instanz durch den Werth der Waare? Ich sage ,,in letzter Instanz," weil die Durchschnittspreise nicht direkt mit den Werth- grössen der Waaren, wie A. Smith, Ricardo u. s. w. glauben, zusammenfallen.

3''>) ,,In the form of money .... capital is productive of no profit." (Ricardo: Princ. of Pol. Econ. p. 267.)

I. 9

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kann die Veränderung aus. dem zweiten Akt , dem Wiederverkauf der Waare, entspringen , denn dieser Akt verwandelt die Waare blos aus der Naturalform zurück in die Geldform. Die Veränderung muss sich also zutragen mit der Waare, die im ersten Akt G — W gekauft wird, aber nicht mit ihrem Tausch werth, denn es werden Aequivalente aus- getauscht, die Waare wird zu ihrem Werthe bezahlt. Die Veränderung kann also erst entspringen aus ihrem Gebrauchswerth als solchem, d. h. aus ihrem Verbrauch. Um aus dem Verbrauch einer Waare Tauschwerth herauszuziehn , müsste unser Geldbesitzer so glücklich sein innerhalb der C i r k u 1 a t i o n s s p h ä r e , auf dem Markt , eine Waare zu entdecken, deren Ge bra uch s werth selbst die eigenthümliche Be- schaffenheit besässe, Quelle von Tauschwerth zu sein , deren wirk- licher Verbrauch also selbst V e r g e g e n s t ä n d 1 i c h u n g von Arbeit wäre, daher W e r t h s c h ö p f u n g. Und der Geldbesitzer findet auf dem Markt eine solche spezifische Waare vor — das Arbeitsvermögen oder die Arbeitskraft.

Unter Arbeitskraft oder Arbeitsvermögen verstehn wir den Inbegriff der physischen und geistigen Fähigkeiten, die in der Leiblichkeit, der lebendigen Persönlichkeit eines Menschen existiren und die er in Be- wegung setzt, so oft er Gebrauchswerthe irgend einer Art producirt.

Damit jedoch der Geldbesitzer die Arbeitskraft als Waare auf dem Markt vorfinde, müssen verschiedne Bedingungen erfüllt sein. Der Waaren- austausch schliesst an und für sich keine andern Abhängigkeitsver- hältnisse ein als die aus seiner eignen Natur entspringenden. Unter dieser Voraussetzung kann die Arbeitskraft als Waare nur auf dem Markt erscheinen, sofern und weil sie von ihrem eignen B e sitze r,. der Person, deren Arbeitskraft sie ist , a 1 s W a a r e feilgeboten oder ver- kauft wird. Damit ihr Besitzer sie als Waare verkaufe , muss er über sie verfügen können , also freier Eigentliümer seines Arbeitsvermögens, seiner Person sein ^o). Er und der Geldbesitzer begegnen sich auf dem Markt und treten in Verhältniss zu einander als ebenbürtige W a a r e n -

^0) In Realencyklopädien des klassischen Alterthums kann man den Unsinn lesen, dass in der antiken Welt das Kapital völlig entwickelt war ,, ausser dass der freie Arbeiter und das Creditwesen fehlten." Auch Herr Mommsen in seiner ,,Rö mischen Geschichte" begeht ein quid pro quo über das andere.

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b e s i t z e r , nur dadurch unterschieden , dass der eine Käufer , der andere Verkäufer, beide also j ur istisch gleiclie Personen sind. Die Fortdauer dieses Verhältnisses erheischt, dass derEigenthümer dei- Arbeits- kraft sie stets nur für bestimmte Zeit verkaufe, denn verkauft er sie in Bausch und Bogen, ein für allemal, so verkauft er sich selbst, verwan- delt sich aus einem Freien in einen Sklaven , aus einem Waarenbesitzer in »ine Waare. Er als Person muss sich beständig zu seiner Arbeits- kraft als seinem Eigenthum und daher seiner eignen Waare verhalten und das kann er nur , so weit er sie dem Käufer stets nur vorübergehend , für einen bestimmten Zeittermin , zur Verfügung stellt , zum Verbrauch über- lässt, also durch ihre Veräusserung nicht auf sein Ei gen th um an ihr verzichtet*').

Die zweite wesentliche Bedingung , damit der Geldbesitzer die Ar- beitskraft auf dem Markt als Waare vorfinde, ist die, dass ihr Be- sitzer, statt W a a r e n verkaufen zu können , worin sich seine Arbeit ver- gegenständlicht hat, vielmehr se ine Arbeitskraft selbst, die nur in seiner lebendigen Leiblichkeit existirt, als Waare feilbieten muss.

■'!) Verschiedne Gesetzgebungen setzen daher ein Maximum für den Arbeits- kontrakt fest. Alle Gesetzbücher bei Völkern freier Arbeit regeln Kündigungs- bedingungen des Kontrakts. Bei verschiednen Völkern , namentlich in Mexiko (vor dem amerikanischen Bürgerkrieg auch in den von Mexiko losgerissenen Terri- torien, und der Sache nach bis zu Kusa's Umwälzung in den Donauprovinzen) ist die Sklaverei unter der Form von Peonage versteckt. Durch Vorschüsse , die in Arbeit abzutragen, und sich von Generation zu Generation fortwälzen, wird nicht nur der einzelne Arbeiter, sondern seine Familie , thatsächlich das Eigenthum andrer Personen und ihrer Familien. Juarez hatte die Peonage abgeschafft. Der sogenannte Kaiser Maximilian führte sie wieder ein durch ein Dekret, das im Repräsentantenhaus zu Washington treffend als Dekret zur Wiedereinführung der Sklaverei in Mexiko denuncirt ward. ,,Von meinen besonderen körperlichen und geistigen Geschicklichkeiten und Möglich- keiten der Thätigkeit kann ich . . . . einen in der Zeit beschränkten Ge- brauch an einen Andern veräussern, weil sie nach dieser Beschränkung ein äusserliches Vei'hältniss zu meiner Totalität und Allgemeinheit erhalten. Durch die Veräusserung meiner ganzen durch die Arbeit konkreten Zeit und der Totalität meiner Produktion würde ich das Substantielle derselben, meine allgemeine Thätigkeit und Wirklichkeit , meine Persönlichkeit zum Eigenthum eines Andern machen." Hegel: ,,Ph il os o phi e des Rechts. Berlin 1840", p. 104, § 67.

9*

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Damit Jemand von seiner Arbeitskraft unterschiedne Waaren verkaufe , miiss er natürlich Produktionsmittel besitzen, z. B. Roh- stoffe, Arbeitsinstrumente u. s. w. Er kann keine Stiefel machen obne Leder. Er bedarf ausserdem Lebensmittel. Niemand kann von Produkten der Zukunft zehren, also auch nicht von Gebrauchswerthen, mit deren Produktion er noch nicht fertig , und wie am ersten Tag seiner Erscheinung auf der Weltbühne muss der Mensch noch jeden Tag konsu- miren, bevor und während er produzirt. Werden die Produkte als Waa- ren produzirt, so müssen sie verkauft werden, nachdem sie produ- zirt sind und können die Bedürfnisse des Produzenten erst nach dem Ver- kauf befriedigen. Zur Produktionszeit kömmt die für den Verkauf nöthige Zeit hinzu.

Zur V^erwandlung von Geld in Kapital muss der Geldbesitzer also den freien Arbeiter auf dem Waaren markt vorfinden, frei in dem Doppelsinn, dass er als freie Person über seine Arbeitskraft als seine Waare verfügt, dass er andrerseits andre Waaren nicht zu verkaufen hat, los und ledig, frei ist von allen zur Verwirklichung seiner Arbeitskraft nöthigen Sachen.

Die Frage, warum dieser freie Arbeiter ihm in der Cirkulations- sphäre gegenübertritt, interessirt den Geldbesitzer nicht , der den Arbeits- markt als eine besondre Abtheilung des Waarenniarkts vorfindet. Und einstweilen interessirt sie uns eben so wenig. Wir halten uns theoretisch an die Thatsache, wie der Geldbesitzer praktisch. Eins jedoch ist klar. Die Natur produzirt nicht auf der einen Seite Geld- oder Waarenbesitzer und auf der andern blosse Besitzer der eignen Arbeitskräfte. Diess Ver- hältniss ist kein naturgeschichtliches und eben so wenig ein ge- sellschaftliches, das allen Geschichtsperioden gemein wäre. Es ist offenbar selbst das Resultat einer vorhergegangnen historischen Ent- wicklung, das Produkt vieler ökonomischer Umwälzungen , des Untergangs einer ganzen Reihe älterer Formationen der gesellschaftlichen Pro- duktion,

Auch die ökonomischen Kategorieen , die wir früher betrachtet , tra- gen ihre geschichtliche Spin*. . Im Dasein des Produkts als Waare sind bestimmte historische Bedingungen eingeliüllt. Um Waare zu werden, darf das Produkt nicht als unmittelbares Subsistenzmittel für den Produzenten selbst produzirt werden. Hätten wir weiter geforscht :

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Unter welchen Umständen nehmen alle oder nimmt auch nur die Mehr- zahl der Produkte die Form der W a a r e an, so hätte sich gefunden , dass diess nur auf Grundlage einer ganz spezifischen, der kapitalistischen Produktionsweise, geschieht. Eine solche Untersuchung lag jedoch der Analyse der Waare fern. Waarenproduktion und Waarencirkulation können stattfinden , obgleich die weit überwiegende Produktenraasse , un- mittelbar auf den Selbstbedarf gerichtet, sich nicht in Waare verwan- delt, der gesellschaftliche Produktionsprozess also noch lange nicht in sei- ner ganzen Breite und Tiefe vom Tauschwerth beherrscht ist. Die Dar- stellung des Produkts als Waare bedingt eine so weit entwickelte T h e i 1 u n g d e r A r b e i t innerhalb d e r G e s e 1 1 s c h a f t , dass die Scheidung zwischen Gebrauchswerth und Tauschwerth, die im unmittel- baren Tauschhandel erst, beginnt , bereits vollzogen ist. Eine solche Entwicklungsstufe ist aber den geschichtlich verschiedensten ökono- mischen Gesellschaftsformationen geraein.

Oder betrachten wir das Geld, so setzt es eine gewisse Höhe der Waa- rencirkulation voraus. Die besondern Geldformen, blosses Waaren- äquivalent, oder Cirkulationsraittel, oder Zahlungsmittel, Schatz und Weltgeld, deuten, je nachdem verschiednen Umfang und dem relativen Vorwiegen einer oder der andern Funktion, aufsehrverschiedne Stufen des gesellschaftlichen Produktionsprozesses. Dennoch genügt erfahrungsmässig eine relativ schwach entwickelte Waarencii'kulation zur Bildung aller dieser Formen. Anders mit dem Kapital. Seine historischen Existenzbedingungen sind durchaus nicht da mit der Waaren- und Geldcirkulatiou. Es entsteht nur, wo der Besitzer von Produktions- und Lebensmitteln den freien Arbeiter als Verkäufer seiner Arbeitskraft auf dem Markt vorfindet, und diese eine historische Bedingung umschliesst eine Welt- geschichte. Das Kapital kündigt sich daher von vorn herein als eine Epoche des gesellschaftlichen Produktionsprozesses an.

Diese eigenthümHche Waare, die Arbeitskraft, ist nun näher zu betrachten. Gleicli allen andern Waaren besitzt sie einen Tau seh - w e r t h *-). W i e wird er bestimmt ?

^2) ,,The Value or Worth of a man, is as of all other things , bis price : that is to sav, so much as would be given for the use of bis power." Tb. Hobbes: ,,Leviathan" in Worksedit. Molesworth. London 1839—44, V. III, p. 76.

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Der Werth der Arbeitskraft, gleich dem jeder andern Waare, ist be- stimmt durch die zur Produktion, also auch Reproduktion, dieses spezifi- schen Artikels not h wendige Arbeitszeit. Soweit sie Tausch- werth , repräsentirt die Arbeitskraft selbst nur ein bestimuirtes Quantum in ihr vergegenständlichter gesellschaftlicher Durchschnittsarbeit. Die Arbeitskraft existirt nur als Anlage des lebendigen Individuums. Ihre Produktion setzt also seine Existenz voraus. Diese gegeben, besteht ihre Produktion in seiner Reproduktion oder Erhaltung. Zu seiner Erhaltung bedarf das lebendige Individuum einer gewissen Summe von Lebensmitteln. Die zur Produktion der Arbeitskraft nothwendige Arbeitszeit löst sich also auf in die zur Produktion dieser Lebensmittel nothwendige Arbeitszeit, oder der Werth der Arbeitskraft ist der Werth der zur Erhal- tung ihres Besitzers noth wendigen Lebensmittel. Die Arbeits- kraft verwirklicht sich jedoch nur durch ihre Aeusserung, bethätigt sich nur in der Arbeit. Durch ihre Bethätigung, die Arbeit, wird aber ein bestimmtes Quantum von menschlichem Muskel, Nerv, Hirn u. s. w. ver- ausgabt, das wieder ersetzt werden muss. Diese vermehrte Ausgabe be- dingt eine vermehrte Einnahme *3), Wenn der Eigenthümer der Arbeits- kraft heute gearbeitet hat , muss er denselben Prozess morgen unter den- selben Bedingungen von Kraft und Gesundheit wiederholen können. Die Summe der Lebensmittel muss also hinreichen , das arbeitende Individuum als arbeitendes Individuum in seinem normalen Lebeuszustand zu erhalten. Die natürlichen Bedürfnisse selbst , wie Nahrung , Kleidung , Heizung, Wohnung u. s. w. sind verschieden je nach den klimatischen und andern natürlichen Eigenthümlichkeiten eines Landes. Andrerseits ist der Um- fang s. g. nothwendige r Lebensmittel, wie die Art ihrer Be- friedigung, selbst ein h i s t o r i s c h e s P r o d u k t und hängt daher gros- sentheils von der Kulturstufe eines Landes, unter anderm auch wesentlich davon ab, unter welchen Bedingungen , und daher mit welchen Gewohn- heiten und Lebensansprüchen die Klasse der freien Arbeiter sich gebildet hat**). Im Gegensatz zu den andern Waaren enthält also die Werth-

''3) Der altröraische villicus, als Wirthschafter an der Spitze der Acker- bausklaven, empfing daher, ,, weil er leichtere Arbeit hat als die Knechte, knapperes Mass als diese." (Th. Mommsen: Rom. Geschichte 1856, p. 810.)

^^) In seiner Schrift : ,,0 ver population an d i ts Rem ed y. London 1846" giebt W. Th. Thornton hierzu interessante Belege.

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bestiramung der Arbeitskraft ein historisches und moralisches Element. Für ein bestimmtes Land , zu einer bestimmten Periode jedoch , ist der Durchschnitts-Umkreis der nothwendigen Lebensmittel gegeben.

Der Eigenthümer der Arbeitskraft ist sterblich. Soll also seine Er- scheinung auf dem Markt eine kontinuirliche sein, wie die kontinuirliche Verwandlung von Geld in Kapital voraussetzt, so muss der Verkäufer der Arbeitskraft sich verewigen , ,,wie jedes lebendige Individuum sich ver- ewigt, durch Fortpflanzung^^)." Die durch Abnutzung und Tod dem Markt entzogenen Arbeitskräfte müssen zum allermindesten durch eine gleiche Zahl neuer Arbeitskräfte beständig ersetzt werden. Die Summe der zur Produktion der Arbeitskraft nothwendigen Lebensmittel schliesst also die Lebensmittel der Ersatzmänner ein , d, h. der Kinder der Arbei- ter, so dass sich diese Race eigenthümlicher Waarenbesitzer auf dem Waa- renmarkt verewigt ^^).

Um die allgemein menschliche Natur so zu modificiren , dass sie Ge- schick und Fertigkeit in einem bestimmten Arbeitszweig erlangt, ent- wickelte und spezifische Arbeitskraft wird, bedarf es einer bestimmten Bildung oder Erziehung , welche ihrerseits eine grössere oder geringere Summe von Waarenäquivalenten kostet. Je nach dem mehr oder minder vermittelten Charakter der Arbeitskraft, sind ihre Bildungskosten ver- schieden. Diese Erlernuugskosten, verschwindend klein für die gewöhn- liche Arbeitskraft , gehn also ein in den Umkreis der zu ihrer Produktion nothwendigen Waaren.

Der Werth der Arbeitskraft löst sich auf in den Werth einer bestimmten Summe von Lebensmitteln. Er wech- selt daher auch mit dem Werth dieser Lebensmittel, d. h. der Grösse der zu ihrer Produktion erheischten Arbeitszeit.

Ein Theil der Lebensmittel , z. B. Nahrungsmittel , Heizungsmittel u. s. w., werden täglich neu verzehrt , und müssen tägüch neu ersetzt

") Petty.

''0) ,,Its (labour's) natural price . . . consists in such a quantity ofnecessaries, and comforts of life , as , from the nature of the climate , and the habits of the countiy , are necessary to support the labourer , and to enable him to rear such a family asmaypreserve, in the market, an undiminishedsupply of labours." R. Torrens: ,,An Essay on the ExternalCorn Trade. London 1815", p. 62. Das Wort Arbeit steht hier falschlich für Arbeitskraft.

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werden. Andere Lebensmittel, wie Kleider, Möbel u. s. w., verbrauchen sich in längeren Zeiträumen , und sind daher nur in längeren Zeiträumen zu ersetzen. Waaren einer Art müssen täglich, andere wöchentlich, vier- teljährlich u. s. f. gekauft oder gezahlt werden. Wie sich die Summe dieser Ausgaben aber immer während eines Jahres z. B. vertheilen möge, sie muss gedeckt sein durch die Durchschnittseinnahme, Tag ein, Tag aus. Wäre die Masse der täglich zur Produktion der Arbeitskraft erheischten Waaren = A , die der wöchentlich erheischten = B , die der viertel- jährhch erheischten = C u. s. w. , so wäre der tägliche Durchschnitt

= 365 A + 52 B + 4 C -4- ^ . • ;,.

dieser Waaren *— u. s. w. Gesetzt m dieser

365

für den Durchschnitts-Tag nöthigen Waarenmasse steckten 6 Stunden gesellschaftlicher Arbeit, so vergegenständlicht sich in der Arb ei tsk raft täglich ein halber Tag gesellschaftlicher Durchschnittsarbeit, oder ein halber Arbeitstag ist zur täglichen Produktion der Arbeitskraft erheischt. Diess zu ihrer täglichen Produktion erheischte Arbeitsquantum bildet den Tages werth der Arbeits- kraft, oder den Werth der täglich reproduzirten Arbeitskraft. Wenn sich ein halber Tag gesellschaftlicher Durchschnittsarbeit ebenfalls in einer Goldmasse von 3 sh. oder einem Thaler darstellt, so ist Ein Thal er der dem Tageswerth der Arbeitskraft entsprechende Preis. Bietet der Besitzer der Arbeitskraft sie feil für Einen Thaler täglich, so ist ihr Ver- kaufspreis gleich ihrem Werth, und , nach unsrer Voraussetzung, zahlt der auf Verwandlung seiner Thaler in Kapital erpichte Geldbesitzer diesen Werth.

Die letzte Grenze oder Minimalgrenze des Wertlis der Arbeits- kraft wird gebildet durch den Werth einer Waarenmasse , ohne deren täg- liche Zufuhr der Träger der Arbeitskraft , der Mensdi , seinen Lebenspro- zess nicht erneuern kann , also durch den Werth der p

Record · ID 653180
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