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Geteilte und ungeteilte Wirklichkeiten
Dieser Beitrag entwickelt eine Theorie geteilter und ungeteilter Wirklichkeiten, die auf einer theoretischen Analyse der menschlichen Erfahrung und ihren konstitutiven Bedingungen basiert. Ausgehend von einer Kritik an strukturalistischen Ansätzen zur Erklärung sozialer Wirklichkeit (exemplarisch etwa Searles Konzept konstitutiver Regeln) wird argumentiert, dass individuelle Wirklichkeiten durch Ensembles je spezifischer, habituell erworbener Begriffe-von strukturiert werden, die den individuellen „Hintergrund“ eines Subjekts bilden. Solche Hintergründe strukturieren den sinnhaften Erwartungs-, Handlungs- und Erfahrungsraum (und somit die Wirklichkeit) in der sich ein Subjekt in seiner Erfahrung jeweils wiederfindet. Geteiltheit von Wirklichkeit wird somit nicht als Ergebnis vorgängiger sozialer Regelstrukturen verstanden, sondern als dynamisches Produkt wechselseitiger Kalibrierung (d.i. Irritation und Stabilisierung) von Hintergründen in und durch soziale Interaktionen. Die Untersuchung unterscheidet dabei zwischen einem universalen Kern menschlicher Wirklichkeit (basierend etwa auf anthropologischen Konstanten und globalen Umgebungsregularitäten) und lokalen Wirklichkeitshüllen, die sich aus kulturellen Memen, Praktiken und durch sie stabilisierten, normativen Man-Erwartungen ergeben und nur innerhalb spezifischer Gemeinschaften Geltung besitzen, die als “gemeinschaftliche Geltung” bezeichnet wird. Zudem wird gezeigt, dass die gemeinschaftliche Geltung sozialer Bedeutsamkeiten (vor allem in Fällen, in denen diese nicht institutionell abgesichert, kodifiziert und sanktioniert ist wie bei offiziellen Ämtern oder Statuszuweisungen) auf statistischen Verteilungen von Erwartungen beruht, nicht auf intersubjektiv konstitutiven Regeln. Durch die Integration phänomenologischer, sprachphilosophischer und sozialtheoretischer Perspektiven leistet der Text einen Beitrag zur Debatte um Relativismus, Intersubjektivität und die Ontologie des Sozialen, indem er eine alternative, prozessuale Konzeption geteilter Wirklichkeiten vorschlägt, die deren Wandelbarkeit, Heterogenität und kontextuelle Gebundenheit systematisch erklärt.
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