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Was lehrt uns das Gettier-Problem über das Verhältnis zwischen Intuitionen und Begriffsanalysen?
Der Beitrag beleuchtet einen bisher kaum gewürdigten Grund dafür, dass die Gettier-Debatte nicht zu einer systematisch verbesserten Analyse des Wissensbegriffs geführt hat. Es wird die These entwickelt und verteidigt, dass diejenigen Komplikationen, die einen Gettierfall zu einem solchen machen, sich stets in den blinden Flecken der Situationsrepräsentation des epistemischen Subjekts befinden. Diese These ist in die metaphilosophische Fragestellung eingebettet, was das Gettierproblem uns über das Verhältnis von sprachlichen Intuitionen und Begriffsanalysen lehrt. Es gibt unter kompetenten Sprechern beträchtliche Einmütigkeit darüber, dass paradigmatische Gettierfälle als Fälle von Nichtwissen zu klassifizieren sind, aber ungleich weniger Einigkeit darüber, ob und wie die klassische Analyse des Wissensbegriffs verbessert werden kann. Zu der Frage, warum es so schwer ist, konvergierende sprachliche Intuitionen über Einzelfälle in eine gettierfallsichere allgemeine Analyse zu überführen, werden folgende Thesen entwickelt: Was in Gettierfällen konfligiert, sind nicht Analyse und Intuition als solche, sondern die Charakterisierung eines Situationstyps und die Beurteilung einer einzelnen Situation angesichts einer bestimmten Gettierkomplikation. Die Aufgabe, eine allgemeine Beschreibung der mit Wissen unvereinbaren Komplikationen zu geben, geht weit über die kompetente Beurteilung von Einzelfällen hinaus. Möglicherweise ist sie unlösbar, weil das wörtliche Zutreffen der Beschreibung einer epistemischen Situation niemals garantieren kann, dass sich in den Leerstellen der Beschreibung keine Gettierkomplikation verbirgt.
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