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Wittgensteins Begriff der Familienähnlichkeit. Interpretationen von 1960 bis heute
Eines der bekanntesten philosophischen Konzepte in Wittgensteins Werk ist das der ‚Familienähnlichkeit‘, das in den Philosophischen Untersuchungen zur Charakterisierung von Begriffen wie ‚Spiel‘ und ‚Sprache‘ verwendet wird. Üblicherweise wird Wittgenstein so verstanden, dass es für die korrekte Anwendung von Familienähnlichkeits-Begriffen keine notwendigen und hinreichenden Bedingungen gibt, so dass es für die Dinge, auf die sie zutreffen, nicht unbedingt eine Eigenschaft oder Eigenschaftsmenge gibt, die alle diese Dinge gemeinsam haben. Vielmehr ähneln sich verschiedene konkrete Spiele, Sprachen etc. auf vielfältige verschiedene Weise und fallen aufgrund diverser Ähnlichkeiten in die Extension des jeweiligen Begriffs (‚Spiel‘ , ‚Sprache‘ etc.). Familienähnlichkeits-Begriffe bilden sozusagen einen Mittelweg zwischen radikalem Nominalismus und Essentialismus: Im Gegensatz zu ersterem gründet sich die Bezeichnung eines Spiels als ‚Spiel‘ in gewisser Weise auf die Eigenschaften dieses Spiels, im Gegensatz zu letzterem sind solche Verwendungen allerdings nicht auf eine allgemein geteilte Essenz zurückzuführen, die jedes Spiel besitzt. Die Sachlage ist jedoch kompliziert: Es ist nämlich weder klar, wann genau sich Instanzen (von Spielen etc.) ‚ähneln‘, noch ob diese speziellen Ähnlichkeiten notwendig und/oder hinreichend sein sollen, um die Extension solcher Begriffe festzulegen, noch ob Ähnlichkeiten bei der Erweiterung der Extension solcher Begriffe eine Rolle spielen sollen oder nicht. In der vorhandenen Literatur finden sich unterschiedliche Ansätze zur Familienähnlichkeit, die sich bei der Beantwortung dieser Fragen und somit in der Interpretationen von Wittgenstein widersprechen. Im vorliegenden Aufsatz werden wir verschiedene Ansätze zur Familienähnlichkeit vergleichen und systematisieren. Es ist nicht unser primäres Ziel, für eine bestimmte Lesart von Wittgenstein zu argumentieren. Jedoch wird deutlich werden, dass einige Ansätze ontologische, epistemische und semantische Verpflichtungen eingehen, die Wittgenstein kaum zugesprochen werden können.
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